Tatkräftig gegen den Nachwuchsmangel
www.amh-online.de

Tatkräftig gegen den Nachwuchsmangel

Berufsbildungsexperten der Handwerkskammer stehen Betrieben zu Seite

Dem Handwerk fehlt bekanntlich seit Jahren der Nachwuchs – auch in Mittelfranken. Matthias Braun, Leiter der Abteilung Berufsbildung bei der Handwerkskammer für Mittelfranken, über Ursachen und Möglichkeiten.

Woher kommt der Nachwuchsmangel im Handwerk?

Matthias Braun: Die aktuelle Ausbildungssituation ist seit mehr als fünf Jahren beeinflusst durch eine Kombination von ungünstigen Umständen. Hierzu zählen eine niedrige Geburtenrate, der Trend zum Gymnasium beziehungsweise zur „höheren“ Bildung und eine harte regionale Konkurrenz, vor allem um besonders leistungsstarke und gute Schüler. Der Bewerberrückgang lässt sich aber nicht allein durch die der demografischen Entwicklung begründen.

Wodurch noch?

Seit 2020 kommt – bedingt durch die Pandemie – zusätzlich der Ausfall klassischer Berufsorientierungsformate wie Präsenzmessen, Praktika, persönliche Beratung und Begleitung am Übergang Schule – Beruf hinzu. Doch gerade das Handwerk ist darauf angewiesen, Berufe praxisnah zu präsentieren.

Womit kann denn das Handwerk bei den Jugendlichen punkten?

Zum einen gibt es eine hervorragende Auswahl an Berufen, die häufig in den Köpfen der Leute noch den Charme von viel Tradition haben, die Anforderungen aber tatsächlich wesentlich breiter gesteckt sind. Unsere Betriebe sind am Puls der Zeit. Das müssen sie auch sein, um ihre Kunden bestmöglich beraten zu können bzw. deren Wünsche umsetzen zu können. Daher wird die Ausbildung permanent an neue Entwicklungen angepasst. Zum anderen bieten sich im Handwerk gute Karrierechancen und nicht zuletzt ist es gut durch die Krise gekommen. Eine Ausbildung im Handwerk bedeutet also vor allem eines: Krisensichere und zukunftsgewandte Arbeit. Das müssen wir den jungen Leuten bewusst machen.

Was unternimmt das Handwerk, um ins Bewusstsein junger Menschen zu rücken?

Wir bieten schulische und außerschulische Berufsorientierung an. Inzwischen lässt die Pandemielage wieder Präsenzveranstaltungen zu. Das ist wichtig. Ins Handwerk kann und muss man reinschnuppern und „Hand anlegen“, um es zu begreifen. Das Potenzial und seine Bedeutung wachsen ständig. Deutschland transformiert sich, denken wir nur an die Klimawende. Da ist das Handwerk ganz vorne mit dabei. Und dafür brauchen wir kluge Köpfe. Einbauen war gestern, wir sind auch die Kreativen, die den Plan machen, das Konzept entwickeln, die Einzelkomponenten vernetzen und alles zum Laufen bringen.

Wie erreichen Sie Eltern und Lehrer, die ja oft Wegweiser für junge Leute sind?

Beispielsweise haben wir mit dem Arbeitskreis Schule-Wirtschaft Nürnberg für Mittelschulen den Leitfaden „Elternpower – Mein Weg in die Ausbildung“ aufgesetzt. Hier arbeiten wir intensiv mit Elternverbänden und allgemeinbildenden Schulen im Übergang Schule-Beruf zusammen. Wir besuchen Elternsprechtage an Schulen und bieten Lehrern allgemeinbildender Schulen Fortbildungen in unseren Bildungszentren an.

Und wie unterstützt die Kammer Betriebe bei der Suche nach Lehrlingen?

Zum einen unterstützen wir sie im Hinblick auf die Organisation ihrer eigenen Nachwuchsbemühungen durch Angebote im Bereich der Social Media als auch des direkten Kontakts in die einzelnen Schulen. Bei uns haben wir die Lehrstellenbörse, in der die Betriebe ihre freien Stellen eintragen können. Außerdem empfehlen wir den Betrieben – und helfen natürlich bei der Umsetzung – mit ihren Auszubildenden den Beruf auf Präsenzmessen vorzustellen und geben auch die Möglichkeit, Berufsorientierung digital auf Online-Messen abzubilden. Auch da haben sich inzwischen einige Formate etabliert.

Braun, Matthias
Bischof & Broel

Matthias Braun, Leiter der Abteilung Berufsbildung bei der Handwerkskammer für Mittelfranken