Praxistag im Ausbildungszentrum Versailles
Praxistag im Ausbildungszentrum Versailles: Mohammad legt eine Dauerwelle, aufmerksam beobachtet von seiner französischen Kollegin Pauline (links) und Denice. Foto: Handwerkskammer für Mittelfranken

Paris, Versailles, Le Mans

12 Azubi-Friseure lernen ihr Handwerk in Frankreich kennen. Mit Diashow.

Viel besungen, in Gedichten, Literatur und Kunst unsterblich gemacht, ein Hotspot der Mode, Parfumeure und auch Frisöre: Paris ist eine quirlige und sehr spannende Stadt. Das konnten im Oktober 12 Auszubildende im Friseur-Handwerk aus ganz Mittelfranken erfahren. Eine Woche lang nahmen sie zusammen mit ihren Begleiterinnen Agnes Graf-Then, Handwerkskammer für Mittelfranken und Tanja Knöchlein, Berufsschullehrerin im Bereich Friseure an der B 3 in Nürnberg, am deutsch-französischen Azubi-Austausch zwischen der Handwerkskammer für Mittelfranken und ihrer Partnerkammer Chambre des métiers et de l’artisanat in Versailles teil. Dabei entdeckten sie aber nicht nur Paris, die „Grande Capitale“ von Frankreich. Auch ihrem Metier, der Friseurkunst, hatten die französischen Gastgeber für ein schönes Programm mit reichlich Input gesorgt.

Beim Weltmeister

Blick in die Empfangshalle, die auch für Schulungen benutzt wird.
Blick in die Empfangshalle, die auch für Schulungen benutzt wird. Foto: Handwerkskammer für Mittelfranken
Unbestrittener Höhepunkt war der gemeinsame Besuch des erst neu eröffneten Ausbildungszentrums des viermaligen Friseurweltmeisters Raphael Perrier in Le Mans. Um 5 Uhr in der Früh war die Nacht zu Ende, um rechtzeitig in Le Mans zu sein. „Wir waren die erste Gruppe, die dieses Ausbildungszentrum besuchen durfte“, erzählt Agnes Graf-Then. Leider war der Meister nicht persönlich vor Ort, er schickte Grüße per what‘s app aus Brasilien. Aber seine Assistenten Séverine und Maxime kümmerten sich bestens um ihre Besucher, die von der großen Empfangshalle sichtlich beeindruckt waren. Maxime erläuterte die Schnitttechnik Perriers und zeigte dann eine Steckfrisur, die jeder an seinem Übungskopf nachahmen durfte.

In Versailles bei den Friseuren

Begrüßung der deutschen Auszubildenden
Alena Gürleyen
Der Präsident der Chambre de Métiers et de l'Artisanat Ronan Keraudren (hinten 5. von rechts), Evelyne Cazoutets (1. von rechts) Geschäftsführerin und der Leiter des Bildungszentrums Olivier Devaux (1. von links) begrüßten die deutschen Auszubildenden.
Ronan Keraudren, Präsident der Kammer Versailles, Evelyne Cazoutets, ihre Hauptgeschäftsführerin und Olivier Devaux, Leiter des Bildungszentrums, ließen es sich nicht nehmen, die deutsche Gruppe persönlich zu begrüßen. Anlässlich der Ehrung der besten französischen Auszubildenden des CMF wurden die deutschen Partner offiziell begrüßt,  viele Hände geschüttelt. Ronan Keraudren: „Wir freuen uns, dass auch nach 43 Jahren der deutsch-französische Austausch immer noch lebendig ist.“

Und dann ging es zur Sache. Die deutschen Friseur-Azubis waren ins Bildungszentrum der Handwerkskammer Versailles (CMF) geladen, um dort mit französischen Azubi-Partnern, den „apprentis en un an“ (verkürzte Ausbildung in einem Jahr absolviert), zunächst bei einer besonderen Präsentation mit dabei zu sein. Soriba Diakite, selbst einmal ein Auszubildender des CMF Versailles und ein findiger Kopf, präsentierte seine Erfindung: die „ciseau-peigne soriba“, auf Deutsch der „Scheren-Kamm Soriba“. „Mir ist beim Schneiden aufgefallen, dass der Kamm des Öfteren herunterfiel,“ erklärte Soriba Diakite seine Erfindung, „und dann kam mir die Idee für eine Kombination zwischen Kamm und Schere.“

Die
Alena Gürleyen
Die "ciseau-peigne" von Soriba.
Und er probierte sie auch gleich erfolgreich an den Köpfen Freiwilliger der deutsch-französischen Klassen aus. Nach der Mittagspause waren die Azubis selbst dran: Sie durften zusammen mit ihren französischen Partnern diverse Techniken ausprobieren. Am zweiten Tag im CMF arbeitete man mit der Klasse der sogenannten „Professionelles“ zusammen. Hauptthema war die Dauerwelle. Erkenntnis auf deutscher Seite: „Die Franzosen legen das Papier zum Aufwickeln der Haare anders als wir es lernen. Sie wenden hier ausschließlich die Zwillingswicklung an, die sich gut für lange Haare eignet.“

Kultur pur

Gleich am ersten Tag in der Früh stand der Eiffelturm auf dem Programm.
Gleich am ersten Tag in der Früh stand der Eiffelturm auf dem Programm. Foto: Alena Gürleyen
Das Wahrzeichen von Paris, der Eiffelturm, wurde natürlich bestiegen und zwar im wörtlichen Sinne: per pedes. Die Warteschlange zu den Aufzügen war zu lange. Also eroberte man den 324 m hohen Turm bis zur zweiten Etage zu Fuß. Danach musste es mit dem Aufzug bis zur Spitze weitergehen. Der Dank für die sportliche Leistung war ein wundervoller Blick über die weiße Stadt und ihre Sehenswürdigkeiten.

Auch dem Herzen von Paris wurde ein Besuch abgestattet. Die im vergangenen Jahr durch einen Brand stark beschädigte gotische Kirche Notre-Dame kann man zwar noch lange nicht innen besichtigen, aber ein Blick über die Seine zeigte die ungeheuren Ausmaße der Brandkatastrophe.

Ein Muss für Versailles-Besucher war die Besichtigung des Schlosses von Ludwig XIV. Zum Teil mit Audio-Guides ausgerüstet, erkundete die Gruppe das Schloss. Schon allein der zentrale Spiegelsaal versetzte  ins Staunen, geschweige denn die umliegenden Repräsentationsräume.

„Es war eine schöne, aber für alle auch anstrengende Woche in dieser quirligen Stadt“, resumierte Agnes Graf-Then. „Besonders hat mich gefreut zu beobachten, dass sich trotz der Sprachhemmnisse, kleine deutsch-französische Freundschaften anbahnten. Die können wir hoffentlich im März 2020 beim Gegenbesuch der französischen Friseur-Azubis hier in Nürnberg vertiefen.“



Die nächste Frankreichreise steht für Oktober 2020 an. 



Anders als bei uns….

…. Tanja Knöchlein, Berufsschullehrerin an der B 5 in Nürnberg, war mit auf der großen Fahrt nach Paris.

Diese Unterschiede fielen ihr im Vergleich zur Ausbildungssituation in Deutschland auf:

  • Wir haben weniger praktische Inhalte durch die Einführung der Lernfelder gibt es nun geteilten (praktischen) und ungeteilten (theoretischen) Unterricht.
  • Die Auszubildenden in Frankreich müssen ihr Material selbst kaufen und zum Unterricht mitbringen.
  • Die Kleidung der Auszubildenden wird an der Pforte kontrolliert (z.B. keine Hosen mit modisch motivierten Löchern)
  • Das Fach Kosmetik wird in der Ausbildung zum Friseur nicht unterrichtet.
  • Die Auszubildenden dürfen im Schulsalon an Kunden üben. Diese müssen nur das verbrauchte Material bezahlen.
  • Die Auszubildenden werden mit einem warmen frisch gekochten Schulessen versorgt, das zum Teil von der hauseigenen Bäckerei-, Konditorei- und Metzgerei-Werkstatt beliefert wird.
  • Es werden in der Schule keine Süßgetränke angeboten nur Wasser und Kaffee, wobei man seine eigene Tasse mitbringen muss, um der Plastikflut vorzubeugen.