Neuerscheinung befasst sich mit der Geschichte und den Verknüpfungen des böhmisch, sächsischen und fränkischen Musikinstrumentenbaus.
Heinz Reiss
Neuerscheinung befasst sich mit der Geschichte und den Verknüpfungen des böhmisch, sächsischen und fränkischen Musikinstrumentenbaus.

Verbunden durch Musik und Geschichte

Die wechselvolle Geschichte der böhmisch-sächsischen Musikinstrumentenbauregion um Schönbach/Luby und Markneukirchen, sowie des dazugekommenen fränkischen Bubenreuth reicht bis weit ins 17. Jahrhundert zurück. Zwei der renommiertesten Historiker dieser Orte, der Bubenreuther Dr. Christian Hoyer und der promovierte Markneukirchner Stadtmusikdirektor Enrico Weller haben sich seit Jahren mit diesen Zusammenhängen beschäftigt und ein Buch unter den Titel „Verbunden durch Musik und Geschichte“ im Rahmen der Markneukirchner Museumsreihe „Meisterleistungen deutscher Instrumentenbaukunst“ herausgegeben. Das Ziel der Verfasser war, die engen Verbindungen zwischen den Orten Schönbach/Luby, Markneukirchen und Bubenreuth zu dokumentieren. "Die Verbindung von Musik und Geschichte", so Hoyer, "macht die drei Orte einzigartig und es wird ein ganzes Saiteninstrumentenbauzentrum dokumentiert, dessen Werdegang im Lauf der Zeit den böhmischen Musikwinkel mit dem fränkischen Geigenbauerort zusammen wachsen ließ."

Markneukirchen - Schönbach - Bubenreuth

Mit der Geschichte und den Geschichten zwischen Markneukirchen und Schönbach und den neuen Zusammenhängen nach Bubenreuth beschäftigte sich der Vorsitzende des Fördervereins Bubenreutheum Christian Hoyer. Hoyer geht sehr ausführlich auf die gewachsenen Verbindungen der drei Orte ein. Er schweift durch die Heiratskrisen, vergleicht die Familiennamen mit gleicher Wurzel, berichtet über die Exulanten welche in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts ins Obere Vogtland kamen und geht auf die Migration von Böhmen nach Sachsen ein. Diese Zusammenhänge gehen zurück bis zu den Ursprüngen des Geigenbaus in Graslitz, der zweiten wichtigen Stadt im böhmischen Musikwinkel. Es sind familiäre Verbindungen zwischen Böhmen und Sachsen, die heute noch in mancher lnstrumentenmacherwerkstatt nachwirken.  Ein großes Kapitel ist der Vertreibung aus dem Musikwinkel gewidmet welches überleitet zu dem Thema: „Neuschönbach wird auch die Heimat für Vogtländer“. Mit zahlreichen Bildern und Berichten widmet sich der Autor dem heutigen Zusammenschluss der Instrumentenbauer bis hin zur Partnerschaftsverbindung von Schönbach/Luby und Bubenreuth.

Wechselbeziehungen

Enrico Weller hat eine Professur an der westsächsischen Hochschule Zwickau am Studiengang Musikinstrumentenkunde. Sein Beitrag sind die Wechselbeziehungen im vogtländisch-westböhmischen Musikinstrumentenbau. Von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis 1945 bildeten Markneukirchen und Schönbach die Achse des Geigenbaus im internationalen Maßstab. An diesen Orten kam keiner vorbei, der mit einem Streichinstrument handelte, darauf spielte oder einfach dem Geigenklang lauschte. Vogtländische Handwerker verarbeiteten Bestandteile, vor allem Geigenschachteln und Hälse aus Schönbach und Umgebung. Der große Teil von dem, was in Schönbach in starker Arbeitsteilung an Einzelteilen und fertigen Instrumenten gebaut wurde, kam über Markneukirchner Fortschicker in den weltweiten Handel. In Schönbach herrschte dadurch für lange Zeit eine gute Beschäftigungslage - jedoch bei mäßigem Einkommen, während Markneukirchen von dieser Verbindung in besonderem Maße profitierte.

Gitarren- und Geigenbau

In zwei getrennten Aufsätzen beschreiben Christian Hoyer sehr wissenschaftlich die Archtop-Gitarre im Mitteleuropa der 1930er Jahre und ihren fast vergessenen Erbauer, sowie Enrico Weller den Geigenbauer Johann Adam Pöpel – das Enfant perdu der Markneukirchner Geigenmacher-Innung. Zugleich enthält das Buch den Katalog der Markneukirchner Sonderausstellung „Verbunden durch Musik und Geschichte“. Es handelt sich hierbei um eine Auswahl an Saiteninstrumenten und Sachzeugen aus allen drei Orten, darunter die drei ältesten Streichinstrumente der Region. Ohne Bogen würde eine Geige nicht klingen, deshalb wurde auch Wert daraufgelegt, dass der Bogenbau im Vogtland auf eine fast ebenso lange Handwerkstradition zurückblicken kann.

Historie und Analyse

Zwei weitere sehr interessante Beiträge verfasste der ehrenamtliche Denkmalpfleger Werner Pöllmann. Zum Thema 700 Jahre Stadtrecht in Schönbach/Luby ging Pöllmann auf die Entstehungsgeschichte, die Namensgebung, das Wappen bis hin zu den Poststempeln ein, welche von 1870 bis 2018 die Namenszusätze von Schönbach verdeutlichen. Sein zweiter Bericht handelt über die Zollstraße in Wernitzgrün. Darin beschreibt Pöllmann Handel und Wandel über die Grenze zwischen den Musikstädten Schönbach und Markneukirchen. Klaus Martius war Restaurator für Musikinstrumente am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg. Er beschreibt die Bratschen von Johann Adam Pöpel und Johann Adam Kurzendörfer. Seine detaillierte Analyse wird mit Bildern und Röntgenaufnahmen unterlegt. Der in Graslitz geborene Jiří Pátek ist Leiter der Schönbacher Geigenbauschule und ein Kenner von Schönbach, wie es einmal war. Er berichtet über den langen Weg zu einer Sammlung zeitgeschichtlicher Gegenstände und Fotografien des Egerländer Musikinstrumentenbaues. (Text/Foto: Heinz Reiss)

 

Das Buch „: Schönbach/Luby - Markneukirchen – Bubenreuth“ erscheint mit Unterstützung des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds. Es hat 280 Seiten in der Größe A4 mit Softcoverumschlag, ca. 300 Abb. und ist zweisprachig in Deutsch und Tschechisch. ISBN 978-3-9819816-3-6

Autoren: Christian Hoyer, Enrico Weller
mit Beiträgen von Klaus Martius, Alfred Neudörfer, Jiří Pátek und Werner Pöllmann

Es ist über den Online-Shop: www.verein-musikinstrumentenmuseum.de zum Preis von 29 € + Versand erhältlich.



"Verbunden durch Musik und Geschichte" ist der Titel des neu erschienenen Buches von Christian Hoyer und Enrico Weller.
Heinz Reiss
"Verbunden durch Musik und Geschichte" ist der Titel des neu erschienenen Buches von Christian Hoyer und Enrico Weller.