Forderungen des mittelfränkischen HandwerksGestalten statt verwalten – wie Kommunen mit dem Handwerk stärker werden
Das Handwerk ist ein zentraler Motor für Lebensqualität, wirtschaftliche Stärke und gesellschaftlichen Zusammenhalt in unseren Städten und Gemeinden. Rund 22.500 Handwerksbetriebe in Mittelfranken sorgen täglich dafür, dass gebaut, gestaltet und versorgt wird. Damit das so bleibt, braucht es starke Rahmenbedingungen – gerade auf kommunaler Ebene. Im Vorfeld der bayerischen Kommunalwahl 2026 präsentieren wir die konkreten Forderungen des mittelfränkischen Handwerks: Acht zentrale Anliegen und zahlreiche Impulse aus den Regionen, die zeigen, worauf es jetzt ankommt.
Denn klar ist: Eine starke Kommune braucht ein starkes Handwerk.
Acht Forderungen
Wir stehen bereit, gemeinsam konkrete Lösungen zu entwickeln.
Forderungen aus den Regionen
Zukunft entsteht dort, wo sie umgesetzt wird. Deshalb braucht es regionale Zusammenarbeit.
Unsere acht Forderungen im Detail
Forderung 1: Mobilitätswende gemeinsam voranbringen
Was bedeutet das konkret?
- Einbeziehung der Wirtschaft bei der Entwicklung von Parkinnovationen und Pilotprojekten in der Verkehrsraumnutzung Verkehrsinfrastruktur erhalten und ausbauen
- Erreichbarkeit von Betrieb und Kunden gewährleisten
- Unbürokratische Regelungen für Parkverbots- und Anwohnerzonen
- Handwerksparkausweis+ in weiteren Kommunen etablieren
Verkehrsplanung ohne die Wirtschaft ist wie Bauen ohne Fundament
Eine moderne Verkehrspolitik braucht die direkte Einbindung der betroffenen Wirtschaftszweige, denn beispielsweise ohne die Perspektive des Handwerks gehen Mobilitätskonzepte oft an der Realität vorbei.
Betriebe müssen ihre Kunden zuverlässig bedienen, pünktlich liefern und flexibel agieren können – dafür braucht es Erreichbarkeit, eine funktionierende Infrastruktur und praxisnahe Regelungen bei Park- und Zufahrtsbeschränkungen. Die Entwicklung von Pilotprojekten und Parkinnovationen darf nicht ohne Einbeziehung jener erfolgen, die täglich auf funktionierenden Verkehr angewiesen sind.
Wer das Handwerk mitdenkt, hält die Wirtschaft in Bewegung und legt das Fundament für eine erfolgreiche Mobilitätswende.
Forderung 2: Energie- und Klimapolitik mit dem Handwerk meistern
Was bedeutet das konkret?
- Einbindung des Handwerks in Wärmeplanung der Kommunen
- Verlässliche Energie- und Klimapolitik zur Schaffung langfristiger Planbarkeit für Handwerk und Kundschaft
- Klimaschutzmaßnahmen in Abstimmung mit der lokalen Wirtschaft umsetzen
Politik macht Pläne. Das Handwerk macht Zukunft
Damit die Energiewende gelingt, muss das Handwerk als zentraler Partner in die kommunale Klima- und Wärmeplanung eingebunden werden – von Anfang an und auf Augenhöhe.
Klimaschutzmaßnahmen dürfen nicht über die Köpfe der lokalen Wirtschaft hinweg beschlossen werden. Ihre Umsetzung gelingt nur in enger Abstimmung mit den Betrieben, die sie tragen und realisieren.
Eine zukunftssichere Energieausrichtung erfordert zudem verlässliche Rahmenbedingungen. Dazu zählen planbare Energiekosten, geringe Preisschwankungen und strategische Entscheidungen mit Weitblick.
So wird aus politischem Willen echte Praxis – mit dem Handwerk an der Spitze der Transformation.
Forderung 3: Ausbildungsattraktivität steigern
Was bedeutet das konkret?
- Kooperation von Schulen und Wirtschaft fördern
- Sichtbarkeit des Handwerks durch wertschätzende Kommunikation steigern
- Bezahlbaren Wohnraum für Azubis schaffen
- Kostenlose oder günstige Mobilitätsangebote entwickeln
Handwerk hat goldenen Boden – aber braucht glänzende Perspektiven für den Nachwuchs
Der Handwerksnachwuchs von heute ist die Fachkraft von morgen – und unverzichtbar für die regionale Wirtschaft.
Um mehr junge Menschen für eine Ausbildung im Handwerk zu gewinnen, braucht es politische Unterstützung: durch die Förderung schulischer Kooperationen, bezahlbaren Wohnraum für Azubis, kostenlose oder günstige Mobilitätsangebote und praxisnahe Berufsorientierung. Besonders für Auszubildende sind Wohnheime eine wichtige Unterstützung – sie schaffen sozialen Ausgleich und sichern den Zugang zur beruflichen Bildung unabhängig vom Wohnort.
In enger Zusammenarbeit mit dem kommunalen Handwerk müssen nachhaltige Strukturen geschaffen werden, die Ausbildung erleichtern und Betriebe entlasten. Gleichzeitig ist die Politik gefordert, ein modernes, wertschätzendes Bild des Handwerks in der Öffentlichkeit zu transportieren und seine gesellschaftliche Bedeutung sichtbar zu machen.
Forderung 4: Vereinbarkeit von Familie und Beruf fördern
Was bedeutet das konkret?
- Sicherstellung von Kindergartenplätzen, um den (Wieder-)Eintritt in den Arbeitsmarkt attraktiver zu gestalten
- Öffnungszeiten von Betreuungsstätten an die Arbeitszeiten anpassen
- Bedarfsgerechte Schaffung von Wohn- und Lebensraum
- Betreuung und Wohnraum sind kein Bonus – sie sind Grundvoraussetzung
Betreuung und Wohnraum sind kein Bonus - sie sind Grundvoraussetzung.
Wer die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stärken will, muss die Lebensrealitäten berufstätiger Eltern ganzheitlich in den Blick nehmen. Eine moderne Arbeitswelt braucht deshalb verlässliche, flexible Kinderbetreuung genau- so wie bezahlbaren Wohnraum in Arbeitsplatznähe. Beides sind zentrale Standortfaktoren, wenn es darum geht, Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu halten.
Familienfreundliche Infrastrukturen – von bedarfsgerechten Kita-Öffnungszeiten bis hin zu kurzen Wegen zwischen Wohnen und Arbeiten – erleichtern Eltern den Wiedereinstieg in den Beruf und schaffen Planungssicherheit im Alltag.
Besonders kleine und mittelständische Betriebe profitieren, wenn Betreuung und Wohnsituation besser mit ihren betrieblichen Erfordernissen in Einklang stehen.
Forderung 5: Verwaltung modernisieren
Was bedeutet das konkret?
- Mittelstandsfreundlich ausgerichtete Verwaltung
- Once-Only-Prinzip etablieren
- Erreichbarkeit und digitale Angebote der Verwaltung ausbauen
- Digitalisierung muss über digitale Formulare hinausgehen – gefordert ist ein grundlegendes Neudenken und Gestalten von Verwaltungsstrukturen
- Einfache Sprache und Merkblätter für besondere Sachverhalte zur Verfügung stellen
- Direkte Ansprechpartner für das Handwerk in den Kommunen schaffen
Miteinander statt aneinander vorbei – handwerksfreundliche Verwaltung ist Standortförderung
Eine moderne Verwaltung ist ein zentraler Standortfaktor – besonders für das Handwerk. Sie muss mittelstandsfreundlich, digital, gut erreichbar und lösungsorientiert arbeiten.
Verfahren wie das Once-Only-Prinzip können Betriebe erheblich entlasten, wenn Informationen nicht mehrfach abgefragt werden. Ebenso wichtig sind verständlich formulierte Merkblätter und einfache Sprache, um Bürokratiehürden zu senken.
Ein einheitlicher Ansprechpartner bzw. Lotse für das Handwerk in jeder Kommune kann zusätzlich helfen, Prozesse zu vereinfachen und Orientierung zu bieten.
Eine moderne Verwaltung muss Unterstützung leisten und entschlossen handeln. Nur so wird sie ihrem Anspruch gerecht, eine verlässliche Partnerin der Wirtschaft zu sein.
Forderung 6: Vergaben mittelstandsfreundlich gestalten
Was bedeutet das konkret?
- Wertgrenzen bei der Vergabe von öffentlichen Aufträgen ausschöpfen
- Regionale Zertifikate anerkennen (z. B. Nachhaltigkeitszertifikate, Ausbildungszertifikate)
- Teillosverfahren beibehalten
- Personalsituation in den Ämtern verbessern, damit Qualität der Ausschreibungen und Abwicklung weiterhin gesichert bleibt
Die kostengünstigste Lösung ist nicht immer die beste – für faire, lokale und nachhaltige Vergaben
Mittelstandsfreundliche Vergaben stärken das Handwerk vor Ort und sichern regionale Wertschöpfung. Dafür müssen öffentliche Auftraggeber die bestehenden Wertgrenzen konsequent ausschöpfen und bei Ausschreibungen noch stärker auf Qualität, Nachhaltigkeit und Lokalität setzen. Entscheidend ist, dass Vergaberichtlinien so gestaltet sind, dass auch kleinere Betriebe realistische Chancen auf Beteiligung haben. Daher muss das Teillosverfahren zwingend Anwendung finden, um eine Aufteilung von Aufträgen in kleinere Lose zu ermöglichen und so die Beteiligung mittelständischer und kleiner Unternehmen zu erleichtern. Gleichzeitig braucht es gut ausgestattete Vergabestellen mit ausreichend Personal, um Ausschreibungen transparent, rechtssicher und praxisnah abzuwickeln.
Faire Vergaben sind keine Formalie – sie sind ein strategisches Instrument kommunaler Wirtschaftsförderung.
Forderung 7: Mittelstand steuerlich entlasten
Was bedeutet das konkret?
- Entlastung bei der Gewerbesteuer und Aufkommensneutralität
- Konnexitätsprinzip einhalten
Entlastung statt Mehrbelastung
Ein starker Mittelstand ist das Rückgrat unserer lokalen Wirtschaft – und damit Garant für Ausbildungsplätze, Innovationen und gesellschaftliches Engagement vor Ort.
Um seine Zukunftsfähigkeit zu sichern, braucht es spürbare Entlastungen, insbesondere bei der Gewerbesteuer. Diese muss mit Augenmaß gestaltet werden und darf Unternehmen nicht überfordern. Ziel ist eine Aufkommensneutralität, die staatliche Investitionen ermöglicht, ohne den Mittelstand zusätzlich zu belasten. Zudem muss das Konnexitätsprinzip konsequent eingehalten werden: Wer Aufgaben überträgt, muss auch die dafür nötigen Mittel zur Verfügung stellen.
Nur so werden verlässliche Rahmenbedingungen für nachhaltiges Wirtschaften vor Ort geschaffen.
Forderung 8: Standorte clever nutzen
Was bedeutet das konkret?
- Gewerbeflächen sichern und bedarfsgerecht entwickeln
- Fokus auf Nachhaltigkeitsmanagement
- Soziale und wirtschaftliche Aspekte gleichermaßen berücksichtigen
- Ausbau von Internet und Mobilfunk
- Attraktivität von Existenzgründungen steigern, besonders im ländlichen Bereich
Zukunftsfähige Standortentwicklung für ein starkes Handwerk
Für ein starkes Handwerk braucht es vorausschauende Flächenpolitik. Gewerbeflächen müssen nicht nur gesichert, sondern auch gezielt und zukunftssicher weiterentwickelt werden – mit Augenmaß, Bedarfsgerechtigkeit und in enger Abstimmung mit den Betrieben vor Ort.
Gleichzeitig zählt auch eine leistungsfähige digitale Infrastruktur heute zu den entscheidenden Standortfaktoren. Zuverlässiger Mobilfunk und schnelles Internet sind grundlegende Voraussetzungen für wirtschaftliches Arbeiten – auch und gerade für das Handwerk.
Darüber hinaus braucht das Handwerk die Entwicklung eines durchdachten Nachhaltigkeitsmanagements, das ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte gleichermaßen berücksichtigt. Durch solche zukunftsfähigen Rahmenbedingungen können Unternehmen wachsen, sich modernisieren und dauerhaft in der Region verwurzeln.
Zukunft entsteht dort, wo sie umgesetzt wird. Deshalb braucht es regionale Zusammenarbeit.
Unsere regionalen Forderungen im Detail
Forderungen aus der Region Erlangen-Hersbruck-Lauf
Mittelstand braucht eine starke Stimme
Erlangen ist wirtschaftlich stark durch einen globalen Großkonzern geprägt. Diese Dominanz beeinflusst investitions- und standortpolitische Entscheidungen oftmals zugunsten internationaler Unternehmen. In der Folge dürfen aber die Interessen des regionalen Mittelstands und Handwerks nicht ins Hintertreffen geraten: Flächenkonkurrenz, lange Entscheidungswege und ein Mangel an passgenauer Unterstützung erschweren es kleinen und mittleren Betrieben, sich im Standortwettbewerb zu behaupten.
Verstärkend wirkt die organisationale Ausgestaltung der Wirtschaftsförderung in der Stadtverwaltung: Zwar ist sie formal als eigenes Referat ausgewiesen – faktisch liegt die Verantwortung jedoch beim Wirtschafts- und Finanzreferenten in Personalunion.
Das führt zu einem Zielkonflikt: Während eine aktive, mittelstandsnahe Wirtschaftsförderung Gestaltungsfreiräume, Investitionen und Geschwindigkeit braucht, verfolgt das Finanz- referat primär Haushaltsdisziplin und Kosten- minimierung. Diese doppelte Zuständigkeit darf die Handlungsfähigkeit nicht hemmen – insbesondere zum Nachteil kleiner Betriebe, die auf engagierte und durchsetzungsfähige Vertretung angewiesen sind.
Wir fordern daher: eine klare Trennung von Wirtschafts- und Finanzreferat sowie den gezielten Aufbau einer eigenständigen Wirtschaftsförderung, die das Handwerk und den Mittelstand in Erlangen sichtbar stärkt, aktiv begleitet und langfristig fördert – für faire Rahmenbedingungen und eine lebendige, mittelstandsfreundliche Stadtentwicklung.
Deutliche Steuerbelastungen setzen Erlangens Handwerk unter Druck
Die erneute Anhebung des Grundsteuer-Hebesatzes auf 625 Prozent ist bereits die zweite Steigerung in kurzer Zeit – 2024 lag er noch bei 440 Prozent. Viele Handwerksbetriebe sind Eigentümer ihrer Betriebsgrund- stücke und tragen die erhöhte Grundsteuer daher direkt selbst. Aber auch Betriebe, die ihre Räume angemietet haben, werden stark belastet: Die Grundsteuer wird in der Regel vollständig über die Nebenkosten auf die Mieter umgelegt. Gleichzeitig plant die Stadt, ab 2026 auch den Gewerbesteuer-Hebesatz deutlich zu erhöhen. Damit entsteht eine doppelte steuerliche Belastung – Grundsteuer und Gewerbesteuer steigen parallel –, was gerade für lokal gebundene Handwerksbetriebe eine erhebliche wirtschaftliche Herausforderung darstellt. In einer Zeit hoher Material-, Energie- und Finanzierungskosten verschärfen diese Maßnahmen den Kostendruck weiter und gefährden die Stabilität des lokalen Handwerks.
Die Stadt Erlangen muss die Grundsteuererhöhung für 2026 rückgängig machen, sowie den Gewerbesteuerhebesatz auf einem erträglichen Niveau halten, um die finanzielle Belastung für betriebseigene Grundstücke zu senken und Planungssicherheit für das regional verwurzelte Handwerk zu schaffen.
Sie haben Fragen? Hier finden Sie Ihre Ansprechpartner bei der Kreishandwerkerschaft Erlangen-Hersbruck-Lauf.
Forderungen aus der Region Fürth Stadt und Land
Brückensanierung als Wirtschaftshindernis
In Fürth stehen mehrere zentrale Brücken über den Rhein-Main-Donau-Kanal vor grundlegender Sanierung oder Neubau. Die Schwabacher Brücke wird ab Herbst 2026 neu gebaut, die stark sanierungsbedürftige Zirndorfer Brücke wurde im November 2025 aufgrund eines neuen Gutachtens kurzfristig gesperrt. Hinzu kommen mittelfristig Maßnahmen an der Farrnbach- und Hafenbrücke. Die parallele Betroffenheit mehrerer wichtiger Verkehrsachsen führt bereits jetzt zu erheblichen Einschränkungen und sorgt für große Unsicherheit bei Handwerk, Wirtschaft und Lieferdiensten: verlässliche Routen- und Einsatzplanung wird dadurch massiv erschwert.
Wir fordern ein digitales, öffentlich zugängliches Baustellen- und Verkehrsmanagementsystem für Fürth. Es muss über Brücken- bauprojekte, Sperrungen, Umleitungen und Zeitpläne informieren, um Planungssicherheit für Betriebe zu schaffen und wirtschaftliche Folgen abzumildern. Eine zentrale, transparente Kommunikation ist entscheidend, um den städtischen Verkehrsfluss während der Bauphasen aufrechtzuerhalten und die Region wirtschaftlich handlungsfähig zu halten.
Schlachthof Fürth erhalten und Region fördern
Der Metzgerschlachthof Fürth gilt als Vorzeigeprojekt für regionale, handwerkliche Fleischvermarktung mit kurzen Wegen, hoher Fachkompetenz und Tierwohlstandards. Geplant ist ein umfassender Umbau inklusive größerer Stallflächen, verbesserter Energieeffizienz und umweltfreundlicher Technik. Die Modernisierung kostet 10,15 Mio. Euro, der Schlachthof kann Eigenmittel sowie erwartete Förderungen in Höhe von rund 4,5 Mio. Euro aufbringen – dennoch bleibt eine Finanzierungslücke von ca. 6 Mio. Euro. Eine schrittweise Umsetzung ist nicht mög- lich, da Infrastruktur und Technik zusammenhängen. Ohne zusätzliche Unterstützung kann dieses zukunftsweisende Projekt nicht realisiert werden.
Gerade in Zeiten unsicherer Lieferketten, wachsender globaler Krisen und Debatten über nationale Notfallvorsorge wird deutlich: Eine Region bleibt nur dann stark und handlungsfähig, wenn sie in der Lage ist, sich selbst mit Lebensmitteln zu versorgen. Dafür braucht es tragfähige, regionale Strukturen – sowohl in der Erzeugung als auch in der Verarbeitung. Ein Scheitern des Projekts hätte spürbare Folgen für die heimische Landwirtschaft, für handwerklich geprägte Betriebe und nicht zuletzt für die Interessen der Verbraucherinnen und Verbraucher.
Wir fordern eine gezielte Förderung der Modernisierung des Fürther Metzgerschlachthofs durch Landes- und Bundesmittel, etwa über bestehende Programme wie den „Zukunftsvertrag Landwirtschaft“ oder die Marktstrukturförderung. Der Schlachthof sichert regionale Wertschöpfung, Tierwohl, kurze Transportwege und handwerkliche Qualitätsstandards – das muss politisch unterstützt werden. Ein Investitionsstopp gefährdet nicht nur den Fortbestand des Betriebs, sondern auch viele landwirtschaftliche Existenzen im Umland. Wer regionale Lebensmittelversorgung ernst nimmt, muss jetzt konkrete Unterstützung leisten.
Forderungen aus der Region Mittelfranken-Süd
Regionale Bildungsstrukturen fördern und erhalten
In Mittelfranken geraten berufliche Schulen zunehmend unter Druck: Trotz guter Ausstattung und guter Infrastruktur sind in einzelnen Gewerken die Zahlen der Auszubildenden, unter anderem auch aufgrund der geburtenschwachen Jahrgänge, niedrig. Es muss dafür gesorgt werden, dass keine Zentralisierung einzelner Berufe in Großstädten stattfindet. Die Beschulung muss auch auf dem Land gewährleistet bleiben. Gleichzeitig ist der Zugang zur Berufsschule für viele Auszubildende aus dem ländlichen Raum aufgrund unzureichender ÖPNV-Anbindungen erschwert (beispielsweise aus dem südlichen Landkreis Roth zur Berufsschule Gunzenhausen).
Wir fordern: Schulstandorte in Mittelfranken nicht in Großstädten zentralisieren und den Erhalt und die gezielte Förderung der Bildungsinfrastruktur in Süd-Mittelfranken: durch Investitionen in Berufsschulen und einen schulorientierten Ausbau des ÖPNV.
Gewerbeerweiterung wohlwollender begleiten
In Mittelfranken-Süd berichten viele Handwerksbetriebe, dass geplante Betriebserweiterungen unnötig erschwert werden – durch aufwendige Genehmigungsverfahren, fehlende Koordination und zu wenig Entscheidungsspielräume bei Sachbearbeitern. Selbst kleinere Anbauten rutschen oft in langwierige Verfahren. Was fehlt, ist ein klarer Wille zur Unterstützung. Statt Hürden braucht es Entscheidungsmut, lösungsorientiertes Handeln und feste Ansprechpartner, die Betriebe durch den Prozess begleiten. Wirtschaftsförderungen sollten frühzeitig eingebunden sein – z. B. durch Bauantragskopien an zentrale Stellen wie den Kämmerer.
Wir fordern: konkrete Ansprechpartner, eine aktive Rolle der Wirtschaftsförderung und mehr Entgegenkommen bei Betriebserweiterungen. So bleibt Gewerbewachstum in Mittelfranken-Süd realisierbar.
Forderungen aus der Region Neustadt/Aisch-Bad Windsheim
Landesgartenschau als Chance für das regionale Handwerk nutzen
Mit Blick auf lokale Großprojekte, wie die Landesgartenschau 2027 im Gebiet Neustadt/ Aisch-Bad Windsheim, bietet sich immer auch eine große Chance – nicht nur für die Region, sondern auch für das mittelfränkische Handwerk. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass Aufträge so vergeben werden, dass auch kleinere, regionale Betriebe zum Zug kommen. Gerade im Bereich Garten- und Landschaftsbau zeigt sich oft: Es werden integrierte Leistungen ausgeschrieben, die zwar handwerksnah sind, aber an Nicht-Handwerksunternehmen vergeben werden – oft allein nach Gesamtvolumen. Für das Handwerk bedeutet das: keine Chance auf Beteiligung.
Wir fordern: Die öffentliche Ausschreibung muss in Teillosen erfolgen – mit transparenter, stundenbezogener Abrechnung statt pauschaler Vergabe nach Gesamtauftrag. Nur so profitieren auch mittelständische Handwerksbetriebe spürbar und die regionale Wertschöpfung bleibt vor Ort.
Attraktivität des ländlichen Raums steigern
Der Landkreis Neustadt/Aisch-Bad Windsheim punktet mit hoher Lebensqualität, erschwinglichem Wohnraum und einer starken, handwerklich geprägten Wirtschaftsstruktur. Doch ohne eine verlässliche Mobilitätsanbindung im Alltag verliert der ländliche Raum an Wettbewerbsfähigkeit – insbesondere bei der Gewinnung von Fachkräften, Auszubildenden und Rückkehrern. Vor allem junge Menschen sowie Pendlerinnen und Pendler ohne eigenes Fahrzeug stoßen häufig an ihre Grenzen: Die Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist außerhalb der Schulzeiten zu schwach – insbesondere in den frühen Morgenstunden, am Abend oder am Wochenende. Darüber hinaus sind einige Gemeinden noch nicht vollständig in den Verkehrsverbund Großraum Nürnberg (VGN) integriert. Die Konsequenz: eine starke Abhängigkeit vom Individualverkehr sowie eingeschränkte Erreichbarkeit von Arbeits- und Ausbildungsstätten.
Damit der ländliche Raum auch langfristig attraktiv bleibt, müssen Wege zu Ausbildung, Beruf und Alltag für alle nutzbar sein – flexibel, zuverlässig und bezahlbar. Ein verbessertes, alltagstaugliches Mobilitätsangebot erhöht zugleich auch die Attraktivität des Landkreises für qualifizierte Fachkräfte aus dem Umland oder von außerhalb, die auf eine gute Erreichbarkeit angewiesen sind.
Wir fordern deshalb: einen verbesserten, bedarfsorientierten Ausbau des ÖPNV – mit häufigeren Taktungen, insbesondere zu arbeitsrelevanten Zeiten sowie der vollständigen Integration aller Gemeinden in den VGN. Ergänzend braucht es passgenaue, flexible Angebote wie Rufbusse oder Shuttles zu Berufsschulen, Gewerbegebieten und Kliniken. Darüber hinaus sollte der Landkreis gemeinsam mit den Betrieben betriebliche Mobilitätslösungen gezielt stärken – beispielsweise durch Azubi-Shuttles, Jobtickets oder Zuschüsse für Mobilitätskosten.
Forderungen aus der Region Nürnberg Stadt und Land
Handwerk braucht Platz: passgenaue Flächen statt pauschaler Planung
Das Handwerk ist ein unverzichtbarer Bestandteil unserer städtischen und ländlichen Infrastruktur: es sichert Versorgung, Service, Instandhaltung, individuelle Fertigung und Ausbildungsplätze. In wachsenden Städten wie Nürnberg verschärft sich jedoch der Flächendruck: Dicht besiedelte Räume bieten kaum noch passende Standorte für das oft emittierende Handwerk, wodurch Betriebe gezwungen sind, auszuweichen, sich nicht zu vergrößern oder ganz aufzugeben.
Um das Handwerk langfristig in unseren Kommunen zu sichern, benötigt es eine vorausschauende, handwerksgerechte Gewerbeflächenpolitik. Dazu gehören geeignete Flächen außerhalb sensibler Wohngebiete, der Schutz innerstädtischer Standorte sowie die Förderung effizienter Modelle wie mehrgeschossiger oder gemeinschaftlich genutzter Handwerkerhöfe. Zudem müssen innovative Nutzungskonzepte wie urbane Produktionszonen, temporäre Nutzungen oder gemischt-gewerbliche Entwicklungsgebiete entlang wichtiger Verkehrsverbindungen geprüft und erprobt werden.
Unsere zentrale Forderung lautet: Kommunen müssen das Handwerk stärker in der Flächenpolitik einbinden und passende Rahmenbedingungen schaffen – durch Schutz bestehender Standorte, gezielte Ausweisung handwerkstauglicher Flächen und die Entwicklung praxisnaher Nutzungskonzepte. Nur so bleibt das Handwerk fester Bestandteil der Versorgung lebenswerter Städte.
Gemeinsam Innovationsräume schaffen – im Schulterschluss mit dem Handwerk
Das Handwerk ist mehr als gelebte Tradition. Es ist vielmehr ein entscheidender Innovationstreiber für eine zukunftsfähige Wirtschaftsstruktur in Nürnberg. Ob durch digitale Prozesse, neue Materialien oder kreative Geschäftsmodelle: Handwerksbetriebe entwickeln kontinuierlich Lösungen für aktuelle wirtschaftliche, technologische und ökologische Herausforderungen.
Diese Innovationskraft kann ihr volles Potenzial jedoch nur entfalten, wenn der Zugang zu Netzwerken, Forschungspartnern und digitaler Infrastruktur für kleine und mittlere Handwerksbetriebe in Nürnberg gezielt erleichtert und ausgebaut wird. Dafür braucht es eine stärkere strategische Partnerschaft zwischen Stadt und Handwerk, um gemeinsame Strukturen und Angebote zu schaffen, die den Wissenstransfer fördern und Innovation im betrieblichen Alltag konkret unterstützen. Ein Beispiel für funktionierende Zusammenarbeit ist der AI HUB Nürnberg, in dem Wissenschaft, Start-Ups, Mittelstand und Handwerk gemeinsam an praxisorientierten KI-Anwendungen arbeiten. Solche Modelle zeigen, wie wertvoll vernetzte Innovationsarbeit sein kann. Hier ist die Voraussetzung, dass das Handwerk strukturell eingebunden wird.
Unsere Forderung: Das Handwerk muss systematisch in regionale Innovationsstrukturen eingebunden und gezielt gefördert werden. Dazu werden bessere Netzwerke, spezialisierte Anlaufstellen und Zugang zu moderner Infrastruktur benötigt. Nur dann kann die Innovationskraft des Handwerks für die regionale Transformation voll wirksam werden.
Forderungen aus der Region Westmittelfranken
Bürokratischen Aufwand bei der Einrichtung von Baustellen minimieren
Viele Handwerksbetriebe (insbesondere Baubetriebe) in Westmittelfranken berichten von einem überproportionalen bürokratischen Aufwand bei der Einrichtung von Baustellen auf öffentlichem Grund – insbesondere bei Genehmigungen, Absperrungen, Beschilderungen und verkehrsrechtlichen Anordnungen. Besonders problematisch ist dies bei kleineren Maßnahmen wie Hausanschlüssen, punktuellen Reparaturen oder kurzfristigen Instandhaltungen an Gehwegen und Straßen. Obwohl solche Arbeiten oft nur wenige Stunden oder Tage dauern, werden sie in der Praxis häufig wie größere Bauprojekte behandelt – mit entsprechend aufwendigen Verfahren. Dies führt bei vielen Betrieben zu Verzögerungen, Unsicherheiten und einem hohen Planungsaufwand. In der Folge werden kleinere Maßnahmen teils gemieden oder unnötig aufgeschoben – mit spürbaren Folgen für die Infrastruktur und die Leistungsfähigkeit des lokalen Handwerks.
Deshalb fordern wir eine Genehmigungspraxis mit mehr Augenmaß und höherem Tempo: Kleinere Bau- und Instandsetzungsarbeiten sollten nicht denselben aufwendigen Verfahren unterworfen werden wie komplexe Großprojekte. Statt pauschaler Abläufe braucht es differenzierte, praxisnahe Prozesse, die Aufwand und Risiko realistisch abbilden. Digitale Lösungen, transparente Anforderungen und feste Bearbeitungsfristen können dazu beitragen, die Abläufe zu vereinfachen und gleichzeitig die Verkehrssicherheit zu gewährleisten. Wichtig sind dabei einheitliche Standards und nachvollziehbare Regeln – für alle Antragsteller, unabhängig von der Trägerschaft. So werden Mittelstand, Verwaltung und Infrastruktur gleichermaßen gestärkt.
Smart Stores – bzw. innovative/zukunftsorientierte Innenstadtgestaltung
Viele Handwerksbetriebe in Westmittelfranken spüren die Auswirkungen des Strukturwandels in den Innenstädten: Zunehmende Leerstände, sinkende Aufenthaltsqualität und eine schlechter werdende Nahversorgung prägen das Bild vieler Orte. Dabei liegt gerade im Handwerk ein enormes Potenzial, dieser Entwicklung entgegenzuwirken. Trotz dieses Potenzials wird das Handwerk bislang zu selten als aktiver Partner in der Stadtentwicklung berücksichtigt.
Ein vielversprechender Ansatz, wie das Handwerk neuen Schwung in die Innenstadt bringen kann, sind sogenannte Smart Stores im Lebensmittelhandwerk. Diese digitalen Selbstbedienungsläden bieten rund um die Uhr handwerklich hergestellte, regionale Produkte an. Damit tragen sie nicht nur zur Verbesserung der Nahversorgung bei, sondern nutzen auch Leerstände sinnvoll und eröffnen neue Absatzwege für lokale Betriebe.
Um unsere Innenstädte lebendig, zukunftsfähig und wirtschaftlich stark zu halten, braucht es daher eine stärkere Einbindung des Handwerks in kommunale Entwicklungsprozesse – sowie gezielte Unterstützung für innovative Versorgungskonzepte wie Smart Stores. Nur durch das Zusammenspiel aus strategischer Stadtplanung, nachhaltigem Strukturwandel und handwerklicher Kompetenz kann dieserWandel gelingen.
Ihre Ansprechpartner
Sie haben Fragen zum Handwerk in Mittelfranken oder möchten mit uns ins Gespräch kommen? Kontaktieren Sie uns.
Download
Was dem mittelfränkischen Handwerk zur Kommunalwahl 2026 wichtig ist, haben wir für Sie in unserer Broschüre zusammengestellt – hier als PDF herunterladbar.