Stone+tec 2018 Schlagwort(e): Stone+tec 2018
NuernbergMesse / Heiko Stahl
Auf der Messe Stone+tec kommt die Natursteinbranche zusammen. Auch hier geht es um Nachhaltigkeit.

Vor allem Bürokratie für Handwerker?

Gesetz rückt Lieferketten und Nachhaltigkeit ab 2023 in den Fokus

Das Thema hängt derzeit wie ein Damoklesschwert über so manchem Handwerksbetrieb in Deutschland: Das „Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz“, kurz „Lieferkettengesetz“, das am 1. Januar 2023 in Kraft tritt. Es verordnet der deutschen Wirtschaft – letztlich also auch Handwerksbetrieben –, Menschenrechte und Umweltstandards auch in internationalen Lieferketten einzuhalten. Klingt nach einem sinnvollen und nachhaltigen Vorhaben. Aber ist es auch umsetzbar? Oder ein unmögliches Unterfangen für kleine Betriebe?

Ein Beispiel: Ein Steinmetz fertigt Grabsteine. Wo bekommt er seine Rohstoffe her? Kostengünstig produzieren Steinbrüche in Indien. Doch werden dort auch die Menschenrechte eingehalten? Müssen dort Kinder schuften? Wie kann der kleine mittelfränkische Handwerker das nachverfolgen? Und muss er das?

Markus Hofmockel ist Rechtsberater bei der Handwerkskammer für Mittelfranken, er steht den Mitgliedsbetrieben in zivilrechtlichen Fragen zur Seite. Auch in Sachen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz klärt er auf. Und er kann beruhigen: „Viele Handwerksbetriebe sind als Zulieferer betroffen, Existenzängste deswegen braucht aber wohl kein Betrieb befürchten.“

Erstmal sind die „Großen“ an der Reihe

Im ersten Schritt kommt die gesetzliche Verpflichtung zur Einhaltung der unternehmerischen Sorgfaltspflichten in Lieferketten auf Unternehmen in Deutschland mit mindestens 3000 Mitarbeitern zu. Ab 2024 sind dann auch solche mit mindestens 1000 Mitarbeitern betroffen. Prof. Dr. Elmar Forster, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer: „Wir haben auf allen politischen Ebenen hart dafür gekämpft, dass die Bedürfnisse – und auch Grenzen des Machbaren – unserer Handwerksbetriebe bei den Entscheidungsträgern Gehör finden und haben einen Kompromiss zwischen moralisch Angebrachtem und wirtschaftlich Sinnvollem erreichen können.“

Die „Großen“ müssen dann ein wirksames Risikomanagement aufbauen, damit Unheil aufgedeckt und beseitigt werden kann. Kinderarbeit, Zwangsarbeit, Gesundheitsrisiken, der Erhalt der Lebensgrundlage der Bevölkerung, Umweltaspekte: All das sind Dinge, zu denen Präventionsarbeit, Hinsehen, Handeln und regelmäßige Berichterstattung nötig sind. Die Kontrolle übernimmt das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). „Ziel des Gesetzes ist, dass Menschenrechte eingehalten und Umweltgefahren minimiert werden“, erklärt Hofmockel.

Doch wie betrifft das die „Kleinen“? „Die großen Unternehmen können ihre unmittelbaren Zulieferer vertraglich dazu verpflichten, ihren Beitrag zur Einhaltung der Sorgfaltspflichten zu leisten“, sagt der Rechtsberater. „Das ist spannend für Handwerker. Sie müssen dann vor allem Informationen weitergeben – in erster Linie ist das ein bürokratischer Aufwand.“

Vor allem Bürokratie erwartet auch Richard Blendinger, Obermeister der Steinmetz- und Steinbildhauerinnung Mittelfranken. Die große Panik unter Handwerkern herrsche unter den Betrieben vor der Einführung des neuen Gesetzes nicht, sagen sowohl der Rechtsexperte als auch der Obermeister. Die Rechtsberatung der Handwerkskammer erreichen zurzeit die ersten Anfragen. Handwerker sollen für ihre Großkunden beispielsweise Fragebogen ausfüllen. „Bei Unsicherheiten beraten wir gerne“, sagt Jurist Markus Hofmockel.

Zertifizierungen als ein Mittel

Er empfiehlt er den Handwerkern grundsätzlich, sich Gedanken über die eigene Lieferkette zu machen. „Es gibt hierzulande schon viele Handwerker, die sich Gedanken um das Thema Lieferkette machen“, weiß er. Teilweise besteht auch bereits eine Pflicht dazu. Beispiel Grabmale: „Viele Friedhofsverwaltungen erlauben nur Grabmale aus Produktion ohne Kinderarbeit“, weiß Obermeister Blendinger. Und vielen Kunden dürfte das auch wichtig sein. Und wie befolgt das der Handwerksbetrieb vor Ort? Der Obermeister betont: „Es gibt Zertifizierungen im Natursteinbereich. Auf die achten wir und darauf müssen wir uns auch verlassen können.“

 

Übrigens: Vom 22. bis 25. Juni 2022 findet im Messezentrum Nürnberg die Messe „Stone+tec“ (www.stone-tec.com) statt, auf der die Natursteinbranche zusammenkommt. Im Kongressteil der Messe geht es auch um Nachhaltigkeit in Sachen Naturstein.