Digitalisierung im BetriebVon der traditionellen mechanischen Werkstatt zum modernen Zerspanungsbetrieb

Die Vorteile einer Maschinen-Roboterkombination gibt es neuerdings bei Martin John in der mechanischen Werkstatt zu bestaunen. Möglich gemacht wurde die High-Tech-Anschaffung durch die Unterstützung der Handwerkskammer.

Zu sehen sind die Familie John und ihre beiden Mitarbeiter gemeinsam mit Roland Bulgariu vor der neuen Maschinenkombination.
Handwerkskammer für Mittelfranken
Die Familie John und ihre beiden Mitarbeiter gemeinsam mit Roland Bulgariu vor der Spinner-Robobox-Maschinenkombination.

Defersdorf, ein kleiner Ortsteil von Roßtal, umgeben von weitläufigen Feldern und einem Waldstück. Hier liegt die Mechanische Werkstatt von Martin John. Nur eine Straße führt durch den Ort, am Betrieb vorbei und dann durch weitläufige landwirtschaftlich bewirtschaftete Flächen.

Auf den ersten Blick lässt sich das Betriebsgelände leicht mit einem kleinen Bauernhof verwechseln. Doch betritt man das Gelände, wird man nicht etwa von wiehern oder muhen empfangen, sondern vom leisen Rattern der Maschinen. Es dringt aus dem lang gezogene Betriebsgebäude auf der linken Seite des Geländes.

Martin John neben dem neu angeschafften Roboterarm der Robobox.
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Martin John neben dem neu angeschafften Roboterarm der Robobox.

Spätestens jetzt offenbart sich der eigentliche Charakter des Betriebsgebäudes: Das hier sind nicht etwa Ställe, sondern eine hochmoderne Feinwerkmechaniker-Werkstatt, deren ganzer Stolz eine brandneue High-Tech-Maschinenkombination ist. Dass dieses hochmodere Gerät genau dort steht, ist das Ergebnis einer intensiven Zusammenarbeit zwischen Roland Bulgariu, Unternehmensberater für Digitalisierung bei der Handwerkskammer für Mittelfranken, und Martin John, Betriebsinhaber der mechanischen Werkstatt sowie seiner Frau Christina, die ihren Mann im Büro unterstützt.

Komplexere Bauteile in kürzerer Zeit

Bei dem neuen High-Tech-Stolz des familiengeführten Betriebs handelt es sich um ein 5-Achs-Bearbeitungszentrum Spinner U1530 gekoppelt mit einer Robobox Extreme, die die vorhandenen Bearbeitungsmaschinen ergänzt.

Was so kryptisch klingt, führt in der Praxis zu einem doppelten Mehrwert für Martin John: Sein Drei-Mann-Betrieb stellt vor allem Maschinen-Bauteile für Industrie- und Automobilzulieferbetriebe her, aber zu seinen Kunden gehören auch Unternehmen aus der Medizintechnik. Durch die Spinner-Automatisierung kann Martin John in seinem Betrieb nun kompliziertere Bauteile weitgehend autonom herstellen.

Ein Mitarbeiter von Martin John steht vor der Maschinenkombination und programmiert den nächsten Vorgang am Bildschirm.
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Die Maschinenkombination muss von Martin John und seinem Team sorgfältig programmiert werden.

Die Robobox kommt dann zum Einsatz, wenn das Werkstück fertig gefräst ist. Dann fährt der Roboterarm in die Spinner U1530 und tauscht das fertige Werkstück gegen ein Rohteil, das dann wiederum von der Maschine bearbeitet werden kann. „Durch die Kombination von Roboter der Robobox und der Spinner U1530 können viel höhere Stückzahlen in kürzerer Zeit produziert werden. Und meine Mitarbeiter können sich anderen, herausfordernderen Aufgaben widmen als dem Tauschen von Werkstücken“, sagt Martin John.

Fachkräfte halten durch High-Tech

Bislang wurde die Produktion solcher Bauteile in Johns Betrieb dadurch ausgebremst, dass er oder seine Mitarbeiter jedes angefertigte Werkstück von Hand tauschen und anschließend einen neuen Rohling in die Maschine einsetzen mussten. „Diese Arbeit ist ziemlich eintönig, sehr zeitaufwendig und vor allem auch nicht sehr attraktiv für die Mitarbeiter“, erklärt Martin John. „Eine Hightech-Maschine wie die Spinner U1530 in Kombination mit der Robobox zu handhaben ist viel spannender. So lassen sich Mitarbeiter im Betrieb halten“.

Zu sehen ist eine manuell bedienbare ältere Maschine im Zerspanungsbetrieb von Martin John.
Auch manuell bedienbare Maschinen älterer Bauart werden im Zerspanungsbetrieb von Martin John weiterhin genutzt.

Die Anschaffung der neuen High-Tech-Kombination ist allerdings nur der jüngste Schritt in einer langen Entwicklung, die Martin John bereits 2008 angestoßen hatte, als er in den Betrieb seines Vaters einstieg. Damals war der Betrieb noch eine klassische mechanische Bearbeitung. Von dieser Zeit zeugt lediglich noch eine im Vergleich zum Rest der Werkstatt recht klassisch anmutende Drehbank in der Ecke – die allerdings, so John, auch heute noch in Gebrauch ist.

Das passende Förderprogramm finden – aber wie?

Die Idee, für den Betrieb eine Robobox anzuschaffen, hatte Martin John während einer Werkzeugmaschinenmesse in Stuttgart. Dort fiel ihm auf, dass nahezu jede ausgestellte Maschine in Kombination mit einem Roboter arbeitet. „Da wusste ich, wir müssen was machen“, sagt John.

Aber: eine solche Anschaffung ist nicht billig. Neben den Maschinenkomponenten braucht es eine Software, über die sich die Maschinenfunktionen steuern und programmieren lassen. Was also tun? Möglich machte die Investition eine umfassende Förderung aus zwei Fördertöpfen. „Ohne diese Förderung hätte ich die Anschaffung nicht gewagt“, gesteht Martin John. Aber die Suche nach dem passenden Förderprogramm war für John nicht leicht. Nachdem er erfolglos bei der Gemeinde und verschiedenen anderen Stellen nachgefragt hat, wandte er sich an die Unternehmensberatung der Handwerkskammer.

Mit Hilfe der Handwerkskammer durch den Bürokratiedschungel

Bei solchen Projekten bestehe die Herausforderung darin, überhaupt die richtigen Fördertöpfe zu finden und dann den Förderantrag entsprechend zu stellen, weiß Berater Roland Bulgariu. Die meist staatlichen Förderstellen arbeiten nach dem Ausschlussprinzip: Sie prüfen, ob die Fördervoraussetzungen erfüllt sind oder nicht.

„Wir in der Unternehmensberatung der Handwerkskammer suchen hingegen nach Lösungen für das Anliegen des Betriebes“, erklärt Bulgariu. Im Fall von Martin John bestand die Lösung aus einer kombinierten Förderung aus dem Digitalbonus Bayern und dem Sonderprogramm Transformation@Bayern. Außerdem wird die Finanzierung zusätzlich durch die LfA Förderbank Bayern unterstützt.

Tatsächlich sei die Bürokratie eine große Hürde gewesen, erzählt John. „Ohne Roland Bulgariu hätten wir da nie durchgeblickt“. Gerade die Förderung aus dem Sonderprogramm sei in der Antragsstellung anspruchsvoll gewesen, erinnert sich Bulgariu und erklärt: „Ich begleite Betriebe durch den kompletten Prozess. Von der Suche nach passenden Fördertöpfen, über die Antragstellung bis hin zur Bewilligung “.

Mit Mut und Innovationsgeist fit für die Zukunft

Und was ist der nächste Schritt in Johns Mechanischer Werkstatt? Nachhaltig wachsen in vernünftigen Dimensionen, antwortet John ganz bodenständig. Nachhaltig heißt in diesem Fall auch umweltfreundlich, denn John ist mit seinem Betrieb schon seit Jahren Teil des Umweltpaktes Bayern und betreibt seine Maschinen unter anderem mit Strom aus Solarpanelen auf dem Dach des Betriebsgebäudes.

Mit Mut und Innovationsgeist innerhalb weniger Jahre eine traditionelle mechanische Werkstatt zu einem leistungsfähigen und nachhaltigen High-Tech-Betrieb umwandeln – dass das geht, hat Martin John bewiesen. Doch ohne seine Frau, würde er das alles nie schaffen, gibt John bescheiden zu. Ein Betrieb, der durch einen intakten Familienverbund und einer üppigen Portion Innovationsgeist für die Zukunft gerüstet ist – eine Erfolgsgeschichte, die beeindruckt.

Autorin: Nadine Segert-Hess

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