Christoph Endres begrüßte die internationalen Gäste ist seiner Werkstatt.
Christoph Endres (2. von links) begrüßte die internationalen Gäste ist seiner Werkstatt.

Exportschlager Musikinstrumente

Einkäufer und Multiplikatoren aus vier Ländern, aus Polen, Tschechien, Österreich und der Schweiz nahmen im November an der Informationsreise von Bayern Handwerk International (BHI) teil.

Im Rahmen dieser einwöchigen Einkäuferreise machten sie Station bei zwei Nürnberger Instrumentenbauern: Christoph Endres und Norbert Neubauer. Zwei hochspezialisierte Handwerksbetriebe, ein jeder mit seiner ganz eigenen Verkaufsphilosophie und zwei typische Nischenbesetzer.

Keine Angst vor großen Tieren

Die Verkaufsstrategie von Metallblasinstrumentenmacher Christoph Endres ist einfach und überzeugend: „Ich habe jedes Instrument genau einmal vorrätig, damit der Kunde es ausprobieren kann. Und dann wird es passend zu den Wünschen und Anforderungen des Kunden neu gebaut.“ Seine Kunden schätzen diesen Service, was sich auch am Kundenstamm ablesen lässt. Künstler aus Jazz und Klassik besuchen seine Werkstatt, wenn sie in Deutschland gastieren. „Für das Glenn-Miller-Orchestra habe ich eine Bassposaune gebaut“, erzählt Endres ganz unprätentiös „ und wir haben einen regen Austausch nach Tschechien, wo wir zum Beispiel auch das Prager Opernhaus beliefern.“ Ansonsten kommen die Kunden aus Holland, Österreich und Frankreich. Angst vor der ausländischen Konkurrenz hat er nicht: „Wir besetzen Nischen, die sich für die großen Anbieter nicht rentieren“, und nennt sein von ihm entwickeltes C-Cornett als Beispiel. 50 Instrumente baut Endres im Jahr, der seinen Lehrling Stefan Mohr nach der Ausbildung übernommen hat und ihn jetzt bei seinen Meisterambitionen unterstützt. Mehr braucht’s nicht, denn „die Grundqualität zu halten ist die eigentliche Kunst am Handwerk“, lautet sein Credo.

Fachsimpeln in der Werkstatt von Christoph Endres.
Fachsimpeln in der Werkstatt von Christoph Endres.

Während er und Stefan Mohr sich um das Kerngeschäft kümmern, ist Monika Endres als ausgebildete Wirtschaftsfachwirtin für Buchhaltung und Kalkulation zuständig, was der Meister sehr zu schätzen weiß: "Die meisten Handwerker in Deutschland scheitern an Buchhaltung und Kalkulation, da ist es von Vorteil, wenn man eine Frau vom Fach im Hause hat.“


Historische Grundlage weiterentwickelt

„Die Maschinen, die Sie hier sehen“, erklärt Norbert Neubauer seinen Gästen gleich zu Anfang ihres Besuches in seiner Werkstatt, „ setze ich für den Bau von Werkzeugen ein und nicht für den Instrumentenbau.“ Im Gegenteil, bei ihm sei alles hochwertige Handarbeit. Seit zwölf Jahren betreibt er seine Werkstatt nun in der Nürnberger Nordstadt mit der Spezialisierung: Trompeten nach historischen Vorlagen, wie man sie beispielsweise in der Musikinstrumentensammlung des Germanischen Nationalmuseums bestaunen kann, die den modernen Spielanforderungen angepasst sind. „Im 17. und 18. Jahrhundert waren in Nürnberg berühmte Trompetenmacher angesiedelt. Um 1650 waren es stattliche 15 Betriebe“, weiß der Fachmann „und deren Instrumente bilden den Ausgangspunkt für meinen Instrumentenbau.“

In der Werkstatt von Norbert Neubauer.
In der Werkstatt von Norbert Neubauer (2. von rechts). Er hat sich auf die Weiterentwicklung historischer Blechblasinstrumente spezialisiert.

Zur Demonstration zeigt Neubauer Nachbauten von Trompeten aus der Werkstatt des Johann Leonhard Ehe und des Johann Wilhelm Haas. Historisch korrekt fertigt er deshalb die Rohre noch aus Blechstreifen, die zusammengelötet werden. Schallbecher werden bei Neubauer auch nicht wie heutzutage üblich gedrückt, sondern immer noch per Hand gehämmert: „Das erzeugt eine andere Struktur und gibt dem Instrument auch eine andere Spieleigenschaft.“ Damit die Neubauer-Trompeten verschiedene Grundtöne erzeugen und somit auch für die Aufführung klassischer Werke möglichst flexibel genutzt werden können, hat der Instrumentenbauer verschiedene Stimmbögen entwickelt, die nach Bedarf ausgetauscht werden können. „Meine Instrumente sind in den oberen Registern leichtgängig und sehr zuverlässig. D1 und G1 sitzen super bei mir“, schildert er die Vorteile eines Neubauer-Instrumentes. Auch er legt großen Wert auf die exklusive Betreuung seiner Kunden: „Ich nehme mir einen ganzen Tag Zeit für meinen Kunden." Er bereitet drei Instrumente vor, die der Kunde ausprobieren kann und die nach Wunsch gecustomized werden. „Am Ende des Tages geht mein Kunde mit dem fertigen Instrument nach Hause“, lautet die Geschäftsphilosophie von Norbert Neubauer, der neben den Nürnberger Trompeten auch noch moderne Instrumente wie zum Beispiel eine Es-Trompete mit einem auswechselbaren Mundstück entwickelt hat. „Es steckt ja schon in meinem Namen“, sagt er zum Abschied von seinen Gästen, „ich bin eben ein neu Bauer.“

 

Die Reise wurde In enger Kooperation mit den Auslandshandelskammern der vier Länder, der Innung für Musikinstrumentenbau Nordbayern, der Streich- und Zupfinstrumentenmacher- Innung Erlangen und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks organisiert. Sie ist Teil des BMWi-Markterschließungsprogramms für KMU.

Ausstellung regionaler Musikinstrumentenhersteller
Eine Ausstellung regionaler Musikinstrumentenhersteller und ein Nachmittag mit Fachvorträgen rundeten das Programm in Nürnberg ab.