Eine Einordnung: Prof. Dr. Elmar Forster zum Konjunkturbericht Gute Grundstimmung und unsichere Zukunftsaussichten

Zwischen Auflockerung und schwacher Zukunftsprognose: Von dieser Unsicherheit ist die Konjunkturumfrage im mittelfränkischen Handwerk im ersten Quartal 2024 geprägt

Ein Taschenrechner und die einzelnen Seiten des Konjunkturberichts liegen auf einem Tisch
Handwerkskammer für Mittelfranken

Die mittelfränkischen Handwerksbetriebe wissen derzeit nicht genau, wo die Reise aus wirtschaftlicher Sicht hingeht. Eine Einordnung von Professor Dr. Elmar Forster, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Mittelfranken. 

Herr Professor Dr. Forster, die aktuellen Konjunkturzahlen wirken ja auf den ersten Blick gar nicht schlecht. 

Ja, das stimmt. Die aktuellen Zahlen zeichnen ein zuversichtliches Bild und sind weniger negativ als befürchtet. 40,2 Prozent der befragten Betriebe bezeichnen ihre aktuelle Geschäftslage als gut, 39,1 Prozent als befriedigend. Verglichen mit dem Vorquartal gab es damit eine Verschiebung von „befriedigend“ zu „gut“. 79,3 Prozent der Betriebe beurteilen ihre aktuelle Geschäftslage zurzeit als gut oder befriedigend. Im Vorquartal waren es 77,6 Prozent, im Vorjahr 85,5 Prozent. Insgesamt scheint wieder eine  positivere Grundstimmung zu herrschen. Trotzdem sind die Zahlen mit Vorsicht zu betrachten. 

Warum raten Sie zur Vorsicht?

Momentan sehen die Zahlen zwar gut aus, aber sie zeigen auch eine große Unsicherheit: Führende Wirtschaftswissenschaftler mahnen zur Vorsicht. Durch Tarifabschlüsse sind höhere Löhne erreicht worden. Erfahrungsgemäß hat dies eine Steigerung der Inflationsrate zur Folge. Zudem gehen führende Wirtschaftsinstitute in Deutschland von einer Abschwächung im weiteren Jahresverlauf aus: Die gemeinsame Frühjahrsprognose (IfW Kiel, DIW, IWH, RWI und Ifo-Institut) korrigierte im März ihre  Erwartung vom Herbst für das Jahr 2024 merklich nach unten. Auch der Internationale Währungsfonds senkte seine Prognosen  für 2024. Im Januar gingen die Experten noch von einem Wachstum von 0,5 Prozentpunkten aus, nun wurde dieser Wert reduziert.  Mit nun 0,2 Prozent hat Deutschland den niedrigsten Wert aller G7 Staaten. Gleichzeitig stieg die Zahl der Firmenpleiten in Deutschland im April - den dritten Monat - in Folge auf einen Höchstwert. Es scheint demnach wieder kein  schwieriges Jahr für die deutsche Wirtschaft zu werden. 

Warum sind die Zahlen im Konjunkturbericht trotzdem vorsichtig optimistisch?

Zum einen ist zu Jahresbeginn die Stimmung im Konjunkturverlauf häufig besser als im weiteren Jahresverlauf. Die Gründe: Neue Aufträge, neu geöffnete Fördertöpfe, es wird mehr investiert. Das ist zyklisch jedes Jahr spürbar. Zudem ist zur Einordnung der Zahlen zu sagen: Die Inflation ist in Deutschland auf das niedrigste Niveau seit drei Jahren gesunken und lag im März bei rund 2,2 Prozent. Dieser Rückgang kommt in erster Linie durch weiter sinkende Energiepreise zustande. Diese sanken um 2,7 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Allerdings gilt die Preissenkung nicht für alle Bereiche: Die Materialpreise im  Baugewerbe sind nach wie vor hoch. 

Wie ist also der Blick in die Zukunft?

Auch da haben sich die Erwartungen abgeschwächt. Aktuell sieht es zwar gut aus, aber nur noch 24,7 Prozent der Betriebe gehen davon aus, dass die Lage weiterhin auf gutem Niveau bleibt. Uns beunruhigt außerdem, dass 32,3 Prozent der Betriebe einen für die Jahreszeit unterdurchschnittlichen Auftragsbestand haben, 38 Prozent berichten im Vergleich zum Vorquartal von einem gesunkenen Auftragseingang. Hier zeigt sich die Differenz zwischen Auflockerung und abgeschwächter Zukunftsprognose.

Welche Branche ist beispielhaft?

Wir blicken derzeit vor allem auf das Bauhaupt- und Ausbaugewerbe. Dort schwächt sich die Lage etwas ab, auch wenn sie nach wie vor über dem Durchschnitt liegt. 39 Prozent der Betriebe berichten immer noch von einer guten Geschäftslage. Ein großes Thema des letzten Jahres war der Heizungstausch. Dank des Gebäudeenergiegesetzes gab es mit rund 1,3 Millionen einen Rekord an verkauften Heizungen und damit eine sehr gute Auftragslage für das SHK-Gewerbe. Allerdings bleibt die rechtliche Lage zur Abwicklung der Verträge weiterhin unklar, weshalb sowohl Handwerker als auch Kunden langfristigen Verbindlichkeiten verhalten gegenüberstehen. Auch hier treffen wir also wieder auf das Spannungsfeld zwischen Heute und Morgen.

Was ist also Ihr Fazit?

Die Konjunkturumfrage zeigt in den Zahlen das, was wir auch vor Ort immer wieder von unseren Mitgliedern hören: Unsere Handwerker arbeiten zwischen aktueller Auflockerung und sich abschwächendem Zukunftsoptimismus. Wir können also nur hoffen, dass die Optimisten Recht behalten werden.

Der aktuelle Konjunkturbericht

Dashboard Konjunkturbericht 1/2024
Handwerkskammer für Mittelfranken