Die Verarbeitung von Schweinefleisch und Wurst
argum / Thomas Einberger
Die Verarbeitung von Schweinefleisch und Wurst.

Zuschüsse fürs Metzgerhandwerk

Ab dem 9. Dezember 2019 müssen alle Schlachtbetriebe moderne Elektrobetäubungsgeräte verwenden, die aus Tierschutzgründen eine digitale Dokumentation erlauben. So regelt es die EG-Verordnung 1099/2009.

Das stellt viele kleine Betriebe, die nur fünf bis zehn Schweine pro Woche schlachten, vor große Probleme. "Diese Geräte kosten zwischen 6.000 und 10.000 Euro", erklärt Landesinnungsmeister Konrad Ammon aus Fürth. "Viele Kollegen haben erklärt: Wenn das jetzt auch noch kommt, hören wir auf zu schlachten."

Pluspunkt beim Kunden

Gerade für kleinere Betriebe aber ist die Hausschlachtung ein Alleinstellungsmerkmal, mit dem sie beim Kunden punkten können. Regionalität ist ein Pluspunkt, kurze Transportwege ein Verkaufsargument beim Verbraucher. Die Kosten für die neuen Geräte aber über Gelbwurst wieder zu erwirtschaften, wird schwer. "Über kurz oder lang werden weitere Metzgereien dichtmachen", ist Ammon überzeugt.

Beschleunigter Strukturwandel

Das wiederum wirke sich auf die Landwirtschaft aus: "Kleine Bauern liefern einem Metzger auch mal nur vier Schweine. Firmen der Schlachtindustrie aber fahren für diese Anzahl keine hunderte Kilometer", erklärt der Metzgermeister. Umgekehrt: Ein großer Bauer gibt keine vier Schweine ab. Er liefert Kontingente zu 100 oder 200 Stück. Ammons Fazit: Größe und Struktur der Betriebe muss zusammenpassen. Gerät das aus dem Gleichgewicht, "käme es zu einem beschleunigten Strukturwandel", warnt er.

Druck auf Politik

Der Fleischerverband Bayern hatte seine Mitglieder daher aufgerufen, auf politischer Ebene Druck zu machen und einen Brandbrief an die entsprechenden Abgeordneten zu schreiben: "Dies löste eine Welle der politischen Aufmerksamkeit aus, wie ich sie in den letzten sechs Jahren nicht erleben durfte. Nahezu alle Obermeister haben ihre Abgeordneten aus Bund und Land, ihre Landräte etc. angeschrieben", sagt Lars Bubnick, Geschäftsführer des Fleischerverbands Bayern. In den Briefen stellten sie heraus: "Die Politik spricht oft von der Notwendigkeit der Erhaltung unserer bayerischen regionalen und ländlichen Nahversorgungsstrukturen. Sollten die Umrüstungen der Elektrobetäubungsgeräte voll zu Lasten der Betriebe gehen, werden viele Betriebe die Selbstschlachtung einstellen und genau diese Strukturen zerstört. Wichtig wäre ein positives Signal an die selbstschlachtenden Betriebe."

Förderprogramm erweitert

Das gibt es jetzt: "Vitale Dörfer brauchen Dorfläden, Bäcker, Metzger und Handwerker direkt vor Ort", bekräftigt Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber. Im Mai hatte sie die Initiative "HeimatUnternehmen" gestartet, die Investitionen von Kleinstunternehmen fördert. Das VuV-Programm unterstützt mit den Programmteilen VuVregio und VuVöko Vorhaben kleiner regionaler Betriebe, die der Stärkung der Verarbeitung und Vermarktung regionaler und ökologischer Erzeugnisse dienen. In einer Erweiterung werden jetzt auch Kosten ab 5.000 Euro bezuschusst, sofern sie der Verbesserung des Tierschutzes bei der Betäubung dienen. Vielleicht hilft das ja dem ein oder anderen Metzger über die neue Hürde hinweg.