Geschichtsabriss

Am 24. Juni 1897 verabschiedet der Deutsche Reichstag mit einer Mehrheit von 183 zu 113 Stimmen die Novellierung der Reichsgewerbeordnung. In § 103 wird festgelegt: "Zur Vertretung der Interessen ihres Bezirkes sind Handwerkskammern einzurichten". Am 1. April 1900 entstanden im Deutschen Reich insgesamt 71 Kammern.

"Das Handwerk atmet endlich wieder auf. Ein kräftiges Selbstbewusstsein will sich wieder entfalten in seinen Reihen; der Korpsgeist regt leise seine Schwingen; es zeigt sich allenthalben Opferbereitschaft, fester Wille, klare Einsicht. Die Saat ist in ein gutes Erdreich gefallen." Nahezu jubilierend feiert die Handwerkskammer für Mittelfranken im Geschäftsbericht des Jahres 1901 ihre Gründung. Ihr waren im 19. Jahrhundert schlimme Zeiten für das Handwerk vorangegangen. Musste es sich doch im Zuge der Liberalisierung der gewerberechtlichen Bestimmungen und der einsetzenden Industrialisierung heftig zur Wehr setzen. Am Ende des 19. Jahrhundert hat die handwerkliche Gegenbewegung endlich Erfolg.



Gründungszeiten

Am 11. Dezember 1899 erlässt das bayerische Innenministerium ein Statut für die Handwerkskammer in Nürnberg. Am 1. April 1900 tritt sie unter dem Vorsitz des Obermeisters der Bäcker-Innung Nürnberg Georg Hamel erstmals zusammen.
Nach § 103 des "Gesetz(es) betreffend die Abänderung der Gewerbeordnung" zählen zu den Kernaufgaben der Handwerkskammer: 

  • die nähere Regelung des Lehrlingswesens;
  • die Überwachung der Durchführung der für das Lehrlingswesen geltenden Vorschriften;
  • die Unterstützung der Staats- und Gemeindebehörden in der Förderung des Handwerks durch tatsächliche Mitteilungen und Erstattung von Gutachten über Fragen, welche die Verhältnisse des Handwerks berühren;
  • die Formulierung von Wünschen und Anträgen, welche die Verhältnisse des Handwerks berühren
  • die Bildung von Gesellenprüfungsausschüssen,
  • die Bildung eines Entscheidungsgremiums zu Widersprüchen im Prüfungswesen.
Zudem erhält die Kammer die Ermächtigung, "Veranstaltungen zur Förderung der gewerblichen, technischen und sittlichen Ausbildung der Meister, Gesellen und Lehrlinge ... zu treffen sowie Fachschulen zu errichten, zu leiten und zu unterstützen."


Zerstörung und Neubeginn

Nach provisorischer Unterbringung in mehreren Gebäuden in der Altstadt wird im Jahre 1909 die Geschäftsstelle in der alten Hauptwache am Rathausplatz 1 bezogen. Im Jahre 1926 erfolgt der Umzug in die ehemalige Nistersche Villa an der Sulzbacher Straße 11. Im Zweiten Weltkrieg wird sie durch Bomben zerstört. An gleicher Stelle erfolgt im Jahre 1952 ein repräsentativer Neubau, der bis heute Hauptsitz der Handwerkskammer für Mittelfranken ist.

Handwerkspolitisch von großer Bedeutung ist die Einführung des sogenannten "Kleinen Befähigungsnachweises" im Jahre 1908, der nur Handwerksmeistern die Lehrlingsausbildung gestattet. 1935 wird der sogenannte "Große Befähigungsnachweis" eingeführt, der das Recht der selbständigen Führung eines Handwerksbetriebs an die Meisterprüfung koppelt. Ein weiterer Meilenstein in der Ausgestaltung des Handwerksrechts ist die Einführung der Handwerksrolle 1929/30. Wie die Innungen wird auch die Handwerkskammer 1933 gleichgeschaltet und 1943 mit der IHK zur "Gauwirtschaftskammer" vereinigt. Doch bereits im Mai 1945 nimmt die Handwerkskammer für Mittelfranken ihre praktische Arbeit wieder auf. Nach Neufassung des Handwerksrechts 1953 tritt die Kammer am 21. Juni 1954 erstmals wieder zusammen.