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Falk Heller, www.argum.com

Zeit für Azubi-Projekte

Coronazeit - Ausnahmezustand im mittelfränkischen Handwerk: Aufträge sind verschoben oder storniert, der Laden ist seit Wochen geschlossen und so mancher Betriebsinhaber ist ratlos, wie es weitergehen soll. Auch, was die Auszubildenden betrifft.

Denn womit soll sich ein Lehrling beschäftigen, wenn es schon für die Gesellen kaum Arbeit gibt? Kreativität ist gefragt, sagt Karlheinz Imhof, Ausbildungsberater bei der Handwerkskammer für Mittelfranken. Ein Interview.

Der Laden ist zu, Kundentermine zurzeit nicht möglich, wie soll ich als Betrieb meinen Azubi beschäftigen?

Diese Frage stellen sich zurzeit viele Betriebsinhaber. Ich rate zu kreativen Lösungen. In dieser besonderen Lage, in der es oft recht ruhig zugeht, haben Azubis und Ausbilder mehr Zeit. Eine Gelegenheit, die sicher so schnell nicht wiederkommt. Und wir dürfen nicht vergessen: Azubis bleiben auch während Corona die Zukunft des Handwerks. Die Lehrlinge können zum Beispiel Projekte erarbeiten, für die im normalen Alltag kaum Zeit bleibt.

Welche Projekte zum Beispiel?

Beim Kunden oder auf der Baustelle bleibt kaum Zeit für ausführliche Erklärungen oder Besonderheiten. Zurzeit ist das anders. Mit ein paar guten Ideen können Betriebe ihre Azubis richtig fit für die Abschlussprüfung machen. Ein mittelfränkischer Elektriker hat seinem Lehrling im Lager eine große Schaltwand aufgebaut. Dort kann er Kabel verlegen und Systeme entwickeln, die er auf der Baustelle niemals ausprobieren könnte. Ein großer Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikbetrieb stellt seinen Azubis zurzeit die Schulungsräume für solche Übungsaufgaben oder zum Lernen zur Verfügung. Bei den Friseuren gestaltet sich die Sache zwar etwas schwieriger, doch auch hier können Azubis zum Beispiel am Übungskopf arbeiten. Auch gut: Üben per Videoanruf, gemeinsames Lernen oder die Hausaufgaben der Berufsschule gleich im Betrieb bearbeiten lassen. Dann kann der Chef gleich bei Fragen helfen.

Kann der Betrieb den Azubi in der Krise auch einfach nach Hause schicken?

Nein. Nach dem Berufsbildungsgesetz müssen Azubis in vollem Umfang beschäftigt werden, freigestellt werden dürfen sie nicht. Kurzarbeit oder Betriebsurlaub geht nur dann, wenn es für den ganzen Betrieb gilt. Zwangsurlaub nur für den Auszubildenen ist nicht rechtmäßig. Natürlich kann man sich aber als Betriebsinhaber mit seinen Mitarbeitern zusammensetzen und gemeinsam nach Lösungen suchen. Wer sich mit seinem Betrieb verbunden fühlt, will ihm schließlich helfen, gut durch die Krise zu kommen.

Was sollte der Azubi denn alles dokumentieren?

Am besten alles. Egal, was passiert. Die Corona-Zeit ist die Gelegenheit, das Berichtsheft auf Vordermann zu bringen. Es ist der Nachweis für die Kenntnisse und Fähigkeiten, die der Lehrling erworben hat. Doch auch, wenn der Unterricht oder die Ausbildung eine Zeitlang ausfallen, muss das dokumentiert sein, denn das Berichtsheft dient als Beweis.

Imhof Karlheinz