Der Kultur- und Kreativbericht der EMN 2019 wurde vorgestellt.
Tanja Pappert
Stellten den Kultur- und Kreativbericht der Europoäischen Metropolregion Nürnberg (EMN) vor (von links): Michael Söndermann, Büro für Kulturwirtschaftsförderung Köln/Erlangen, Anke Steinert-Neuwirth, Geschäftsführerin des Forums Kultur der EMN, Michael Fraas, Geschäftsführer des Forums Wirtschaft und Infrastruktur der EMN, Oliver Wittmann, Leiter des Bayerischen Zentrums für Kultur- und Kreativwirtschaft.

Kreatives Handwerk

2. Bericht Kultur- und Kreativwirtschaft in der Europäischen Metropolregion Nürnberg erschienen.

Der neu erschienene Bericht der Kultur- und Kreativwirtschaft der Europäischen Metropolregion Nürnberg (EMN) kann mit zwei Superlativen aufwarten: Mit 4,3 Mrd. Umsatz im Jahr liegt dieser Wirtschaftszweig noch vor Gastgewerbe und Tourismus und spiegelt mit seiner polyzentrischen Verteilung genau die Besonderheiten der EMN wieder.

Attraktiver Standort für das Handwerk

Für das kulturrelevante Handwerk kommt der Bericht zu dem Fazit, dass die EMN einen ausgesprochen attraktiven und starken Standort bildet. Neben den klassischen elf Teilmärkten hat man in diesem Bericht das Kultur-und Kreativhandwerk in der EMN genauer unter die Luge genommen.  Michael Söndermann, dessen Büro für Kulturwirtschaftsforschung mit der Durchführung der Studie beauftragt war, hob die EMN als besonderen Standort für das Kulturhandwerk hervor.

"Small is beautiful"

In der EMN fände man viel kleine und leistungsstarke Unternehmen so Söndermann und führt als Beispiel die hochwertige Musikinstrumentenherstellung der Region mit ihren zum Teil weltweit anerkannten Namen an. Ein Viertel aller Preisträger des deutschen Musikinstrumentenpreises seit 1991 kämen aus der EMN. Auch die zahlreichen Aus- und Weiterbildungsstätten im kreativen Handwerk sind erwähnenswert. So verfügt die EMN  beispielsweise über Deutschlands einzige staatliche Berufsschule für Flechtwerkgestalter sowie für Pinsel- und Bürstenmacher. Dem zufolge ist auch ein Viertel aller deutschen Bürsten- und Pinselmacher in der EMN ansässig.

Exponierte Stellung

In zahlreichen weiteren Handwerksberufen innerhalb der KuK nimmt die EMN eine exponierte Stellung ein. So befindet sich hier rund ein Drittel aller Betriebe des Glasbläser- und Glasapparatebaus Deutschlands. Beinahe 20 Prozent aller deutschen Betriebe des Bogenmacherhandwerks, rund 17 Prozent aller deutschen Betriebe in den Gewerken Glas- und Porzellanmaler sowie Korb- und Flechtwerkgestalter sowie etwa 10 Prozent aller Geigen- und Zupfinstrumentenbaubetriebe der Bundesrepublik arbeiten in der Metropolregion.

Handwerk auf dem Land

Bemerkenswert ist schließlich das starke Kulturhandwerk in ländlichen Regionen: Während die KuK ihre Schwerpunkte eher in den Städten hat, sind die Unternehmen der kreativen Handwerke zumeist in den Landkreisen beheimatet und schärfen die regionalen und vielfältigen Profile der EMN. Nicht nur die Regionalität der Produkte ist ein Grund für den Erfolg – Produkte aus der EMN werden in besonders traditionsreichen Handwerken in die ganze Welt verkauft. Wertschätzung und Traditionserhalt alter Handwerke durch regionale individuelle Strukturen verankern Unternehmerinnen und Unternehmer in den ländlichen Regionen. 

"Politik beginnt mit der Beschreibung der Wirklichkeit"

Insgesamt kommt die Studie zum Schluss, dass das Kultur- und Kreativwirtschaft ein ernst zu nehmender Wirtschaftszweig wäre, der mit 4,3 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr zu den "Großen" gehört, so Michael Fraas, Wirtschaftsreferent der Stadt Nürnberg: "Dieser Zweig ist ein wichtiger Player, der in die anderen Branchen wirkt, aber auch ein wichtiger Imagefaktor." Seit dem letzten Bericht der EMN habe ein Bewusstseinsveränderung stattgefunden, man habe erkannt, dass Kultur und Wirtschaft eng miteinander verzahnt seien, erklärte Anke Steinert Neuwirth, die Geschäftsführerin des Forums Kultur der EMN, allerdings "geht das Wort Kultur- und Kreativwirtschaft immer noch recht schwer über die Lippen und ist erklärungsbedürftig." Als nächsten Schritt müsse der Bericht nun interpretiert und der Handlungsbedarf wie Förderstrukturen ermittelt werden. "Für uns war die polyzentrische Ansiedelung der Kultur- und Kreativwirtschaft eine neue Erkenntnis, die wir aus diesem Bericht gewonnen haben," resumierte Oliver Wittmann, Leiter des bayerischen Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft, "unsere Aufgabe wird es nun sein, dieses Thema in den einzelnen Regionen bekannter zu machen."

Die Studie wurde vom Bayerischen Zentrum für Kultur- und Kreativwirtschaft in Nürnberg herausgegeben und vom Bayerischen Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie gefördert. 

Kernzahlen der Kultur- und Kreativwirtschaft

  • 2015 und 2016: 4 Mrd. Euro Umsatz/Jahr
  • 2015: 5.020 (2009: 4.310) kulturrelevante Handwerksbetriebe

Den vollständigen Bericht können Sie sich hier downloaden.