Mythos Handwerk. Zwischen Ideal und Alltag. Ausstellung im museum für angewandte kunst in Frankfurt am Main.
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Mythos Handwerk. Zwischen Ideal und Alltag. Ausstellung im museum für angewandte kunst in Frankfurt am Main.

Mythos Handwerk. Zwischen Ideal und Alltag

Ausstellung im "Museum Angewandte Kunst" in Frankfurt am Main

Das Handwerk im Spannungsfeld zwischen Ideal und Alltag steht im Mittelpunkt der Ausstellung "Mythos Handwerk. Zwischen Ideal und Alltag", die vom 29. April bis zum 11. September 2022 im "Museum Angewandte Kunst" in Frankfurt am Main zu sehen ist.

Was ist Handwerk? Zum einen ist das natürlich der Herstellungsprozess durch erlernte Handlungen und Techniken, die meist mit der Hand oder einem mit der Hand geführten Werkstück ausgeführt werden. "Handwerk" gilt als Gütesiegel für Qualitätsarbeit. Dazu meint der Begriff "Handwerk" einen Beruf oder auch eine ökonomische Branche. 

Die Frankfurter Ausstellung beschäftig sich auch mit der Frage, was eigentlich der "Mythos Handwerk" ist. Sind die dem Handwerk zugeschriebenen universellen Werte Tradition, Ehrlichkeit, Schlichtheit heute noch von Bedeutung? Oder entstehen gerade neue? Die Ausstellung hinterfragt gängige Vorstellungen, entlarvt Romantisierungen und Ideologien. Sie zeigt auf, welche Gefühle und Affekte, Vorstellungen und Wünsche rund um das handwerklich hergestellte Objekt an das Individuum und die Gesellschaft transportiert werden.

Die Ausstellung will zahlreiche zeitgenössische Debatten und die gesellschaftliche Dimension von Gestaltung verdeutlichen und neu anregen. Sie umfasst eine Fülle von Objekten, Filmen, Bildern, Fotografien und Kunstwerken.

"Mythos Handwerk" gliedert sich in sechs Ausstellungs-Abschnitte:

  • Einzelstück/Serie
  • Hand/Kopf
  • Lokal/Global
  • Luxus/Notwendigkeit
  • Meisterschaft/Do-it-yourself
  • Tradition/Fortschritt.

Außerdem haben die Ausstellungsbesucher die Möglichkeit, selbst aktiv zu werden. Sechs Stationen laden ein, durch Zeichnen, Konstruieren, Flechten, Bauen, Messen und Stöbern Kernkompetenzen des Handwerks zu entdecken und auszuprobieren. Sie können eigene Ideen entwickeln und diese mit anderen an einer Pinnwand teilen.

Reaktion auf das Interesse am Handwerk

Die Ausstellung reagiert auf das gestiegene gesellschaftliche Interesse am Handwerk. Dies beinhaltet zum einen das sich entwickelnde neokonservative Qualitätsbewusstsein auf der Konsumentenseite. Dieses geht mit dem Kauf von gehobenen handwerklichen Gütern einher.
Zum anderen werden die Do-it-yourself (DIY)-Bewegungen betrachtet, die schon seit den 1970er Jahren das handwerkliche Selbermachen mit einem politischen Verständnis von Selbstermächtigung und Konsumkritik verknüpft.

Werkstatt in Rabenau, 1950er Jahre
Deutsches Stuhlbaumuseum, Rabenau, Sachsen
Werkstatt in Rabenau, 1950er Jahre
Für 13 Prozent der Bundesbürger ist das Handwerk Berufs- und Einkommensgrundlage. Etwa ein Drittel aller Auszubildenden ist in Deutschland im Handwerk tätig. Das Interesse an handwerklichen Verfahren und Fertigungstechniken, an Material und Materialität, zeigt die Bedeutung und Wertschätzung des Handwerks als wesentlicher Bestandteil materieller Kultur, kultureller Identität und Gemeinschaft.

Andereseits zeigt "Mythos Handwerk" auch problematischen Aspekte: Politische Instrumentalisierungen von Tradition, Heimat und Volkszugehörigkeit, aber auch die teils prekären Lebensverhältnisse von Handwerkern, die niedrigen Ausbildungslöhne mancher Sparten, der mangelnde Nachwuchs, die erhöhte Gefahr für Arbeitsunfälle und körperliche Versehrtheit.

Die Ausstellung entstand in Kooperation mit dem Kunstgewerbemuseum der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden und dem "Vorarlberg Museum" in Bregenz.

Mythos Handwerk. Zwischen Ideal und Alltag

29. April bis 11. September 2022

museum für angewandte kunst
Schaumainkai 17
60594 Frankfurt am Main

 Informationen zur Ausstellung



Peter Raacke (1928¿2022) in seiner Werkstatt 2012
Wolfram Heidenreich für mono GmbH
Peter Raacke (1928¿2022) in seiner Werkstatt 2012