Was tun bei steigenden Materialpreisen 

Derzeit sind Handwerksbetriebe häufig davon betroffen, dass die Preise für Rohstoffe und Materialien geradezu explodieren. Dies gilt insbesondere im Holzbereich.

Für den Handwerksbetrieb, der häufig in gutem Glauben mit niedrigeren Preisen kalkuliert hat, stellt sich daher häufig die Frage, ob er diese Erhöhungen an den Kunden weitergeben kann.

Wir stellen Ihnen hier die vertragsrechtlichen Möglichkeiten vor und diskutieren ihre Wirksamkeit. 

+++ Kurze Angebotsfrist – Preis beim Zulieferer sichern +++

Man kann wenig tun, wenn der Vertrag bereits geschlossen ist. Preissteigerungen können aber bereits zwischen der Angebotsabgabe durch den Unternehmer und der Annahme durch den Kunden auftreten.  In dieser Phase kann der Unternehmer noch Vorkehrungen treffen. Er sollte eine angemessene, aber kurze Angebotsfrist einzuräumen. So ist der Unternehmer nur an die Preise gebunden, wenn das Angebot innerhalb dieser Frist angenommen wird. Zusätzlich sollte man versuchen, sich den Preis beim Zulieferer unverzüglich nach Vertragsschluss zu sichern.  

+++Angebot "unverbindlich oder freibleibend" +++

Ebenfalls hilfreich kann es sein, wenn Angebote eindeutig als unverbindlich oder freibleibend gekennzeichnet werden. Dann gibt rechtlich betrachtet der Unternehmer nur eine „Einladung zur Angebotsabgabe“ ab und der Besteller erteilt ein Angebot. Sollten die Einkaufspreise in der Zwischenzeit gestiegen sein, kann der Unternehmer das Angebot ablehnen und neu anbieten. Allerdings muss der Unternehmer dann auch ausdrücklich ablehnen, wenn er sich nicht mehr an das Angebot gebunden halten will. Zusätzlich ist zu beachten, dass es einzelne Urteile gibt, die solche Klauseln unter gewissen Umständen bereits als unwirksam ansehen. 

---Preisanpassungsklausel ---

In der Regel handelt es sich bei Werkverträgen im Baubereich um Einheitspreisverträge, bei denen aufgrund des Aufmaßes abgerechnet wird. Die angesetzten Preise sind hierbei fest vereinbart. Gleiches gilt bei den etwas selteneren Pauschalpreisvereinbarungen. Getreu dem Grundsatz, dass Verträge einzuhalten sind, können Preise nach Abschluss des Vertrages also nicht einfach einseitig geändert werden.  
Preisanpassungen sind aber möglich, wenn der Vertrag eine Preisanpassungsklausel vorsieht.  
 Im Rahmen von allgemeinen Geschäftsbedingungen ist die Vereinbarung einer solchen Klausel vor allem bei Verträgen mit Verbrauchern allenfalls dann möglich, wenn die Leistung frühestens nach vier Monaten erbracht werden soll. Auch dann ist es aber äußerst schwierig, die Klausel so zu gestalten, dass sie wirksam ist. In vielen Fällen sind Preisklauseln angreifbar und unwirksam.  
Eine individuell ausgehandelte Vereinbarung hingegen ist möglich. Man müsste diese aber mit jedem Kunden einzeln aushandeln und gesondert festhalten, ohne beispielsweise einen vorformulierten Vordruck zu benutzen. Das ist im täglichen Leben vermutlich eher wenig praktikabel und es erscheint auch fraglich, ob jeder Kunde eine solche Klausel akzeptiert. 

---Störung der Geschäftsgrundlage---

Wenn nun die Materialpreise exorbitant steigen und keine wirksame Preisanpassungsklausel vereinbart wurde, könnte man mit einer Störung der Geschäftsgrundlage gemäß § 313 BGB zu argumentieren. Allgemein gibt diese Vorschrift einen Anspruch auf Vertragsanpassung, wenn sich die Umstände schwerwiegend ändern und die Parteien bei vorheriger Kenntnis, den Vertrag nicht oder nicht so abgeschlossen hätten.
Die Gerichte urteilen hier aber meist zugunsten des Kunden, da das Risiko von Preissteigerungen bei Festpreisvereinbarungen grundsätzlich der Unternehmer zu tragen hat.  
Nachdem die Chancen bei einer gerichtlichen Auseinandersetzung also nicht sehr hoch sind, bleibt nur, mit dem Kunden zu reden und so vielleicht zu einer gütlichen Einigung zu kommen.