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Handwerkskammer

Via Zoom direkt in die Werkstatt

Digitaler Girls' Day punktet mit Live-Schaltungen

Im Hintergrund lodern Flammen in der Esse, ein großer Amboss ist zu sehen, außerdem hängen und stehen Schmiedehammer, Zangen und allerlei andere ziemlich schwere Werkzeuge in der geräumigen Werkstatt. Im Vordergrund – direkt am Bildschirm – sitzt eine sehr zierliche Frau: Jasmin List. Erfolgreiche Metallbauerin, die im vergangenen Jahr ihren Meister gemacht hat, allerlei Preise abgeräumt hat und ihren Beruf liebt. Was genau genießt sie am meisten?

„Das Schönste ist, dass ich moderne und uralte Techniken miteinander verbinden kann“, erzählt sie und strahlt dabei. Und: „Es macht mir Spaß, auf Kirchturmspitzen zu sein.“ Denn das macht ihr Betrieb oft: Alte Bauten und Kunstwerke restaurieren. Überhaupt ist es die Abwechslung, die sie liebt. Dass sie in ihrem Beruf oft die einzige Frau unter lauter Männern ist, stört sie nicht.

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Handwerkskammer

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Handwerkskammer



Anlässlich des Online-Girls‘Days dürfen die jungen Frauen live in zwei Werkstätten blicken. Metallbauerin Jasmin List schmiedet live vor der Kamera. Routiniert erhitzt sie eine Eisenstange im Feuer und klopft sie dann mit dem schweren Hammer in Form. Wieviel Kraft sie dafür braucht, merkt man ihr nicht an. Am Ende hält sie lächelnd ein geschwungenes Blatt in die Kamera. Jasmin List ist gemeinsam mit den Orthopädieschuhmacherinnen Rachel und Magdalena Kistner Vorbild für gut 20 junge Damen, die am Girls'Day-Angebot der Handwerkskammer für Mittelfranken teilnehmen.

Mädchenzukunftstag digital

Jedes Jahr an diesem Tag öffnen Unternehmen, Betriebe und Hochschulen in ganz Deutschland ihre Türen für Schülerinnen ab der fünften Klasse. So auch die Handwerkskammer und mit ihr auch die beiden Handwerksbetriebe. Die Mädchen lernen an diesem Tag (normalerweise hautnah) Studiengänge und Ausbildungsberufe kennen, in denen Frauen bisher eher selten vertreten sind. Und dass die Veranstaltung andemiebedingt  digital über die Bühne geht, tut dem Erfolg keinen Abbruch. Die Mädchen sind das aus ihrem Schulalltag inzwischen gewöhnt. Und die echten Handwerkerinnen gewähren auch via Zoom seltene Einblicke.

„Fragt alles, was ihr wissen wollt, wir Frauen sind hier unter uns“, ermutigt Organisatorin und Ausbildungsexpertin Andrea Sitzmann die Teilnehmerinnen augenzwinkernd. Und die Mädchen aus ganz Mittelfranken und ganz verschiedenen Schularten (Mittelschulen, Realschulen und Gymnasium) bleiben zwei Stunden lang sehr interessiert bei der Sache. Zuerst führt Andrea Sitzmann die Jugendlichen auf lockere Weise ins Handwerk und seine Möglichkeiten ein. Warum ist das Handwerk cool? Welche Karrieremöglichkeiten gibt es?

Ähnlich wie bei der Berufsorientierung via Zoom, die jüngst ebenfalls ziemlich gut bei Schülerinnen und Schülern ankam, erklärt später Andrea Grätz, die Ansprechpartnerin für den PLW (so heißt der Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks in Kurzform), was es mit dem Wettbewerb der Berufe auf sich hat. Welche Erfolge junge Handwerker dort bereits gefeiert haben, dürfte den wenigsten Mädchen bewusst sein. Dafür wissen einige, dass sie später mal Schreinerinnen oder Fahrzeuglackierinnen werden wollen.

Was macht eine Orthopädieschuhmacherin?

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Handwerkskammer für Mittelfranken

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Handwerkskammer

Magdalena und Rachel Kistner erzählen ebenso begeistert von ihrer täglichen Arbeit. Als Kinder waren sie wie selbstverständlich ständig in der Orthopädiewerkstatt ihres Vaters unterwegs und sind dadurch mit dem Handwerk großgeworden. „Schon als Kinder haben wir uns oft etwas selbergemacht“, erzählt Magdalena: „Einen Geldbeutel, Lederbeutel oder Ballerinas.“ Etwas selbst herzustellen war für die beiden Schwestern schon immer das Schönste. Heute können die beiden nicht nur Einlagen oder richtige Stiefel herstellen – Magdalena Kistner hält ein Exemplar in die Kamera – sondern auch Kompressionsstrümpfe anpassen oder medizinische Fußpflege anbieten.

Und aus welchen Gründen haben sie sich gerade für den gleichen Beruf wie der Vater entschieden? Direkt an den Produkten zu arbeiten und der soziale Aspekt – den Menschen zu helfen – sei das Besondere am Orthopädieschuhmacherhandwerk. „Am Kunden sieht man, ob das eigene Produkt funktioniert“, erklärt Magdalena Kistner. „Und es ist schön, wie sich die Leute freuen, dass sie ohne Schmerzen sind und besser laufen können.“

„Außerdem arbeiten wir mit einer großen Vielfalt an Materialien: Holz, Gummi, Leder. Das macht Spaß“, findet Rachel. Sie nimmt ihr Handy und damit alle Zuschauerinnen mit in die Werkstatt zu einer Live-Führung. Sie zeigt zum Beispiel die Schleifmaschine für Einlagen und einen Holz-Leisten, der dem späteren Lederschuh als Formgeber dient. Ungefähr 40 Arbeitsstunden dauert es, bis ein Maßschuh bei seinem neuen Besitzer ankommen kann.

Auch wenn die Mädchen im Pandemiejahr 2021 kein Handwerk selbst ausprobieren dürfen – beeindruckt sind sie nach der digitalen Girls’Day-Ausgabe trotzdem. Die drei jungen Handwerkerinnen haben Lust auf ihre Berufe gemacht. Und Andrea Sitzmann ermutigt „ihre“ Mädchen: „Ich würde mich freuen, wenn ihr ins Handwerk kommt!“

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