Rüster, das Holz der Ulme, verarbeitete Christopher Behlert zu einem Esstisch mit Funktionen.
Handwerkskammer für Mittelfranken
Rüster, das Holz der Ulme, verarbeitete Christopher Behlert zu einem Esstisch mit Funktionen. Sollte der Platz für seine Gäste nicht reichen, kann er den Tisch mit einer gut durchdachten, integrierten Platte um zwei Plätze erweitern.

Ein Meister braucht viele Fähigkeiten

Der Teilzeit-Meisterkurs der Schreiner stellte sich der Prüfung. Diashow.

Die Meisterprüfung ist ein Ausnahmezustand: Monatelang neben der Areit Kurse besuchen, die Schulbank drücken, Hausaufgaben machen. Da dachte man doch eigentlich, dass man das hinter sich hat. Aber immer wieder stellen sich engagierte Handwerker dieser Herausforderung. Um ihren Meister zu machen und damit die höchsten Weihen im Handwerk zu erreichen. Um zu zeigen, dass sie es draufhaben und um die Berechtigung zu erhalten, einen eigenen Betrieb zu eröffnen und/oder auszubilden.

Wie rede ich mit dem Kunden

Wie die zehn Schreiner, die kürzlich den kritischen Augen ihrer Prüfer ihre Meisterwerke präsentierten. Der Prüfungsausschuss achtete dabei nicht nur auf handwerkliche Präzision, sondern auch auf Kommunikationsfähigkeit: Die Anwärter mussten zwei Kundengespräche führen, die jeweils 30 Minuten dauerten. Im ersten erklärten sie dem „Kunden“ ihren Entwurf einer Raumplanung mit einem herausragenden Möbelstück. Im zweiten wurde die Übergabe des Möbelstücks an den Kunden nachgestellt. Dazu gehörte die Erklärung aller Funktionen, aber auch Pflegehinweise und das Service-Angebot, wenn etwas kaputt gehen sollte. Schließlich liegt der kalkulierte Preis dieser Meisterstücke meiste bei rund 10.000 Euro. „Ein Einzelmöbel mit 18 Arbeitstage für Planung und Fertigung in hoher Qualität  sowie ausgewählte  Materialien rechtfertigen diesen Preis“, verrät Markus Brehm, Dozent bei der Handwerkskammer für Mittelfranken. Er hat seine Schüler monatelang auf ihre Prüfung vorbereitet und fieberte mit ihnen mit.

Gefürchtetes Fachgespräch

Die Prüfer fühlten seinen Schreinern derweil ordentlich auf den Zahn: „Was würden Sie beim nächsten Mal anders machen?“ war beispielsweise eine gefürchtete Frage. „Diese Frage zielt darauf ab, dass ein angehender Meister in der Lage sein muss, seine Arbeit kritisch zu hinterfragen. Schließlich lernt man aus der Erfahrung“, erklärt Markus Brehm. Aber auch fachliche Zusammenhänge wurden abgefragt: So hat z. B. Christopher Behlert an der Tischplatte seines Esstisches ganz bewußt ein besonderes Kantenprofil gewählt. Warum? Dieses Profil lässt die 2,5 cm starke Platte deutlich zierlicher wirken. Alexander Riedel wiederum hat an seinem Sideboard aus heller Eiche Wert daraufgelegt, dass die Grifflösung aus dunklem Linoleum in das gleichfarbige Fußgestell aus Metall übergeht. Warum? Weil es ihm wichtig war, dass bei seinem Sideboard Korpus und Fussgestell eine Einheit bilden. Markus Brehm: „Das hat gut geklappt. Dieses Detail lässt das Möbel stimmig wirken.“

Überhaupt kann er mit seinen Schülern zufrieden sein. Und das Handwerk kann sich über meisterliche Verstärkung freuen. Und wer weiß? Vielleicht bilden die frischgebackenen Schreinermeister schon bald die nächste Generation aus, die dann wiederum bei Markus Brehm antritt. Um ihren Meister zu machen.

 

Die nächsten Meisterlehrgänge Teil I und II für Schreiner beginnen bei der Handwerkskammer für Mittelfranken bereits im November 2020.

Weitere Infos unter hwk-meisterschule.de