Kaikado, Teekanne, 2017
Annette Kradisch
Kaikado, Teekanne, 2017

Von der Kunst, ein Teehaus zu bauen

In ihrer Heimat werden sie wie Künstler verehrt, die besten von ihnen erhalten den Titel eines „lebenden Kulturdenkmals“. Handwerker genießen in Japan ein hohes Ansehen, denn sie tradieren über Jahrhunderte hinweg ihre weltweit einzigartige Handwerkskunst und verfeinern sie ständig. Hervorragende Vertreter dieser Handwerkskunst kann man im Rahmen der Ausstellung „Von der Kunst, ein Teehaus zu bauen“ bewundern.

Ausgangspunkt der musealen Entdeckungsreise ist das traditionelle japanische Teehaus, ein Ort spiritueller Praxis. Teehäuser sollen betont einfach sein und aus Materialien bestehen, die dem Verschleiß und den Witterungseinflüssen kaum widerstehen können. Aus der japanischen Teekultur und ihrer Verbindung zum Zen-Buddhismus geht eine Ästhetik der Leichtigkeit, der Zerbrechlichkeit und des Vergänglichen hervor, der wir Objekte von überwältigender Schönheit verdanken. In der Ausstellung werden die grundlegenden Gedanken der japanischen Tee-Ästhetik im Rahmen von sieben thematischen Sektionen entfaltet und erlebbar gemacht. Im Dialog mit handwerklichen und gestalterischen Traditionen aktualisieren sie die zentralen Motive und Themen der Teekultur unter Verwen­dung aktueller Werkstoffe und innovativer Formen.

Eine Sektion der Ausstellung ist dem Handwerk gewidmet. Unter dem Titel Neues Handwerk sind Objekte versammelt, in denen Handwerks­traditionen von Jahrhunderte altem Bestand eine zeitgenössische Würdigung und Erneuerung erfahren. Dazu zwei Beispiele:

  • Das Unternehmen Kaikado zum Beispiel, das seit seiner Gründung im Jahre 1875 Teedosen aus Zinnblech, Kupfer oder auch Messing herstellt. Beeindruckend ist die Präzision, wie sich der Deckel allein durch sein Eigengewicht absenkt und dabei die Dose luftdicht abschließt. Kaikado-Teedosen werden in Japan an die nachfolgenden Generationen weitergeben und fungieren als Erinnerungsträgerinnen.
  • Die Firma Hosoo (gegr. 1688) hat sich auf die Herstellung von Kimonostoffen spezialisiert. In diesem Haus ist es Tradition, neue Verbindungen zwischen handwerklichem Können und modernem Textildesign zu finden. Hosoo verfügt über einen Musterschatz von mehr als 5.000 Textilmustern und arbeitet mit internationalen Marken wie Dior, Chanel und Comme des Garcons zusammen.

Die Ausstellung läuft noch bis 18. Februar 2018 im Staatlichen Museum für Kunst und Design Nürnberg.

 Mehr Informationen finden Sie unter: www.nmn.de