Konjunktur im mittelfränkischen HandwerkFrühjahrsbelebung in Zeiten geopolitischer Unsicherheit
Im Interview ordnen Präsident Thomas Pirner und Hauptgeschäftsführer Dr. Rainer-Johannes Wolf von der Handwerkskammer für Mittelfranken die Ergebnisse der Konjunkturumfrage ein und erklären, was sie für die Betriebe in Mittelfranken bedeuten.
Hinter uns liegen turbulente Wochen. Was sagt uns der Konjunkturbericht dazu?
Thomas Pirner: Der Konjunkturbericht zeigt eine Momentaufnahme aus dem Zeitraum der Befragung – der vor den aktuellen geopolitischen Turbulenzen liegt wie dem Irankrieg und seinen Folgen für die Wirtschaft. Entwicklungen, die danach eingetreten sind, können darin noch nicht vollständig abgebildet sein. Deshalb ist wichtig: Der Bericht erklärt nicht alles, was in den vergangenen Wochen passiert ist. Er zeigt aber sehr klar, mit welcher Ausgangslage das mittelfränkische Handwerk in diese Phase gegangen ist.
Wie war denn die Ausgangslage?
Thomas Pirner: Das Handwerk in Mittelfranken ist verhalten ins Jahr 2026 gestartet. Die Konjunktur hatte sich leicht abgekühlt, zugleich zeigten sich erste Anzeichen einer Stabilisierung. Zwar hatte sich die aktuelle Geschäftslage etwas verschlechtert. Steigende Auftragsbestände und ein vorsichtig optimistischerer Blick nach vorne gaben den Betrieben aber positive Impulse.
Insgesamt blieb die Grundhaltung abwartend, wurde aber zuversichtlicher. Eine anhaltende und breit angelegte Erholung war nicht sicher, aber möglich. Und dann kam der Irankrieg…
Welche Ergebnisse haben Sie konkret erhalten?
Dr. Rainer-Johannes Wolf: Die Ergebnisse zeigten ein gemischtes Bild. 32,9 Prozent der Betriebe bewerteten ihre aktuelle Geschäftslage als gut. 43,2 Prozent sagen, sie ist befriedigend. 23,9 Prozent bewerten sie als schlecht.
Das heißt: Die Mehrheit der Betriebe arbeitete weiter auf einer tragfähigen Grundlage. Aber fast jeder vierte Betrieb meldet eine schlechte Lage. Das ist ein deutliches Signal.
Beim Blick nach vorne waren die Betriebe etwas vorsichtiger optimistisch: 25,7 Prozent erwarteten eine bessere Geschäftslage, 52,4 Prozent rechneten mit einer gleichbleibenden Lage und 21,9 Prozent erwarteten eine Verschlechterung.
Auch beim Auftragsbestand sah man diese gemischte Lage. Im Durchschnitt lag er bei 9,3 Wochen. Das ist mehr als im Vorquartal mit 7,6 Wochen, aber weniger als im Vorjahr mit 10,0 Wochen.
Wie sah es in den einzelnen Branchen aus?
Dr. Rainer-Johannes Wolf: Die Unterschiede zwischen den Gewerken waren deutlich. Vor allem das Bauhauptgewerbe und das Handwerk für den gewerblichen Bedarf spürten eine deutliche Frühjahrsbelebung.
Andere Bereiche entwickelten sich schwächer, etwa das Ausbaugewerbe oder das Lebensmittelhandwerk. Insgesamt gab es stabile Anzeichen für eine Belebung. Diese kamen aber noch nicht in allen Branchen gleichermaßen an.
Was hat sich denn in der Weltwirtschaft seitdem geändert?
Thomas Pirner: Der Bericht selbst beschreibt bereits ein schwieriges Umfeld: geopolitische Unsicherheiten, hohe Energiepreise, Verknappung von Rohstoffen, strukturelle Probleme in wichtigen Branchen und Druck im Bau- und Immobiliensektor. Aus Sicht des Handwerks ist wichtig: Weltwirtschaft klingt weit weg, kommt aber oft sehr konkret in der Werkstatt, auf der Baustelle oder im Betrieb an.
Wie glauben Sie, wirkt sich das auf die Konjunktur im nächsten Quartal aus?
Dr. Rainer-Johannes Wolf: Wir können nicht in die Kristallkugel blicken. Der Konjunkturbericht gibt Hinweise, aber keine sichere Prognose. Was wir sagen können: Die Ausgangslage ist nicht schlecht, aber empfindlich.
Was müssten Politik und Wirtschaft konkret ändern, damit Betriebe wieder mehr Investitionen ihrer Kunden sehen?
Thomas Pirner: Kurz gesagt: Kunden investieren wieder mehr, wenn sie Vertrauen haben. Dafür brauchen sie klare Regeln, bezahlbare Kosten und die Sicherheit, dass sich eine Investition auch rechnet.