Bilanzierten das Ausbildungsjahr 2017 (v. l.): Michael Handel, Teamleiter Berufsberatung, Agentur für Arbeit Nürnberg, Joachim Ossmann, neuer Vorsitzender der Geschäftsführung der Nürnberger Agentur für Arbeit, Thomas Pirner, Präsident der Handwerkskammer für Mittelfranken, Markus Lötzsch, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken, Stefan Kastner, Leiter IHK-Fachbereich Berufsausbildung, IHK Nürnberg für Mittelfranken, Florian Schromm, Leiter des Handwerkskammer-Referats Berufsbildungsmaßnahmen (Förderprojekte), und Thomas Oetter, Bereichsleiter Berufsberatung, Agentur für Arbeit Nürnberg.
Handwerkskammer für Mittelfranken
Bilanzierten das Ausbildungsjahr 2017 (v. l.): Michael Handel, Teamleiter Berufsberatung, Agentur für Arbeit Nürnberg, Joachim Ossmann, neuer Vorsitzender der Geschäftsführung der Nürnberger Agentur für Arbeit, Thomas Pirner, Präsident der Handwerkskammer für Mittelfranken, Markus Lötzsch, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken, Stefan Kastner, Leiter IHK-Fachbereich Berufsausbildung, IHK Nürnberg für Mittelfranken, Florian Schromm, Leiter des Handwerkskammer-Referats Berufsbildungsmaßnahmen (Förderprojekte), und Thomas Oetter, Bereichsleiter Berufsberatung, Agentur für Arbeit Nürnberg.

Im Fischbecken wird's leerer

Es gibt deutlich mehr Ausbildungsplätze als Bewerber – das ist das Fazit der Nürnberger Agentur für Arbeit (AA Nürnberg), der Handwerkskammer für Mittelfranken (HWK) und der Industrie- und Handelskammer Nürnberg für Mittelfranken (IHK) nach dem Ende des Ausbildungsjahres 2017. So konnte Joachim Ossmann, neuer Vorsitzender der Geschäftsführung der AA, von 4.941 Ende September gemeldeten Bewerbern für 6.115 Berufsausbildungsstellen berichten. Das Handwerk hatte 3.428 Ausbildungsverträge in Mittelfranken registriert. Das sind zwar 0,72 Prozent weniger als im Vorjahr, aber Handwerkskammer-Präsident Thomas Pirner winkt ab: „Es ist nicht so dramatisch, wie es sich anhört. Wir hatten 2016 super Zahlen und gehen davon aus, dass manche Betriebe nur jedes zweite Jahr einen neuen Auszubildenden einstellen, das wäre auch ein Grund für die Schwankung.“

Lob an die Betriebe

Auch Ossmann betont die nach wie vor hohe Ausbildungsbereitschaft in den Betrieben und lobt, dass mittlerweile viele Unternehmer auch bereit seien, schwächeren Jugendlichen eine Chance zu geben. Damit trotz Lese- oder Rechenschwächen beziehungsweise sozialer Defizite die Ausbildung gelingen kann, stellen sowohl die beiden Kammern als auch die Arbeitsagentur ein buntes Potpourri an Förder- und Unterstützungsmaßnahmen bereit. Allein im Handwerk begleiten zahlreiche Mitarbeiter der Ausbildungsabteilung der Kammer Betriebe und Lehrlinge, um mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Joachim Ossmann wiederum verweist unter anderem auf die AsA, die Assistierte Ausbildung, oder abH, die Ausbildungsbegleitenden Hilfen. Auch BvB, Berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen, werden gerne angenommen. Sie unterstützen auch Geflüchtete, die ihre Sprachkenntnisse verbessern möchten, um schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden zu können. Denn, was für die jungen Menschen eine tolle Ausgangssituation ist – sie können sich ihre Berufe und Betriebe aussuchen – stellt die Unternehmer vor ein schwieriges Problem: Die Wirtschaft boomt, Fachkräfte werden händeringend gesucht, doch der Nachwuchs fehlt.

Ab in die Ausbildung

„Wir brauchen die jungen Leute in der dualen Ausbildung. Das Fischbecken, in dem wir alle fischen, wird leerer“, appellieren daher auch Thomas Pirner und Markus Lötzsch, Hauptgeschäftsführer der IHK an die Politik. Denn eine Lösung könnte die Ausbildung von Geflüchteten sein. Sie würden Steuern zahlen anstatt Sozialhilfe zu kosten und den Pool potentieller Lehrlinge wieder ein wenig füllen. Doch die Betriebe vermissen die nötige Rechtssicherheit, damit sie Menschen aus unsicheren Herkunftsstaaten wie Syrien oder dem Irak ausbilden können. Allein im Handwerk wären laut dem Handwerkskammer-Präsidenten rund 300 Unternehmer bereit dazu – zusätzlich zu den 174, die es bereits tun. Doch die bürokratischen Hürden, die verschiedenen Verantwortlichkeiten der Ämter und das drohende Damoklesschwert der Abschiebung halten sie ab. „Hier ist eine politische Lösung gefragt“, mahnen Pirner, Ossmann und Lötzsch. Gleichzeitig aber wenden sie sich auch an die noch unversorgten Schulabgänger diesen Jahres: „Bewerben Sie sich auch jetzt noch. Der Zug ist noch nicht abgefahren. Wir kommen jetzt ins sogenannte fünfte Quartal, denn viele Betriebe stellen noch bis Neujahr ein. Auch für die Berufsschulen ist das kein Problem.“