Ich kann was

ValiKom Transfer bewertet Fähigkeiten von ungelernten Arbeitskräften

In Deutschland braucht es für alles ein Dokument. Stimmt. Vor allem im Berufsleben. Daher haben es Menschen, die keinen Abschluss haben, oft sehr schwer auf dem Arbeitsmarkt. Dabei können sie ja was. Haben teilweise schon viele Jahre in ihrem Beruf gearbeitet. Ihnen möchte Nina Kielmann helfen. Zwar kann auch sie keinen Abschluss aus dem Hut zaubern, aber sie kann dafür sorgen, dass die Fähigkeiten sichtbar werden, die diese Menschen mitbringen. Über die Bewertung des Projektes ValiKom Transfer.

Virginia Farao (l.) hat am Projekt ValiKom Transfer teilgenommen und ihre Fähigkeiten als Friseurin zertifizieren lassen.
Handwerkskammer für Mittelfranken
Virginia Farao (l.) hat am Projekt ValiKom Transfer teilgenommen und ihre Fähigkeiten als Friseurin zertifizieren lassen.
Wie funktioniert das?

„Die Gründe, warum jemand keinen Berufsabschluss hat, sind vielfältig“, weiß Nina Kielmann. Neben der häufigsten Ursache, dass die Ausbildung in einem anderen Land stattfand, dessen Abschluss hier nicht anerkannt ist, spielen auch individuelle Gründe eine Rolle. „Ein Bäckergeselle mit Mehlstauballergie arbeitete als Fliesenleger“, berichtet sie. Oder: „Ich habe einen Maler und Lackierer betreut, der nach der bestandenen Praktischen aufgrund von Prüfungsangst dreimal durch die theoretische Prüfung gefallen war.“ Wer älter als 25 Jahre ist und einschlägige Berufserfahrung hat, kann zu ihr kommen. Nach einem kurzen Informationsgespräch muss man einen Selbsteinschätzungsbogen ausfüllen. Dieser orientiert sich am Ausbildungsrahmenplan des jeweiligen Berufes. In einem Vorgespräch mit einem Experten wird dann die Selbsteinschätzung überprüft und im Rahmen eines Praxisteils bewertet. Im Anschluss bekommt man ein Zertifikat, auf dem genau steht, was man kann – aber auch, wo es noch Nachholbedarf gibt. Grundlage für diese Bewertung ist die Gesellenprüfungsordnung. „Dieses Dokument nützt allen Beteiligten: Der Teilnehmer hat endlich schwarz auf weiß: Du hast zwar keinen Abschluss, aber du kannst was! Und der Arbeitgeber tut sich leichter, ihn richtig einzusetzen bzw. ihn gezielt zu fördern“, beschreibt Nina Kielmann die Vorteile des Verfahrens.

Überraschende Ergebnisse

In Mittelfranken ist das Projekt erst in diesem Jahr angelaufen. Kürzlich fand die erste Friseurbewertung statt. Die beiden Meisterinnen Birgit Endres und Sabine Christl blickten den Teilnehmern genau auf die Finger. „Teilweise waren wir sehr begeistert, teilweise ein bisschen enttäuscht“, fassen sie die Ergebnisse zusammen. Auch Virginia Farao hatte an der Bewertung teilgenommen. Die 38-Jährige hatte in Italien ihre Ausbildung zur Friseurin absolviert, arbeitete nach ihrer Rückkehr nach Deutschland erst in der Familien-Eisdiele mit. Seit fünf Jahren ist sie als Angestellte in einem Salon tätig. Nachdem die Chefin ihren Ruhestand ankündigte, möchte Virginia Farao das Geschäft übernehmen. Dafür braucht sie nicht nur einen Meisterbrief. Auch ihr italienischer Berufsabschluss wird hier nicht anerkannt. Also wendete sie sich an Nina Kielmann. Selbstbewusst legte sie los, schließlich war die Bewertung ein ganz normaler Arbeitstag für sie. Doch in einigen Punkten sahen die Expertinnen Endres und Christl Nachholbedarf. „Das war natürlich schon erst mal ein Schlag“, gibt Farao zu. „Ich finde, dass die Kriterien nicht der Realität entsprechen. Oder fahren sie zehn Jahre nach ihrer Führerscheinprüfung noch wie in der Fahrschule?“ Es gab aber auch ermutigende Worte: „Machen Sie auf jeden Fall weiter. Sie haben das Potential“, rieten ihr die beiden. Daher nimmt sie es sportlich: „Ich lasse mich davon nicht entmutigen, sondern werde jetzt gezielt die nötigen Schwerpunkte vertiefen. Nächstes Jahr mache ich dann die externe Gesellenprüfung und danach folgt der Meister.“



Nina Kielmann

Tel. 0911 5309-275
Fax 0911 5309-257
valikom--at--hwk-mittelfranken.de