In the wake of de Deadad, Andrew Kotting, 2006, Filmstill
Foto: Leila Badblood
In the wake of de Deadad, Andrew Kotting, 2006, Filmstill

Online: Memento. Im Kraftfeld der Erinnerungen

Das Museum für Sepulkralkultur in Kassel  bietet interessierten Besuchern einen virtuellen 3D-Rundgang durch die aktuelle Sonderausstellung „Memento. Im Kraftfeld der Erinnerungen“ an, die sich mit den unterschiedlichsten Formen des individuellen Erinnerns und Gedenkens an Verstorbene beschäftigt. Die Online-Besucher können durch alle Bereiche frei navigieren, sich detailliert umschauen und die Ausstellungstexte lesen. Außerdem begleitet das Kuratorenteam die Besucherinnen und Besucher mit Videostatements durch die Ausstellung. 

Karl Julius Zinnert: Liegebüste einer Unbekannten, 1855
Frank Hellwig
Karl Julius Zinnert: Liegebüste einer Unbekannten, 1855 Museum für Sepulkralkultur
Die Art und Weise, wie Menschen den Verlust von vertrauten und geliebten Personen verarbeiten und darin ihre emotionale Betroffenheit zum Ausdruck bringen, wird neben kulturellen Traditionen, ideologischen und gesellschaftlichen Werten oder kollektivem Geschichtsbewusstsein maßgeblich von individuellen Wesenszügen und von den jeweiligen Lebenssituationen geprägt. Erinnerungen unterliegen – je nach Situation und Lebensphase – einem stetigen Wandel, der ihre Bedeutungen und auch ihren Sinn umfasst. Viele Menschen suchen daher eine persönliche Sprache und Form der Vergegenwärtigung des Vergangenen, indem sie Erinnerungen in sinnlich erlebbare Handlungen transformieren oder persönliche Hinterlassenschaften als plastische Erinnerungsträger sorgsam aufbewahren.

Feierlich, traurig, lamentierend und klagend, laut und extrovertiert, tänzerisch, im Stillen oder in Form von rituellen Handlungen erinnern und gedenken Angehörige und Freunde*innen ihren Verstorbenen und reaktivieren über das Erinnern die Vergangenheit in der Gegenwart.
Die Dialoge zwischen den gezeigten internationalen künstlerischen Werken und den kulturhistorischen Objekten aus der Sammlung des Museums entfalten einen spannenden Referenzraum.

Neben historischen Zeugnissen und künstlerischen Werken werden auch ausgewählte virtuelle Erinnerungsformate wie Trauerforen im Internet, Erinnerungsvideos auf YouTube und interaktive Webseiten, die individuelle Erinnerungsprozesse initiieren und begleiten, vorgestellt.
Alle Exponate, die in der Ausstellung präsentiert werden, sind persönliche Formen der Erinnerungsarbeit, die die Geschichten von Verstorbenen durch die Stimmen der Hinterbliebenen erzählen.

Zur Einführung der virtuellen Angebote sind Online-Besuche bis zum 30. November 2020 kostenfrei. Danach wird eine Gebühr erhoben.

 www.sepulkralmuseum.de/digital



Über das Museum

Das Museum für Sepulkralkultur besteht als Kultureinrichtung von bundesweiter Bedeutung seit 1992. Als weltweit einzige, ausschließlich kulturellen und wissenschaftlichen Maßstäben verpflichtete Institution befasst es sich dem Tod in all seinen Facetten. Der Begriff „Sepulkralkultur“ leitet sich vom lateinischen „sepulcrum“ ab und bedeutet Grab, Grabstätte. Der Begriff umfasst alle Erscheinungsformen, die sich im Zusammenhang mit Sterben, Tod, Bestatten, Trauern und Gedenken entwickelt haben: Bestattungs- und Trauerriten und -bräuche, aber auch künstlerische Sichtweisen auf Sterben und Tod. Sterben, Bestatten, Trauern und Gedenken unterliegen seit zwei Jahrzehnten starken Veränderungen in der Praxis und ihrer öffentlichen Wahrnehmung. Um diese Prozesse zu erforschen, zu kontextualisieren und zu vermitteln, bietet das Museum besondere Möglichkeiten.