Mit der Bandsäge sägt Melanie Groetsch den Stiel des Kammes zurecht.
Mit der Bandsäge sägt Melanie Groetsch den Stiel des Kammes zurecht.

Kulturfoyer auf Handwerkerfahrt

Die letzte Aktion des Kulturfoyers in diesem Jahr war bei recht kühlen Temperaturen ein Ausflug ins Nürnberger Land zu zwei besonders interessanten, aber auch sehr unterschiedlichen Handwerksbetrieben.

Ausflug in die Handwerksgeschichte

Die im 17. und 18. Jahrhundert weit verbreitete Kunst, einen Kamm aus Holz oder anderen Materialien handwerklich herzustellen, beherrscht heutzutage fast keiner mehr. Eine der Letzten ihrer Art ist Kammmacherin Melanie Groetsch. Ihr 1848 von ihrem Urgroßvater gegründeter Betrieb war die erste Station des Ausflugs und führte die Expedition in die Vergangenheit eines fast ausgestorbenen Handwerks. Melanie Groetsch erwartete ihre Gäste schon. Dick vermummt mit festem Schuhwerk und Handschuhen führte sie sie in ein altes Industriegebäude mit den für das 19. Jahrhundert typischen Sägezahndächern, die die gute Ausleuchtung der Räumlichkeiten ermöglichten. Drinnen war es alles andere als kuschelig, die rundum stehenden Maschinen waren mit dickem Holzstaub bedeckt. Die Gruppe rückte eng zusammen und verfolgte gespannt die einzelnen Arbeitsschritte, die Melanie Groetsch für die Herstellung eines Kammes vorführte. „Diese Kammschneidemaschine ist schon sehr alt, aber immer noch für unsere Kammherstellung essentiell. Unser Urgroßvater hat sie in England erworben,“ erzählte sie und demonstrierte an der Maschine das Sägen der Zähne in den Rohling. Später im Verkaufsladen zeigte sich eindrucksvoll die große Vielfalt an Holzsorten, die von Melanie Groetsch verarbeitet werden, auch Exotenhölzer wie Amaranth sind mit dabei.

Nachhaltigkeit

Nur wenige Kilometer von Hartenstein entfernt, in Kirchensittenbach, liegt die Schreinerei von Herwig Danzer, die seit 30 Jahren als „Die Möbelmacher GmbH“ firmiert und sich auf die Herstellung von Massivholzmöbeln spezialisiert verschrieben hat. „Wir beziehen unser Holz direkt aus der Region“, erzählte Ute Danzer, die die Gruppe zunächst mal über das Außengelände führte. Dann erläuterte sie die einzelnen Stationen, die ein Baumstamm auf seinem „Weg zum Tisch“ durchläuft: begonnen mit der Auswahl des Holzes direkt im Wald, über die Anlieferung und das Entrinden auf dem Hof der Schreinerei bis hin zu seiner Lagerung und dem Trocknen in speziellen Trockenräumen.

Ute Danzer (vorne Mitte) erläutert den Gästen die einzelnen Verarbeitungsschritte eines Holzbretts.
Ute Danzer (vorne Mitte) erläutert den Gästen die einzelnen Verarbeitungsschritte eines Holzbretts.
Drinnen, in der Schreinerei, einem modernen, hellen und mit den eigenen Holzabfällen gut beheizten Raum, zeigte Ute Danzer dann die einzelnen Stationen der Feinarbeit: Ablängen, Besäumen, Hobeln, Verleimen, Schleifen, Formatieren, Fräsen, Schleifen, Ölen. Viele Arbeitsschritte sind notwendig, bis ein Möbelstück die Schreinerei verlassen kann. Den Abschluss der Führung bildete dann die Besichtigung der Ausstellung. „Wir sind Komplettvermarkter“, erläuterte Firmenchef Herwig Danzer, der die Gäste in einer „Möbelmacherküche“ empfing, „dementsprechend finden Sie bei uns nicht nur einige unserer Mustermöbel, sondern auch alles, was Sie für die Einrichtung Ihres Hauses benötigen.“

„Die Ausflüge des Kulturfoyers sind bei unseren Mitgliedern sehr gut angekommen“, war das Resümee von Heinrich Mosler, dem Vorsitzenden des Kulturfoyers bei der gemeinsamen Brotzeit, die den Ausflug beschloss und er fügte hinzu, dass deshalb auch im kommenden Jahr wieder Outdoor-Aktivitäten als Erweiterung des bisherigen Kulturfoyerprogramms vorgesehen seien.

Das Kulturfoyer Handwerk Mittelfranken freut sich über neue Mitglieder.

 

Agnes Graf-Then

Tel. 0911 5309-194
Fax 0911 5309-291
agnes.graf--at--hwk-mittelfranken.de