Schülerbaustelle 2019
Handwerkskammer für Mittelfranken

Marmor, Stein und Eisen bricht

Diesjährige Schülerbaustelle für Nachwuchshandwerker abgeschlossen

Es knackt in den Lautsprechern. Eine Gruppe Erwachsener blickt auf, als sich eine Mädchenstimme meldet. Jaqueline darf heute die Durchsage im Sonderpädagogischen Förderzentrum am Nürnberger Jean-Paul-Platz machen: „Sehr geehrte Vertreter der Presse, wir wünschen Ihnen einen guten Morgen und begrüßen Sie alle sehr herzlich in unserem Schulhaus und Pausenhof. Marmor, Stein und Eisen wird seit fast drei Wochen in unserem Schulhof gebrochen und bearbeitet. Es wird gebuddelt, gemauert, betoniert und gefliest. Holz gesägt, geschliffen, lasiert, gebohrt und zu Bänken und Liegen verarbeitet.“ Man merkt ihr an, wie viel Freude ihr die Durchsage macht. 

Was steht heute an?

Es ist wieder Schülerbaustelle. Einmal im Jahr organisiert das Amt für Kultur und Freizeit in Kooperation mit der Handwerkskammer und einer ausgewählten Schule das Projekt. In diesem Jahr fand die Schülerbaustelle zum ersten Mal in einem Sonderpädagogischen Förderzentrum statt. Drei Wochen lang drehte sich alles um Handwerk, Kunst und Berufsorientierung. Und die Schüler waren mit Begeisterung dabei. So entstanden Außenmöbel wie Bänke, Liegen und Tische aus Holz und Metall – für das neue grüne Klassenzimmer und die Chill-out-Area. Der Pumpbrunnen erhielt eine neue Außenmauer und wurde repariert. Bislang triste Betonblöcke verschönerten die Schüler mit einem Mosaikrahmen und ein Teichfiltersystem freute vor allem die Goldfische in ihrem nassen Zuhause.

Handwerk wäre was für uns

„Sehr cool“, fanden das auch Horstin und Robert. Die beiden Neuntklässer betonieren gerade die Beine der Holzliegen ein, auf denen sie zukünftig entspannen können. Sie hatten sich für den Workshop von Kammer-Schreinermeister Oliver Schmidt entschieden. „Wir wollten ausprobieren, ob uns Schreiner als Beruf gefällt“, begründen sie ihre Entscheidung. Und? „Es hat total viel Spaß gemacht. Das wäre auf jeden Fall etwas für uns“, lautet das Fazit – vor allem, wenn es genug Bohrmaschinen und Akkuschrauber gibt.

Abends muss man sie von der Baustelle schubsen

Die Handwerksmeister freuen sich über die Motivation der Schüler. „Sie sind bis zur letzten Minute bei der Sache. Manchmal muss man sie regelrecht zum Aufhören zwingen“, erzählt Manfred Geißdörfer augenzwinkernd. „Das wären tolle Leute fürs Handwerk“, ergänzt auch Harald Wiesand, der die Schülerbaustelle koordiniert. „Bei der Theorie bräuchten sie vielleicht ein bisschen Unterstützung, aber für einen Betrieb wären sie als Gesellen ein echter Gewinn.“ Auch Christian Sendelbeck, Vizepräsident der Handwerkskammer für Mittelfranken, ist dieser Meinung: „Über 130 tolle Handwerksberufe warten auf euch“, rief er den versammelten Schülern beim Baustellenfest zu. „Bleibt dran, nutzt eure Chance, macht ein Praktikum oder zwei oder drei, dann trefft eure Entscheidung. Nichts ist unmöglich und ihr geht euren Weg“, gab er den Schülern noch als Rat. 

Das auch die Theorie zu meistern ist, wenn man sie entsprechend unterstützt, haben die Schüler übrigens schon bewiesen. „Berechnungen sind für unsere Schüler keine Selbstverständlichkeit, aber wenn sie sehen, wie Mathematik praktisch anwendbar ist, motiviert das natürlich“, erzählen die zweite Konrektorin Juliane Prange-Montag und Förderlehrerin Hella Kählig. Sie freuen sich darüber, dass gerade die Schüler, die oftmals eher im Hintergrund bleiben, bei der Schülerbaustelle hervortreten und ihre Fähigkeiten zeigen. 

Kammer-Maurermeister Manfred Geißdörfer zeigt Andre und Salvatore letzte lockere Erdflecken rund um den neuen Pumpbrunnen.
Handwerkskammer für Mittelfranken
"Da müsst ihr nochmal feststampfen", zeigt Kammer-Maurermeister Manfred Geißdörfer Andre und Salvatore letzte lockere Erdflecken rund um den neuen Pumpbrunnen.





Nico bereite die Löcher an den Beinen der neuen Liege vor, damit er mit Metallbaumeister Thomas Landau Beton eingießen kann.
Handwerkskammer für Mittelfranken
Ganz versunken bereitet Nico die Löcher an den Beinen der neuen Holzliege vor, damit er dann gemeinsam mit Enrico und Kammer-Metallbaumeister Thomas Landau den Beton eingießen kann. Ist der erst mal trocken, steht dem Chillen und Rumturnen in der neuen Area nichts entgegen.