Pressemitteilung vom 6. August 2026Konjunktur in Mittelfranken: Mehr Aufträge, weniger Zuversicht

Der neue Konjunkturbericht zeigt: Die Geschäftslage im mittelfränkischen Handwerk hat sich leicht verbessert. Trotzdem bleibt der Druck hoch. 

Das Portrait eines Mannes. Er lächelt ein wenig.

Der Konjunkturbericht der Handwerkskammer für Mittelfranken für das zweite Quartal 2026 zeigt: Der mittelfränkischen Handwerkswirtschaft geht es besser als im Vorquartal. Geschäftslage, Auftragsbestand und Umsätze haben sich verbessert. Gleichzeitig bleibt die Stimmung gedämpft. Hohe Kosten, Bürokratie und eine anhaltend schwierige Lage im Lebensmittelhandwerk dämpfen die Zuversicht für die kommenden Monate.



Die Lage im Überblick

An der Konjunkturumfrage haben sich 282 Handwerksbetriebe aus der Region beteiligt. 35,1 Prozent der Betriebe bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut, 44,7 Prozent als befriedigend. Nur noch 20,2 Prozent sprechen von einer schlechten Lage, ein deutlicher Rückgang gegenüber dem Vorquartal. Der Auftragsbestand ist über alle Gewerke hinweg auf 10,0 Wochen gestiegen, nach 9,3 Wochen im Vorquartal. Besonders stark zeigt sich das Bauhauptgewerbe: Über 86 Prozent der Betriebe schätzen ihre Lage positiv ein, der Auftragsbestand liegt bei 14,7 Wochen und damit rund 29 Prozent über dem Vorjahreswert.



Wo es gut läuft

Gerade während der wirtschaftlichen Schwierigkeiten zur Coronazeit war Bau und Ausbau der Stabilitätsanker der deutschen Wirtschaft. In den vergangenen Quartalen hatte die Handwerkskammer mit Sorge sinkende Auftragsbestände in diesem Bereich beobachtet. Die aktuellen Zahlen zeigen jedoch: Bau und Ausbau bleiben weiterhin stabil. Der erwartete Einbruch ist bislang nicht eingetreten.
„Die Erholung ist real, aber sie kommt nicht überall an. Das zeigt sich am deutlichsten im Lebensmittelhandwerk, wo sich die Lage sogar noch verschärft hat", sagt Dr. Rainer-Johannes Wolf, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Mittelfranken.

Wir sehen eine Stabilisierung, keinen Durchbruch. Das ist ein guter Ausgangspunkt, aber kein Grund, sich zurückzulehnen.



Wo der Druck bleibt

Denn die Erholung ist nicht überall spürbar. Das Lebensmittelhandwerk bleibt der klare Negativausreißer des Quartals: 33,3 Prozent der Betriebe melden eine schlechte Geschäftslage, kein einziger Betrieb erwartet eine Verbesserung, und der Auftragsbestand ist mit 2,8 Wochen der niedrigste aller Gewerke. Hintergrund sind vor allem stark gestiegene Energiepreise, hohe Rohstoffkosten und die Großindustrie, die den Kleinbetrieben Konkurrenz macht. „Viele Verbraucher entscheiden sich anhand gestiegener Lebenshaltungskosten auch wieder für preiswertere Alternativen als den handwerklichen Metzger oder Bäcker“, vermutet Dr. Rainer-Johannes Wolf.
Auch insgesamt bleibt die Investitionsbereitschaft verhalten: Nur 11,8 Prozent der Betriebe investieren aktuell mehr, während gleichzeitig 73,3 Prozent auf hohem Auslastungsniveau arbeiten. Der Blick nach vorn ist ebenfalls zurückhaltender: Nur noch 14,5 Prozent der Betriebe erwarten eine weitere Verbesserung ihrer Geschäftslage, deutlich weniger als im Vorquartal.
Die Betriebe klagen vor allem über gestiegene Energie- und Materialkosten, den anhaltenden Fachkräftemangel sowie zunehmende bürokratische Anforderungen.
„Wir brauchen jetzt Entlastung bei Energiekosten und Bürokratie, gerade für die Betriebe, die von der aktuellen Erholung nichts spüren", sagt Thomas Pirner, Präsident der Handwerkskammer für Mittelfranken und Mitglied des Bayerischen Landtags (MdL).

Das Reformpaket der Bundesregierung weist in die richtige Richtung, ist aber eher ein Fundament als ein fertiges Haus. Jetzt kommt es auf die Umsetzung an.

Kernzahlen im Überblick

• Geschäftslage: 35,1 Prozent gut, 44,7 Prozent befriedigend, 20,2 Prozent schlecht
• Auftragsbestand alle Gewerke: 10,0 Wochen (Vorquartal: 9,3 Wochen)
• Bauhauptgewerbe: Auftragsbestand 14,7 Wochen, höchster Wert aller Gewerke
• Lebensmittelhandwerk: 33,3 Prozent melden schlechte Lage
• Investitionsbereitschaft gesunken: nur 11,8 Prozent der Betriebe investieren mehr (Vorquartal: 16,7 Prozent)
• Zukünftige Geschäftslage: 14,5 Prozent erwarten Verbesserung (Vorquartal: 25,7 Prozent)



Über die Handwerkskammer für Mittelfranken

Zur Handwerkskammer für Mittelfranken gehören ca. 23.300 Betriebe in 145 Gewerken mit ca. 120.900 tätigen Personen. Die Handwerkskammer vertritt ihre Interessen und unterstützt sie unter anderem bei der Ausbildungsakquise, in Rechts- und Betriebswirtschaftsfragen sowie mit dem Qualitätssiegel Talentwerk für ausgezeichnete Ausbildungsbetriebe. Präsident der Handwerkskammer ist Thomas Pirner, Hauptgeschäftsführer ist Dr. Rainer-Johannes Wolf.

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