Prüfung in Coronazeiten: Plexiglas und Klebeband.
Handwerkskammer für Mittelfranken
Prüfung in Coronazeiten: Plexiglas und Klebeband.

Prüfungen in Coronazeiten

Rund ein Jahr ist die Vorbereitungszeit für eine Meister- oder Gesellenprüfung im Handwerk. Viele Details sind zu bedenken. Einige Prüfungen werden in Mittelfranken von Innungen oder Kreishandwerkerschaften abgehalten, für einige ist die Handwerkskammer zuständig.

Michaela Blank und ihr Team im Sachgebiet Meister- und Fortbildungsprüfungen führen insgesamt rund 1.500 Einzelprüfungen in den Teilen I bis IV sowie einige Fortbildungsprüfungen durch. Für Sabrina Vaillant und ihre Gesellenprüfungsmannschaft sind es rund 500 Zwischenprüflinge/Teil I und 600 Gesellen- und Abschlussprüflinge, die auf die perfekte Organisation ihres Abschlusses bauen. Die Räume müssen gebucht sein, die Aufgaben müssen erstellt sein, die Termine müssen festgelegt sein, die Prüfer müssen zur Verfügung stehen. Bei den Gesellenprüfungen variiert die Zahl der Prüfungsausschüsse je nach Anzahl der Lehrlinge zwischen fünf und 60 Mitgliedern, die auch koordiniert werden müssen.

Und wie war das 2020?

„2020 wurde für uns alles über den Haufen geschmissen. Die Planung eines ganzen Jahres war auf einmal weg“, beschreibt Michaela Blank die ersten Wochen im März. Auch für Sabrina Vaillant war es ein harter Schlag: „Als es hieß, dass wir keine Prüfungen machen können, fiel ich aus allen Wolken.“

Am Freitag war klar, dass am Montag keine Prüfungen stattfinden werden, also telefonierte man im Team den ganzen Tag und auch am Samstag noch, um alle Prüflinge – und Prüfer – zu erreichen. Dann folgte der Dienst an der Hotline: „Die Leute waren ja verunsichert. Sie haben bei uns angerufen und wollten Antworten haben, doch wir konnten nichts sagen, bevor das Staatsministerium keine verbindlichen Regelungen getroffen hatte“, sagt Michaela Blank. Sie versteht, dass sich alle Sorgen machten: „Es hängen auch viele weiterführende Lebensentscheidungen an einem Meister. Selbstständigkeit, Studium, Betriebsübernahme oder die Planung mit Ausbildern.“ Sabrina Vaillant ergänzt: „Bei den Gesellen laufen die Ausbildungsverträge aus. Einige werden erst mit bestandener Prüfung übernommen. Theoretisch sind sie arbeitslos – ohne Abschluss.“ Nichtsdestotrotz können beide Prüfungsorganisatorinnen berichten: „Die Menschen hatten trotzdem viel Verständnis.“

Ab Mitte April gab es auch erste konkrete Vorgaben vom Ministerium. Die Mitarbeiter in den Prüfungsabteilungen der Kammer konnten sich an die Erstellung eines Hygienekonzeptes machen und erste Prüfungseinladungen verschicken. Manche Räume waren groß genug, sie mussten allerdings für neue Termine gebucht werden, andere waren für die Abstandsregeln zu klein und die Prüflinge mussten in mehrere Gruppen aufgeteilt werden, für die dann wiederum mehr Prüfungsaufsichten und Räume gebraucht wurden. Teilweise änderten sich die Regeln zwischen dem Verschicken der Einladung und dem Prüfungstermin noch mehrmals. Trotzdem: Anfang Mai fanden wieder Prüfungen statt.

Möglich war das auch, weil sich die ehrenamtlichen Prüfer auf diese Experimente einließen und auch bei kurzfristig anberaumten Terminen alles möglich machten, um die Durchführung zu gewährleisten. „Einige meiner Prüfer gehören auch zur Risikogruppe. Sie standen trotzdem zur Verfügung“, freut sich Michaela Blank. „Egal, womit wir kamen, sie haben uns immer unterstützt“, lobt auch Sabrina Vaillant. „Wir können die jungen Menschen doch nicht im Stich lassen“ hat sie immer wieder als Antwort auf ihre Anfragen bekommen. „Eines müssen wir ganz klar sagen: Ohne unsere ehrenamtlichen Prüfer hätten wir das alles nicht stemmen können. Sie haben uns immer unterstützt – trotz Schwierigkeiten im eigenen Betrieb, trotz Zeitmangels, trotz der Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe, trotz der eigenen ungewissen Zukunft. Ihnen gebührt in dieser Zeit ein riesiger Dank von uns und allen, die heuer dank dieser Hilfe ihre Prüfung machen konnten“, geraten die beiden Chefinnen der Meister- und Gesellenprüfungen der Handwerkskammer dann noch ein wenig ins Schwärmen. Und das Ergebnis? Trotz erheblicher Unsicherheiten und Schwierigkeiten: Zum Jahresende hatten alle, die 2020 eine Prüfung machen wollten, diese auch ablegen können. „Gemeinsam haben wir den ersten Lockdown geschafft“, sagt Sabrina Vaillant. „Jetzt stehen wir erst mal den nächsten durch.“

Hygienekonzept eingehalten: Die Friseurprüflinge waschen Haare hinter Plexiglas.
Handwerkskammer für Mittelfranken
Hygienekonzept eingehalten: Die Friseurprüflinge waschen Haare hinter Plexiglas.