Konjunkturbericht 2/2024Wie geht es weiter: Gleich gut oder gleich schlecht?

Wir befinden uns mit der mittelfränkischen Handwerkskonjunktur an einem Scheideweg. Im vergangenen Quartal ist vieles gleich geblieben, aber die Baubranche ist unter Druck.

Ein Taschenrechner und die einzelnen Seiten des Konjunkturberichts liegen auf einem Tisch
Handwerkskammer für Mittelfranken

Prof. Dr. Elmar Forster, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Mittelfranken, erläutert die aktuelle konjunkturelle Lage im mittelfränkischen Handwerk.

Herr Prof. Dr. Forster, die wirtschaftliche Lage in Deutschland ist auf ihrem „verhaltenen Erholungskurs“ im Mai ins Stocken geraten, konnte im Juni aber wieder an Fahrt aufnehmen. Wie sieht es im mittelfränkischen Handwerk aus?

Prof. Dr. Forster: Bei uns ist im zweiten Quartal konjunkturell vieles „gleich“ geblieben. Sieht man sich die Gewerke im Einzelnen an, gibt es aber durchaus unterschiedliche Entwicklungen.

An welchen Indikatoren machen Sie diese Einschätzung fest?

Prof. Dr. Forster: Der durchschnittliche Auftragsbestand liegt über alle Gewerke hinweg bei 10,7 Wochen. Im Vorquartal waren das 10,8 Wochen. Dementsprechend sind unsere Handwerker im Großen und Ganzen mit ihrer aktuellen Geschäftslage zufrieden. Es hat sich nicht viel verändert. Das spiegelt sich auch beim Ausblick in die Zukunft wider. 68,9 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass ihre Geschäftslage gleich bleiben wird. Bei über der Hälfte unserer Handwerker trifft das auch auf die Umsätze zu, bei über zwei Drittel darüber hinaus auf die Beschäftigtenzahlen. Erfreulicherweise hat aber die Betriebsauslastung über 90 Prozent zugenommen. Davon sprachen im Vorquartal noch 36 Prozent der Befragten, im aktuellen sind es schon knapp 40 Prozent.

Es geht also aufwärts?

Prof. Dr. Forster: Das kann man so nicht sagen. Wir befinden uns an einem Scheideweg. Geht es in eine positive oder negative Richtung? Wir wissen es noch nicht. Da wir aber von einem hohen Niveau kommen, kann man sagen - abhängig von einzelnen Gewerken: „Gleich ist das neue Gut“.

Differenziert zu betrachten ist zum Beispiel die Entwicklung im Bauhauptgewerbe. Zwar liegt der Auftragsbestand immer noch bei 13,4 Wochen. Diese Zahl dokumentiert aber einen kontinuierlichen Abschwung. Während wir vor gut eineinhalb Jahren einen Auftragsbestand mit historischen Höchstständen von 17 Wochen hatten, ging es seit dieser Zeit kontinuierlich bergab. Die Bauanträge sind vor allem im privaten Wohnungsbau um bis zu 30 Prozent zurückgegangen. Das bedeutet, dass zwar noch einige Aufträge vorliegen, aber keine neuen Aufträge speziell im Ein- und Zweifamilienhausbau hereinkommen. Mittel- bis langfristig werden diese Reserven aufgebraucht sein, wenn keine Trendwende eintritt.

Profitiert eine Gruppe besonders?

Prof. Dr. Forster: Trotz einer stockenden Wärmewende ist das Ausbauhandwerk ausgesprochen stabil. Der Auftragsbestand bleibt fast konstant auf einem hohen Niveau und über 50 Prozent unserer Betriebe sind hier zu über 90 Prozent ausgelastet. Das ist überdurchschnittlich.

Warum ist die Wärmewende ins Stocken geraten?

Prof. Dr. Forster: nach Plänen der Bundesregierung sollten 500.000 Wärmepumpen pro Jahr eingebaut werden, mit nur rund 200.000 stockt die Nachfrage erheblich. Die Gründe für den Rückgang liegen in der Verunsicherung der Verbraucher. Als Stichwort darf ich auf das Heizungsgesetz im letzten Jahr verweisen. Ein weiterer Grund für das Zögern der Verbraucher ist, dass die Fördergelder erst im Herbst ausgezahlt werden. Wer jetzt kauft, muss vorstrecken. Da es sich für viele Interessenten um viel Geld handelt, wird mit dem Kauf gewartet. In die Röhre schauen in dieser Zwischenzeit die Industrie und Handwerksbetriebe, da sie keine weiteren Aufträge erhalten.

In Prozenten ausgedrückt wurden 39 Prozent weniger Wärmeerzeuger als noch im Vorjahreszeitraum produziert. Bei Wärmepumpen sind es 52 Prozent weniger. Doch, was genauso zu Buche schlägt, sind andere Bereiche, in denen ebenfalls ein Rückgang zu verzeichnen ist. Holzbasierte Heizungen haben ebenfalls mit einem erheblichen Rückgang zu kämpfen: Biomasseheizungen – um -79 Prozent und Pelletheizung sogar um 81 Prozent.

Was könnte helfen?

Prof. Dr. Forster: Eine berechenbare Förderpolitik, klare Kommunikation und Information potenzieller Käufer.

Trotzdem bleibt der Ausbau weiter stabil?

Prof. Dr. Forster: Ja, die Betriebe kompensieren das über andere Aufträge. Besonders das SHK- und Elektrohandwerk profitieren von einer Entwicklung, die das Bauhandwerk wiederum unter starken Druck setzt: Den Einbruch der Neubauanträge. Wer nicht neu baut, kauft sich vielleicht ein altes Häuschen und saniert es – mit Hilfe des Ausbauhandwerks.

Was ist Ihr Fazit, wenn Sie auf die aktuellen Zahlen blicken?

Prof. Dr. Forster: Für uns ist „Gleich“ das neue „Gut“. Wenn wir da bleiben, wo wir stehen (von ganz wenigen Gewerken abgesehen), wäre das erfreulich. Aber wir befinden uns an einem Scheideweg. Im Moment gibt es eine – sehr leichte – Tendenz ins Positive. Aber die Baubranche steht unter Druck. In welche Richtung wir uns bewegen werden, wird uns die Zukunft zeigen.

Zum Download: Konjunkturbericht 2/2024

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