Ausbildungsbericht HWK, IHK und Agentur für ArbeitHandwerk legt zu: Mehr Ausbildungsverträge in Mittelfranken
Das Handwerk in Mittelfranken hat im Ausbildungsjahr 2025/2026 zwei Prozent mehr neue Ausbildungsverträge abgeschlossen als im Vorjahr. Jeder einzelne handwerkliche Ausbildungsberuf legte zu. Bei der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken (IHK) ging die Zahl der neuen Verträge dagegen um 6,8 Prozent zurück. Gleichzeitig suchen deutlich mehr junge Menschen eine Ausbildung: Im Bezirk der Agentur für Arbeit Nürnberg stieg die Zahl der Bewerber um 11,7 Prozent auf 4.687. Die Zahl der gemeldeten Ausbildungsstellen sank um 8,7 Prozent auf 4.236.
Trotzdem gilt: Am Ende des Berichtsjahres standen 320 unversorgten Bewerbern noch 547 unbesetzte Stellen gegenüber. Für jeden gibt es noch einen Platz. Diese Botschaft betonten die Agentur für Arbeit Nürnberg, die Handwerkskammer für Mittelfranken und die IHK bei der Präsentation ihrer Jahreszahlen. Entscheidend ist, dass Wunsch und Angebot zusammenfinden.
Warum das Handwerk Gewinner des Ausbildungsjahres ist
Insgesamt 3.541 neue Auszubildende zählte die Handwerkskammer bis zum Stichtag am 31. Oktober 2026, meldete Matthias Braun, Leiter der Berufsbildung der Handwerkskammer. Die Gründe für den Anstieg sind vielfältig. In Zeiten von Künstlicher Intelligenz (KI) bietet das Handwerk vergleichsweise sichere Arbeitsplätze, weil sich die Arbeit schlecht automatisieren lässt. Das gibt dem Imagewandel, den das Handwerk seit den 2010er Jahren vorantreibt, zusätzlichen Schwung.
Dazu kommt: Viele Handwerksberufe gelten als Zukunftsberufe, etwa für den Mobilitätswandel oder das klimagerechte Bauen. Das Handwerk hat sich in Krisen als widerstandsfähig erwiesen und bietet eine starke Teamkultur. Nicht zuletzt sind die Löhne im Handwerk im gesamtwirtschaftlichen Vergleich stärker gestiegen als in anderen Branchen, und zwar schon ab dem ersten Ausbildungstag. Auch beim Gender Pay Gap tut sich etwas: Der Einstieg wird gerechter, im weiteren Berufsleben bleibt allerdings noch Luft nach oben.
Matthias Braun fasst zusammen: „Die Karrierechancen im Handwerk sind aktuell hervorragend. Die Babyboomer gehen in Rente. Dadurch werden nicht nur viele Stellen frei, sondern viele Betriebe warten auch auf die Übernahme durch junge Chefs. Generell hat sich gezeigt: Wer durchhält und seine Ausbildung beendet, verdient im Handwerk gutes Geld.“
Zuzug aus dem Ausland entlastet die Lebensmittelberufe
In der Lebensmittelbranche, die in den vergangenen Jahren hart um Fachkräfte kämpfen musste, bringt vor allem der Zuzug aus dem Ausland eine erste Entlastung. Gerade Bäcker und Metzger profitieren davon. „Bei uns zählt nicht, wo jemand herkommt. Diese Menschen sind eine riesige Unterstützung angesichts unseres Fachkräftebedarfs“, betont Matthias Braun.
Einen weiteren Grund für die positive Entwicklung am handwerklichen Ausbildungsmarkt sieht er im Einsatz der Handwerkskammer in der Berufsorientierung: „Wir waren mit über 5.000 Schülern im Kontakt, um ihnen zu zeigen, wie zukunftsorientiert und interessant das Handwerk ist.“ Sein Appell an Jugendliche und Eltern: Die Ausbildungsentscheidung verdient mehr Beachtung. Gute Beratung und das passende Matching sind dabei enorm wichtig.
IHK: weniger Verträge, mehr Azubis aus dem Ausland
Dieses Engagement in der Berufsorientierung und -begleitung teilen auch IHK und Agentur für Arbeit. Stefan Kastner, Leiter der Berufsbildung der IHK, berichtete von zahlreichen Angeboten für Jugendliche, unter anderem die mobile Beratungsbox, die offene Sprechstunde und die IHK-Ausbildungs-Scouts. Ähnlich wie im Lebensmittelhandwerk sind auch Hotels und Gastronomie auf den Zuzug aus dem Ausland angewiesen: „Dort sind mittlerweile mehr Auszubildende aus dem Ausland, vor allem aus Vietnam, als aus Deutschland“, berichtet Stefan Kastner. Um diese Fachkräfte zu unterstützen, hat die IHK eigene Angebote entwickelt, etwa das Programm „2 plus 1“, das die zweijährige Ausbildung für Verkäufer auf drei Jahre streckt. „Es hat sich herausgestellt, dass das zusätzliche Jahr gerade beim Erwerb der notwendigen Sprachkenntnisse enorm hilfreich ist“, sagt Stefan Kastner. Mittlerweile haben 10 Prozent aller Auszubildenden im IHK-Bezirk einen ausländischen Schulabschluss. Parallel wurde die Integrationssprechstunde eingeführt.
Bei der IHK wurden zum 31. Oktober 2026 6.827 neue Ausbildungsverträge registriert, im Vorjahr waren es 7.327. In den kaufmännischen Berufen lag das Minus bei 5,9 Prozent, in den gewerblich-technischen bei 8,6 Prozent. In einigen Berufen, etwa beim Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung, bilden Betriebe auch wegen KI weniger aus. In anderen fehlen dagegen Auszubildende. Um das auszugleichen, hat die IHK das Azubi-Matching für Unversorgte eingeführt. „Wir haben extra einen Kollegen eingestellt, der sich ausschließlich um Jugendliche kümmert, die in Klassenräumen geparkt werden, weil sie nichts gefunden haben. Er ist mit den Lehrkräften in engem Austausch, führt mit den Unversorgten Einzelgespräche und hilft bei der Orientierung, der Vermittlung und der Bewerbung“, berichtet Stefan Kastner.
Agentur für Arbeit: mehr Bewerber, weniger gemeldete Stellen
Auch die Agentur für Arbeit Nürnberg engagiert sich. Mit der Einstiegsqualifizierung (EQ), der Berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme (BvB), der Assistierten Ausbildung flexibel (AsA flex) und der außerbetrieblichen Berufsausbildung (BaE) will sie Jugendliche nicht nur für eine Ausbildung gewinnen, sondern sie auch zu einem erfolgreichen Abschluss führen. 320 Bewerber blieben zum Ende des Berichtsjahres unversorgt, von weiteren 1.057 weiß die Agentur nicht, wo sie untergekommen sind. „Das schmerzt mich besonders, auch wenn ich davon ausgehe, dass viele von ihnen einen Ausbildungsplatz gefunden und es uns einfach nicht gemeldet haben“, sagt Peter Preißinger, Bereichsleiter in der Berufsberatung der Agentur für Arbeit.
Er und seine Kollegen beobachten eine neue Entwicklung: „Die Zahl der Bewerber nimmt zu, die Zahl der Ausbildungsstellen nimmt ab. Im Vorjahr waren es noch 1,1 Stellen auf einen Bewerber, heuer sind es 0,9 Stellen“, berichtet Lukas Schliepkorte, Pressesprecher der Agentur für Arbeit. Das heißt aber nicht, dass es zu wenige Ausbildungsplätze gibt. Vielmehr wenden sich viele Betriebe direkt an die Jugendlichen, etwa über WhatsApp, ohne den Weg über die Agentur zu nehmen. „Da sind wir ein bisschen neidisch auf die Kammern, die WhatsApp schon im Kontakt verwenden dürfen“, warf Peter Preißinger augenzwinkernd ein.
Die größte Aufgabe: das Matching
Am Ranking der beliebtesten Berufe hat sich wenig geändert. Bei den Männern liegt der Kfz-Mechatroniker auf Platz eins, bei den Frauen die Kauffrau für Büromanagement gleichauf mit der Medizinischen Fachangestellten. Der Verkäufer landet bei den Männern auf Platz zwei, bei den Frauen auf Platz drei und bei den gemeldeten Ausbildungsstellen ebenfalls auf Platz zwei. „Wenn alle den Beruf wollen und dort die meisten Stellen gemeldet sind, wundert es doch, dass dort auch die meisten unbesetzt bleiben“, sagt Peter Preißinger.
Daran zeigt sich die größte Herausforderung auf dem Ausbildungsmarkt, nicht nur in der Region: das Matching. „Erwartung und Realität passen nicht immer zusammen. Es kann nicht jeder in einer Parfümerie arbeiten, es gibt die Verkäuferstellen eben auch im Baumarkt“, erklärt Peter Preißinger.
Genau darum kümmern sich alle drei Partner in der Region. Denn in einem Punkt sind sie sich einig: Auf diesem Ausbildungsmarkt gibt es für jeden einen Platz.
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