Pressemitteilung vom 27. Oktober 2026Stabilität trotz Gegenwind: Das mittelfränkische Handwerk im dritten Quartal 2026
Das mittelfränkische Handwerk stabilisiert sich, doch ein breiter Aufschwung bleibt aus. Der Konjunkturbericht zum dritten Quartal 2026 zeigt, wie sich Geschäftslage, Auftragsbestand und Investitionen entwickeln – und wie unterschiedlich die Branchen dastehen.
Deutschlands Wirtschaft erholt sich nur langsam von einer längeren Schwächephase. Für 2026 rechnen Ökonomen mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von rund 1,3 Prozent, für 2027 mit 1,1 Prozent, für 2028 zeichnet sich bereits wieder eine Abschwächung ab. Getragen wird der Aufschwung vor allem von staatlichen Ausgaben für Verteidigung und Infrastruktur sowie von einer besseren Exportentwicklung. Private Investitionen und der Konsum bleiben dagegen schwach: Die privaten Investitionen liegen weiterhin mehr als 10 Prozent unter dem Niveau von 2019. Im September stieg die Inflationsrate auf 3,3 Prozent, vor allem wegen höherer Energie- und Kraftstoffpreise. Auch am Arbeitsmarkt ist von der Erholung bislang wenig zu spüren: Die Arbeitslosenquote lag im September bei 6,4 Prozent. „Die gesamtwirtschaftliche Erholung ist noch nicht in der Breite angekommen. Das spüren auch unsere Betriebe im Alltag“, ordnet Dr. Rainer-Johannes Wolf, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Mittelfranken, die Lage ein.
Die gesamtwirtschaftliche Erholung ist noch nicht in der Breite angekommen. Das spüren auch unsere Betriebe im Alltag.
Das mittelfränkische Handwerk
Im mittelfränkischen Handwerk zeigt sich ein gemischtes Bild. 36,1 Prozent der Betriebe bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut, 45,8 Prozent als befriedigend, nur noch 18,1 Prozent als schlecht, ein spürbarer Rückgang gegenüber dem Vorquartal. Auch die Erwartungen hellen sich leicht auf: 16,9 Prozent der Betriebe rechnen mit einer Verbesserung in den kommenden Monaten, mehr als im Vorquartal. Zudem melden deutlich weniger Betriebe rückläufige Auftragseingänge. Dem stehen jedoch Belastungen gegenüber: Der durchschnittliche Auftragsbestand sank von 10,0 auf 8,9 Wochen, und 63,5 Prozent der Betriebe spüren weiterhin steigende Einkaufspreise. Auch bei den Investitionen bleibt die Zurückhaltung spürbar: In den vergangenen drei Monaten stiegen die Investitionen nur bei 15,8 Prozent der Betriebe, während 35,2 Prozent Rückgänge meldeten. Für die kommenden drei Monate erwarten sogar 37,9 Prozent der Betriebe sinkende Investitionen, deutlich mehr als Betriebe, die mit einem Anstieg rechnen (9,7 Prozent). Besonders schwierig bleibt die Lage im Lebensmittelgewerbe, wo die Hälfte der Betriebe ihre Geschäftslage als schlecht einstuft. Das Bauhauptgewerbe dagegen zeigt sich mit einem Auftragsbestand von 14,9 Wochen vergleichsweise robust. „Unsere Betriebe zeigen gerade in schwierigen Zeiten, wie widerstandsfähig das Handwerk ist. Damit das so bleibt, braucht es aber politische Rahmenbedingungen, auf die sich die Betriebe verlassen können“, sagt Thomas Pirner, Präsident der Handwerkskammer für Mittelfranken.
Damit das Handwerk widerstandsfähig bleibt, braucht es politische Rahmenbedingungen, auf die sich die Betriebe verlassen können.
Beispiel: Kfz-Handwerk
Ein Teilbereich mit eigener Dynamik ist das Kraftfahrzeuggewerbe. Kein Betrieb, der an der Umfrage teilgenommen hat, bewertet die aktuelle Lage als gut, die Hälfte als schlecht, der Auftragsbestand sank auf 4,3 Wochen. „Im Moment läuft es schlecht“, sagt Christine Fröhlich-Müller, Stellvertretende Obermeisterin der Kfz-Innung Mittelfranken. Dennoch blicken die Betriebe zuversichtlicher nach vorn: 27,8 Prozent erwarten eine Verbesserung, nach 7,1 Prozent im Vorquartal, getragen von der neuen E-Auto-Kaufprämie. Zugleich werden Verbrenner derzeit länger gefahren, da viele Kundinnen und Kunden lieber reparieren statt neu kaufen, was das Werkstattgeschäft aktuell noch stützt. Langfristig rechnet Christine Fröhlich-Müller dennoch mit rückläufigem Reparaturbedarf, da Verbrenner nach und nach verschwinden und E-Autos kaum Wartung brauchen. Auch die deutsch-französische Einigung zum EU-Automobilpaket, wonach Hersteller ihre CO2-Emissionen bis 2035 nur noch um 90 statt 100 Prozent senken müssen, sieht sie kritisch: Vor allem der ständige politische Kurswechsel schade und verunsichere. Sie wünscht sich mehr Kontinuität: „Dieses Hin und Her ist grundsätzlich nicht gut, man hat keine verlässliche Richtlinie mehr.“ Mit dieser Aussage bestätigt sie auch die Forderungen anderer Gewerke, z. B. des Ausbauhandwerks, das bezüglich des EEGs (Erneuerbare-Energien-Gesetz) mehr Kontinuität fordert.
Fazit
Insgesamt zeigt sich das mittelfränkische Handwerk im dritten Quartal 2026 stabiler, aber ohne breite Aufwärtsdynamik. Die Betriebe entwickeln sich je nach Gewerk sehr unterschiedlich, zwischen dem soliden Bauhauptgewerbe, dem angespannten Lebensmittelgewerbe und einem Kfz-Handwerk, das trotz schwieriger Gegenwart auf politische Planungssicherheit und die wachsende Nachfrage nach Elektromobilität setzt. „Die Entwicklung im Kfz-Gewerbe zeigt exemplarisch, wie wichtig verlässliche Rahmenbedingungen für unsere Betriebe sind. Nur mit Planungssicherheit können sie die notwendigen Investitionen in die Zukunft wagen“, fasst Rainer-Johannes Wolf zusammen. Thomas Pirner ergänzt: „Ob aus dieser Zuversicht tatsächlich ein breiter Aufschwung wird, hängt maßgeblich davon ab, ob Politik und Wirtschaft an einem Strang ziehen. Das Handwerk hat gezeigt, dass es dazu bereit ist.“