Konditormeister Michael Lechner (links) und sein Chef Rainer Nusselt (rechts) haben mit ihrem Erfolgsprodukt.
Handwerkskammer
Konditormeister Michael Lechner (links) und sein Chef Rainer Nusselt (rechts) haben mit ihrem Erfolgsprodukt, dem Klorollenkuchen.

Mutmacher im Handwerk

Heute: Bäckerei Rainer Nusselt in Nürnberg

„Es ist ein bisschen mau zur Zeit“, sagt Rainer Nusselt. Mit „ein bisschen mau“ meint er: 50 bis 60 Prozent Umsatzeinbußen, eine Filiale in einem Hornbach-Baumarkt, die wochenlang geschlossen war. 90 unbesetzte Außenplätze auf der Terrasse, geschlossene Cafés in seinen vier Geschäften und der komplette Wegfall des Liefergeschäfts an Hotels und Messen.

Trotzdem lässt er sich nicht unterkriegen. Mit seinem Konditormeister Michael Lechner setzte er sich zusammen und überlegte, was zu tun sei. Zum einen wollte er Kunden locken, um die Verluste zu kompensieren, zum anderen wollte er aber auch generell appellieren: Unterstützt das Handwerk, kauft beim Bäcker, Metzger, Konditor ums Eck. Zu Beginn der Coronakrise war das Wort „Hamsterkäufe“ in aller Munde. Und was wurde gehamstert? Klopapier. Also entwickelten er und Lechner einen Schokobrowniekuchen in Form einer Klopapierrolle, überzogen das ganze mit weißer Glasur und modellierten aus dem gleichen essbaren Material, genauer gesagt Rollfondantmasse, einen herauskletternden Hamster. „Gerade in der Krise muss auch mal ein Scherz sein“, ist Rainer Nusselt überzeugt. „Mit Spaß und einer positiven Einstellung meistert man die Krise einfach besser.“ Dem stimmten auch die Kunden zu und rissen ihm die Kuchen regelrecht aus den Händen. Circa 4000 Stück hat er mittlerweile verkauft, allein an einem Samstag reichten seine Mitarbeiter 350 köstliche Exemplare über die Theke. „Die Menschen fanden die Idee einfach witzig und freuten sich über den Gag. Viele verschenkten ihn auch über die Osterfeiertage.“

Rainer Nusselt muss selbst ein wenig lachen: „Früher haben wir Osterlämmer verkauft, heute verkaufen wir Klorollenhamster. Mal sehen, was es nächstes Jahr sein wird.“ Denn trotz Corona und Zukunftssorgen: Unterkriegen lässt er sich als Optimist nicht.