Mitglieder des Kulturfoyers Handwerk Mittelfranken besuchten das Nürnberger Stadtarchiv.
Auf Infotour im Nürnberger Stadtarchiv: Antonia Landois vom Nürnberger Stadtarchiv (Mitte) zeigte den Mitgliedern des Kulturfoyers ausgewählte Archivalien zur Nürnberger Handwerksgeschichte.

Kulturfoyer im Nürnberger Stadtarchiv

Eigens für die Mitglieder und Freunde des Kulturfoyers Handwerk Mittelfranken hatte Antonia Landois in den Beständen des Nürnberger Stadtarchivs geforscht und spannende Dokumente aus der Handwerksgeschichte ans Tageslicht gebracht.

Die Leiterin der Abteilung 3 für nichtamtliches Archivgut und archivische Sammlungen ist auch für die Bestände aus dem Handwerk zuständig. „Leider haben wir hiervon nur 85 Einzelbestände“, bedauerte sie gleich zu Anfang. Dies liege daran, dass man erst im 19. Jahrhundert begonnen habe, Archivgut ins Stadtarchiv abzugeben und dass das Bewusstsein für die Handwerksgeschichte immer noch nicht sehr ausgeprägt sei.

Umso interessanter waren dann für die Anwesenden die Einblicke, die Landois in ihre Schätze gewährte. Einführend machte Landois klar, dass es in Nürnberg keine Handwerkszünfte gab. Vielmehr waren die Handwerker als Reaktion auf ihren Aufstand im Jahr 1348 dem städtischen Rugamt als wirtschaftliche Aufsichtsbehörde unterstellt und somit in ihrer Eigenständigkeit stark eingeschränkt. Trotzdem hat das Handwerk eine eigene Kultur entwickelt, wie zum Beispiel im sozialen Miteinander oder auch in der Verwaltung.

Vier Gewerke stellte Landois anhand erhaltener Archivalien vor:

  • Das Metzger-Handwerk, von dem sich die erste einschlägige Bestimmung zum Verkauf von Fleisch- und Wurstsorten von 1302 erhalten hat. Außerdem zeigte sie einen sogenannten Wurstbügel, wie er zur Befüllung der Wurstdärme benutzt wurde.
  • Auch in Nürnberg gab es Goldschläger, bei denen die Lehrlinge eine siebenjährige Lehrzeit zu absolvieren hatten. Besonders interessant für die Gäste war die Mitteilung, dass Nürnberg bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts die Goldschlägerstadt war, bevor ihr Schwabach diesen Rang strittig machte. Landois zeigte dazu ein besonderes Werkzeug, ein Lineal, in das verschiedene Sinnsprüche eingraviert worden waren.
  • Die Kammmacher, die das älteste überlieferte Werkzeug herstellten, nämlich die überall verbreiteten Nürnberger Kämme und
  • die Friseure, von denen laut Landois nur sehr wenige Archivalien überliefert seien. Dies sei dem Umstand geschuldet, dass der Beruf „Friseur“ erst 1874 aus den Berufen „Bader und Perückenmacher“ zusammengewachsen ist. Hier veranschaulichte ein Fotoalbum aus den 1950er Jahren nicht nur die damals gebräuchliche Frisurenmode, sondern auch, wie man versuchte, anlässlich einer Frisurenschau die Mode vergangener Jahrhunderte nachzuahmen.

„Was tun, wenn man Archivalien an das Stadtarchiv abgeben möchte?“, war eine der Fragen, die zum Ende der abwechslungsreichen Einführung gestellt wurden. „Wir freuen uns sehr, wenn uns Archivalien, besonders zur Handwerksgeschichte, angeboten werden“, ermunterte Antonia Landois, „in diesem Falle werden wir die Archivalien vorab sichten und dann mit dem jeweiligen Besitzer die spezifischen Übergabemodalitäten ob Schenkung, ob Kauf oder ob sogenanntes Deposit mit Eigentumsvorbehalt verhandeln.“

 

Wenn Sie Archivalien zur Nürnberger Handwerksgeschichte an das Stadtarchiv abgeben möchten, wenden Sie sich an

Dr. Antonia Landois
Stadtarchiv Nürnberg
Telefon 0911 2 31-54 85