Mit großem Interesse befragten die Mitglieder der israelischen Delegation die Lehrlinge in der ÜLU.
Handwerkskammer für Mittelfranken
Mit großem Interesse befragten die Mitglieder der israelischen Delegation die Lehrlinge in der Überbetrieblichen Lehrlingsausbildung. Einige nutzten sogar die Gelegenheit, die Interviews auf Video aufzunehmen, um sie zuhause noch einmal auszuwerten.

Wie funktioniert Ausbildung in Deutschland?

Israelische Delegation informierte sich in Mittelfranken

Internationaler Besuch war kürzlich in Mittelfranken zu Gast. 25 Berufsschulleiter und Ministeriumsangestellte aus Israel wollten sich informieren, wie die berufliche Ausbildung in Deutschland funktioniert. Denn in dem 9-Millionen-Einwohner-Staat im Mittleren Osten steht demnächst eine Reform der beruflichen Bildung an. „Wir möchten uns das duale System ansehen und es dann an unsere Bedürfnisse anpassen“, erklärten Orit Vaknin-Shilo vom Ministerium für Arbeit und Soziales, zuständig für Lehrlinge und Jugendliche sowie die Aufsicht über Berufsschulen, und Wesam Swalha zuständig für die pädagogische Aufsicht der Berufsschulen im arabischen Bereich. Mit ihrem Interesse stehen sie nicht alleine da. Aus der ganzen Welt kommen immer wieder Anfragen, wie Dr. Hannelore Kress vom Bonner Bundesinstitut für Berufliche Bildung (BiBB) weiß. 

Lehre statt Studium

Den demografischen Wandel als Ursache für die sinkenden Lehrlingszahlen kannten die Israelis nicht, aber einen anderen konnten sie gut nachvollziehen: die Tendenz zum Studium. „Wir sind überrascht, was für eine große Wertschätzung die berufliche Bildung überhaupt in Deutschland genießt. Bei uns ist das nicht so“, erzählte Mor Gonen, Schulleiterin der Berufsschule Dror Galiläa. „Die Ganzheitlichkeit des beruflichen Bildungskonzepts in Deutschland hat mich beeindruckt. Die absolute Spezialisierung und Professionalität,“ sagte sie.

Man lernt es von den anderen

In Deutschland gibt es deutlich mehr Berufe. Einen Stuckateur beispielsweise sucht man in Tel Aviv vergeblich. Nicht, weil keine Nachfrage herrschen würde. Eher ist es so, dass vor allem bei den Arabern ein Arbeiter im entsprechenden Betrieb das eben irgendwie bei der Arbeit von den anderen lernt, erklärte Wesam Swalha. Ohne Lehrplan oder Prüfungsordnung. Umso begeisterter zeigten sich die beiden dann auch von den hohen Standards, die in der dualen Ausbildung gelten.

Der Aha-Moment

Neben den ganzen theoretischen Diskussionen genossen die Israelis aber vor allem eines: den direkten Kontakt zu den Lehrlingen im BZ 2 der Handwerkskammer: „Warum bist du nicht auf der Uni? Warum lernst du den Beruf des Schreiners? Welche Maschinen gibt es in der Überbetrieblichen Lehrlingsausbildung? Wie alt bist du?“ Die Fragen prasselten nur so auf die Auszubildenden ein. Die versuchten, so gut wie möglich zu erklären, warum sie sich für eine „Karriere mit Lehre“ entschieden hatten: „Ich mache eben gerne etwas mit meinen Händen. Studieren kann ich immer noch“, erklärte zum Beispiel Schreinerlehrling Tarek. Und seine Kollegin Yvonne ergänzte: „Mir macht mein Beruf total Spaß.“ Überraschung auf israelischer Seite. Hannelore Kress kennt das. Sie lachte: „Das ist der Aha-Effekt, wenn die Delegierten feststellen, wie stolz unsere jungen Leute darauf sind, ein Handwerk zu lernen.“