Überblick zum Erbrecht

Beim Erben und Vererben gibt es einige gesetzliche Regelungen zu beachten. Gerne geben wir Ihnen einen kurzen Überblick zu den wichtigsten Punkten.

Die Erben

Mit dem Tod einer Person geht deren Vermögen als Ganzes auf den oder die Erben über. Damit handelt es sich um die sogenannte Gesamtrechtsnachfolge. Das heißt, es werden das Vermögen und zugleich etwaig bestehende Schulden vererbt, ebenso der digitale Nachlass.

Hinterlässt der Erblasser mehrere Erben so wird der Nachlass gemeinschaftliches Vermögen der Erben - sie bilden eine Erbengemeinschaft. Während bei der ordnungsmäßigen Verwaltung des Nachlasses in der Regel ein Mehrheitsbeschluss der Erbengemeinschaft genügt, erfordern außerordentliche Verwaltungsmaßnahmen eine Übereinstimmung aller Miterben. Insbesondere ein zum Nachlass gehörendes Geschäft kann grundsätzlich nur im Einverständnis aller Miterben fortgeführt werden.



Gesetzliche Erbfolge

Gesetzliche Erben sind die Verwandten des Erblassers, insbesondere dessen Kinder, sowie der überlebende Ehegatte. Sind keine gesetzlichen Erben vorhanden, so erbt der Staat. 



 Beispiel: Hinterlässt der Erblasser eine Ehefrau und zwei Kinder, so entsteht eine Erbengemeinschaft aus Ehefrau und beiden Kindern.

Verwandte

Verwandte erben nach den sogenannten Ordnungen. Zur 1. Ordnung gehören die Abkömmlinge des Erblassers (Kinder, Enkel, Urenkel). Zur 2. Ordnung gehören die Eltern des Erblassers sowie deren Abkömmlinge (Geschwister des Erblassers, seine Nichten und Neffen). Die niedrigere Ordnung geht der höheren vor.



 Solange auch nur ein Kind des Erblassers beim Erbfall vorhanden ist, ist es gesetzlicher Erbe - die Eltern des Erblassers und weitere Verwandte erben nicht. 

Ehegatten 

Der Ehegatte erbt neben den Verwandten. Voraussetzung ist eine im Zeitpunkt des Erbfalls bestehende, rechtsgültige Ehe. War die Ehe im Zeitpunkt des Erbfalls rechtskräftig geschieden oder aufgehoben, so wird der bisherige Ehegatte nicht gesetzlicher Erbe.

Für Personen gleichen Geschlechts wurde das Recht auf Eheschließung bereits im Jahr 2017 eingeführt. Daher gelten dieselben erbrechtlichen Bestimmungen ebenso für die gleichgeschlechtliche Ehe. 

Die Erbquote des Ehegatten ist abhängig vom Güterstand sowie von der Ordnung, welcher die daneben erbberechtigten Verwandten angehören: Neben Verwandten der 1. Ordnung erbt der überlebende Ehegatte 1/4, neben Verwandten der 2. Ordnung oder neben Großeltern erbt er 1/2. Dieser Erbteil kann sich erhöhen im gesetzlichen Güterstand der Zugewinngemeinschaft oder im Güterstand der Gütertrennung.



Auf nichteheliche Lebensgemeinschaften (eheähnliche Beziehungen von Personen verschiedenen Geschlechts) ist das Ehegattenerbrecht nicht anwendbar. Hier kann aber ein Erbrecht durch Verfügungen von Todes wegen (beispielsweise Testament) begründet werden.  

Zugewinngemeinschaft

Haben die Ehegatten im Zeitpunkt des Erbfalls im Güterstand der Zugewinngemeinschaft gelebt, erhöht sich der gesetzliche Erbteil des überlebenden Ehegatten um ein Viertel.





Beispiel: Der Erblasser lebte mit seiner Ehefrau in Zugewinngemeinschaft. Neben ihr hinterlässt er noch zwei Kinder. Die gesetzliche Erbquote der Ehefrau beträgt

1/4 + 1/4 = 1/2. 

(Die Kinder erben die andere Hälfte zu gleichen Teilen, also jeweils 1/4.)

Gütertrennung

Haben die Ehegatten im Zeitpunkt des Erbfalls im Güterstand der Gütertrennung gelebt (durch notariellen Ehevertrag) und sind als gesetzliche Erben neben dem überlebenden Ehegatten ein oder zwei Kinder des Erblassers berufen, so erben der überlebende Ehegatte und jedes Kind zu gleichen Teilen.





Beispiel: Der Erblasser lebte mit seiner Ehefrau in Gütertrennung. Neben ihr hinterlässt er noch zwei Kinder. Die gesetzliche Erbquote der Ehefrau beträgt 1/3 (die Kinder erben ebenfalls jeweils 1/3).

Gewillkürte Erbfolge (Erbeinsetzung)

Eine von der gesetzlichen Erbfolge abweichende Regelung kann durch Testament oder Erbvertrag erfolgen. 



Partner einer nichteheliche Lebensgemeinschaft (eheähnliche Beziehungen von Personen verschiedenen Geschlechts) können sich gegenseitig als Erben einsetzen, da kein gesetzliches Erbrecht besteht.

Testament

Ein Testament kann entweder bei einem Notar oder eigenhändig errichtet werden. Dabei ist es möglich, sein Testament als Einzelperson oder gemeinsam mit dem Ehegatten zu errichten.



Bitte beachten Sie: Erbrechtliche Regelungen und Regelungen im Gesellschaftsvertrag sollten aufeinander abgestimmt werden.

  • notarielles Testament
    Das notarielle Testament (sogenanntes öffentliches Testament) soll eine Beratung und Unterstützung durch den Notar sicherstellen und dient insbesondere der Klarheit des letzten Willens und seiner Beweisbarkeit. Durch die amtliche Verwahrung wird es zudem sicher aufbewahrt.

  • eigenhändiges Testament
    Das eigenhändige, auch privatschirftlich genannte Testament muss nicht nur eigenhändig unterschrieben, sondern auch gänzlich eigenhändig geschrieben sein (insbesondere kein unterzeichneter Computer-Ausdruck). 

  • gemeinschaftliches Testament
    Für Ehegatten gibt es die Möglichkeit, ein gemeinschaftliches Testament zu errichten, beispielsweise in Form des sogenannten "Berliner Testaments". Außerhalb der Ehe, beispielsweise für Verwandte oder Verlobte, gibt es die Möglichkeit eines gmeinschaftlichen Testaments nicht.

    Das gemeinschaftliche Testament kann notariell oder eigenhändig errichtet werden, indem ein Ehepartner es eigenhändig schreibt und beide eigenhändig unterschreiben.


Erbvertrag

Ein Erbvertrag ist eine Vereinbarung zwischen fremden oder miteinander verwandten Personen oder Ehegatten und einem oder mehreren Erblassern. 

Der Erbvertrag kann nur durch Vertrag zwischen den beteiligten Personen geändert oder aufgehoben werden, was im Vergleich zum Testament weniger Flexibilität bedeutet, jedoch mit Blick auf einen Handwerksbetrieb mehr Planungssicherheit ermöglicht.

 Ein Erbvertrag bedarf der notariellen Form.

Bitte beachten Sie: Erbrechtliche Regelungen und Regelungen im Gesellschaftsvertrag sollten aufeinander abgestimmt werden.