Maurermeister Heinrich Gessler (rechts) und sein palästinensischer Praktikant probieren die neue Vokabel-App aus.
Handwerkskammer für Mittelfranken
Maurermeister Heinrich Gessler (rechts) und sein palästinensischer Praktikant probieren die neue Vokabel-App aus.

MeinVokabular: App hilft beim Deutschlernen

Die neue Vokabel-App für Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund hilft beim Erlernen der Fachsprache.

Händeringend sucht das Handwerk Fachkräfte. Und viele Flüchtlinge, die in den vergangenen Jahren nach Deutschland kamen, möchten einen Beruf erlernen. Doch oft hapert es an den Sprachkenntnissen. Dabei ist es vor allem in der Arbeit schwer, sich die jeweiligen Fachwörter zu merken.

Das können die Experten der Handwerkskammer für Mittelfranken nur bestätigen: „Laut unseren Erfahrungen sind Betriebe, die Menschen mit Migrations- und Fluchthintergrund eingestellt haben, in der Praxis oft sehr zufrieden, aber in der Berufsschule oder bei den Fachbegriffen gibt es Schwierigkeiten wegen der Sprachbarriere.“

Andrea Sitzmann, Amrei Meinhof, Anja Seulen und Florian Schromm kennen sich aus. Sie kümmern sich um alles, was nötig ist, damit eine Lehre oder ein Einstieg ins Berufsleben gelingt. Viele Flüchtlinge unterschätzen vor und zu Beginn der Ausbildung, was tatsächlich von ihnen gefordert werden wird. Die Sprachbarriere erscheint dann unüberwindlich. „Erst ab einem Niveau von B1, besser noch B2 des gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen kann man von Ausbildungsreife sprechen“, erklärt auch Florian Schromm, Flüchtlingskoordinator bei der Kammer. Doch selbst dann ist die Fachsprache ein echtes Hindernis. Denn es gibt zwar ein breites Angebot an Sprachkursen, aber keine berufsbezogenen Sprachkurse im Handwerk. Mal ehrlich: Wer kann schon „Scherbügelbieger“ erklären oder in Amharisch oder Urdu übersetzen?

Heinrich Gessler, Maurermeister mit einem palästinensischen Praktikanten, hatte die Lösung: eine kostenlose Vokabel-App. So können sich die Azubis ihr eigenes Sprachlexikon - besonders für die schwierige Fachsprache - aufbauen. Die Arbeitsgemeinschaft der bayerischen Handwerkskammern griff die Idee auf und setzte sie um. „Bisher haben wir den Geflüchteten immer geraten, eine Art Vokabelheft zu führen, aber eine App ist viel näher dran an den Bedürfnissen der Menschen“, freut sich Andrea Sitzmann.

Jedes unbekannte Wort, beispielsweise ein Scherbügelbieger, kann bebildert und vertont werden. Die Bedienung ist selbsterklärend. Erst erstellt man eine neue Karteikarte, indem man einfach das große Plus antippt. Dann macht man ein Foto – zum Beispiel vom Scherbügelbieger –, spricht und tippt die richtige Vokabel ein. In der Übersicht können die Fremdwörter dann geübt werden.

Seit Ende November ist die App freigeschaltet und steht zum Download als IOS und Android-Version in den jeweiligen App-Stores zur Verfügung.

Fragen, Verbesserungsvorschläge oder generell Rückmeldungen sind übrigens
willkommen.



  

oder  hwk-vokabel-app@hwk-mittelfranken.de