Adnan A. bei der Wandgestaltung.
Adnan A. bei der Wandgestaltung.

"Jetzt bin ich nicht mehr ungelernt"

Berufserfahrung sichtbar machen mit ValiKom Transfer.

Nur noch die Folie abziehen und die Arbeit ist fertig. Adnan A. löst mit spitzen Fingern sehr vorsichtig die Folie von der Wand und hervor kommt der Schriftzug „ValiKom“. Fertig. Zufrieden schaut der 30-jährige Syrer, der vor fünfeinhalb Jahren nach Deutschland kam, sein Werk an.

Adnan A. ist wie auch Zakaria M. und Carlos A. in der Werkstatt 23 im Berufsbildungszentrum 2 der Handwerkskammer für Mittelfranken angetreten, um sich seine Kenntnisse im Maler- und Lackiererberuf bestätigen zu lassen. Für ihre Bewertungsaufgabe, die einem Kundenauftrag zur Renovierung einer Altbauwohnung, wie er im Arbeitsalltag vorkommen kann, hatten die Drei zwei Mal acht Stunden Zeit. „Mit ValiKom Transfer wollen wir Menschen ohne Berufsabschluss, die aber über Berufskenntnisse verfügen, die Möglichkeit geben mit einem Zertifikat ihre Berufserfahrung sichtbar zu machen “, erklärt Nina Kielmann, die Projektverantwortliche bei der Handwerkskammer.



Zakaria M. beim Anmischen der Farbe für den Schriftzug "Valikom Transfer"
Zakaria M. beim Anmischen der Farbe für den Schriftzug "Valikom Transfer"

Carlos A. beim Anbringen des Schriftzuges (Valikom Transfer)
Carlos A. beim Anbringen des Schriftzuges (Valikom Transfer)



„Zertifikat ist wichtig für Arbeitssuche“

Für die beiden Syrer Adnan A. und Zakaria M. ist so eine Bestätigung besonders wichtig: „Bei uns in Syrien ist die Ausbildung ganz anders“, erläutern sie, „hier arbeitet man drei Jahre lang in einem Unternehmen und dann entscheidet der Chef, wenn die Lehrzeit beendet ist.“ Zertifikate haben in ihrem Land keinen hohen Stellenwert, der Kunde schaut sich die Arbeit eines Handwerks lieber persönlich an und entscheidet dann, ob er den Auftrag an ihn vergibt. Adnan A. und Zakaria M. haben vor der Flucht in Syrien als Maler- und Lackierer gearbeitet. Nachweise darüber sind ihnen nicht geblieben oder haben sie keine. Umso wichtiger ist nun das Zertifikat von ValiKom Transfer für sie. Indessen: „Eine Gesellenprüfung kann es natürlich nicht ersetzen“, erklärt Kielmann, „aber es ist für sie ein Anfang in einem Land, in dem der schriftliche Nachweis einer Fähigkeit unerlässlich ist.“



Adnan A. mit der fertig gestellten Arbeit.
Adnan A. mit der fertig gestellten Arbeit.

Carlos A. freut sich auch über die fertig gestellte Arbeit.
Carlos A. freut sich auch über die fertig gestellte Arbeit.

War mit seiner Arbeit zufrieden: Mohammad Z.
War mit seiner Arbeit zufrieden: Zakaria M.



„Jetzt bin ich nicht mehr ungelernt“

Ähnlich denkt auch Carlos A. Der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann mit kolumbianischen Wurzeln, der über einen Bachelor- und einen Masterabschluss verfügt, arbeitet schon seit acht Jahren berufsfremd in der Denkmalpflege. „In der Zeit hab‘ ich echt was gelernt“, sagt der 38-jährige, der für seinen Auftraggeber schon in der Theatinerkirche in München gearbeitet hat. „Jetzt ist festgehalten worden, was ich kann. Ich habe jetzt einen Zettel und ich bin nicht mehr ungelernt“, schildert er seinen Beweggrund, weshalb er eigens von München nach Nürnberg kam, um sich mit ValiKom Transfer bewerten zu lassen.



„Durchwinken gibt es nicht“

Bewertung der Arbeit
Jetzt wird's spannend (von links nach rechts): Günther Federl, Herbert Wahner und Nina Kielmann bei der Bewertung.
Indessen haben sich die beiden Bewerter, Maler- und Lackierermeister Günther Federl, Ausbilder im BZ 2 und Herbert Wahner, Maler- und Lackierermeister im Werkdienst in der Justizvollzugsanstalt Nürnberg mit ihren Bewertungsbögen ans Werk gemacht. Die Diskussion der vorliegenden Arbeiten zeigt, dass sie es mit der Bewertung sehr ernst nehmen. Denn: „Wir tragen hier eine große Verantwortung. Wenn wir die Kenntnisse bescheinigen, dann sollen sich die Betriebe draußen auch sicher sein, dass der Teilnehmer dies auch wirklich kann. Durchwinken gibt es nicht,“ sagt Günther Federl.

 

 

Nina Kielmann

Tel. 0911 5309-275
Fax 0911 5309-257
valikom--at--hwk-mittelfranken.de

 Mehr Informationen

So funktioniert ValiKom Transfer

Information und Beratung

Bewerber, die sich für diese Validierung interessieren, älter als 25 Jahre sind und eine einschlägige Berufserfahren nachweisen können, füllen als erstes einen Selbsteinschätzungsbogen aus und reichen ihn mit einem Lebenslauf bei der Projektverantwortlichen Nina Kielmann bei der Handwerkskammer für Mittelfranken ein. Dort sind die Tätigkeiten des Referenzberufs, z.B. Maler und Lackierer aufgeführt. Interessierte vergleichen ihre Kompetenzen mit den Tätigkeiten eines Gesellen und kreuzen, was sie können und in welchen Tätigkeitsbereichen Kompetenzen vorliegen.

Dokumentation

In einem Vorgespräch mit den Bewertern, quasi einem Korrektiv zur Selbsteinschätzung, werden dann die Bereiche festgelegt, die bewertet werden sollen. Es werden nur die Bereiche bewertet, die die Person angegeben hat, zu beherrschen.

Bewertung

In der eigentlichen Bewertung hat der Teilnehmer dann im Beruf Maler und Lackierer zweimal acht Stunden Zeit, seine Kenntnisse im Rahmen der gestellten Aufgabe anzuwenden.  Zwei geschulte Berufsexperten/Bewerter bewerten mit selbst erstellten Beobachtungsbögen, ob pro Tätigkeitsbereich mindestens ausreichenden Kompetenzen vorliegen.

Zertifikat

Das Zertifikat bescheinigt diese Kenntnisse. In der Anschlussberatung werden Wege aufgezeigt, wie man die Lücken, d.h. Bereiche, in denen noch keine ausreichenden Kompetenzen vorliegen, füllen kann. Kandidaten können die Bewertung dann ein zweites Mal durchlaufen, um die fehlenden Bereiche bewerten zu lassen.