Neuerungen in der gesetzlichen Krankenversicherung

Der Mindestbeitrag für Selbstständige sinkt - die Lohnnebenkosten steigen. Was die Neuerungen ab dem 1. Januar 2019 für Sie bedeuten, erläutern wir Ihnen gerne im Überblick.

Ab dem 01. Januar 2019 wird der Mindestbeitrag für Selbstständige halbiert

Zur Berechnung des Beitrags für freiwillig gesetzlich krankenversicherte Selbstständige werden alle steuerlichen Einkunftsarten zu Grunde gelegt, das heißt: Es wird die gesamte wirtschaftliche Leistungsfähigkeit des Versicherten berücksichtigt. Grundsätzlich wird der Beitrag daher aus der Beitragsbemessungsgrenze berechnet (2018: 4.425 Euro / 2019: 4.537,50 Euro).

Für den Fall, dass niedrigere Einnahmen nachgewiesen werden konnten, betrug die Mindestbemessungsgrenze zuletzt 2.283,75 Euro im Monat – für Existenzgründer und in besonderen Härtefällen betrug sie 1.522,50 Euro.

Gesetzlich versicherte Existenzgründer und Kleinselbstständige wurden in der Vergangenheit durch diese Regelung finanziell teils stark belastet.

Ab diesem Jahr werden Kleinselbstständige deutlich entlastet durch das Versichertenentlastungsgesetz (GKV-VEG): Zum 01. Januar 2019 sinkt die Mindestbemessungsgrundlage für freiwillig Versicherte auf 1.038,33 Euro. Hierdurch wird für Selbstständige, die ein niedrigeres Einkommen im Vergleich zur Beitragsbemessungsgrenze nachweisen können, der Mindestbeitrag zur Krankenversicherung von rund 360 Euro auf 145,37 Euro abgesenkt, also mehr als halbiert. Bei entsprechendem Nachweis niedrigerer Einnahmen kann daher künftig eine Krankenversicherung ohne Krankengeldbezug bereits für 145,37 Euro monatlich abgeschlossen werden.

Zudem prüfen die Krankenkassen künftig nicht mehr, ob eine haupt- oder nebenberufliche Selbstständigkeit ausgeübt wird.



Judith Lazarus

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 Mindestbemessungsgrenze bedeutet, dass die Krankenkassen von einem „fiktiven Minimum“ ausgehen: Auch wenn das tatsächliche Einkommen niedriger war, wurden die Versicherten von den Krankenkassen so eingestuft, als würden sie 2.284 Euro pro Monat verdienen. Bei einem Beitragssatz von 14 Prozent ohne Krankengeldanspruch kamen Selbstständige so auf einen Mindest-Monatsbeitrag zur gesetzlichen Krankenversicherung von rund 320 Euro.

Zusatzbeiträge muss künftig zur Hälfte der Arbeitgeber tragen

Seit dem 1. Januar 2015 gilt für in der gesetzlichen Krankenkasse versicherte Arbeitnehmer der einheitliche allgemeine Beitragssatz von 14,6 Prozent. Dieser wird je zur Hälfte (7,3 Prozent) von Arbeitgeber und Arbeitnehmer getragen. Zum Beitrag hinzu kommt der vom jeweiligen Finanzbedarf der Krankenkasse abhängige Zusatzbeitrag in Höhe von zwischen 0,3 bis 1,7 Prozent des Einkommens. Bislang trug diesen allein der Arbeitnehmer. Ab Januar 2019 wird auch der Zusatzbeitrag zur Hälfte von den Arbeitgebern übernommen.





Krankengeldanspruch für Selbstständige

Arbeitnehmer haben im Falle einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit für die Dauer von 6 Wochen (42 Tage) einen Entgeltfortzahlungsanspruch gegen ihren Arbeitgeber. Danach erhalten Sie Krankengeld von ihrer Krankenkasse. Freiwillig Versicherte, die den regulären Beitrag bei ihrer Krankenversicherung zahlen, haben dagegen keinen Krankengeldanspruch.



 Selbstständige können das Risiko für die Zeit ab dem 43. Tag der Arbeitsunfähigkeit dadurch absichern, dass sie statt des ermäßigten Beitrags von 14 Prozent plus Zusatzbeitrag den regulären Beitragssatz von 14,6 Prozent plus Zusatzbeitrag zahlen.