Handwerkskammer-Geschäftsführer Wolfgang Uhl (links) besuchte zwei Bundessiegerinnen des Leistungswettbewerbs in ihren Betrieben. Hier bei Bogenbau Dörfler und Preisträgerin Laura Reutter.
Handwerkskammer für Mittelfranken
Handwerkskammer-Geschäftsführer Wolfgang Uhl (links) besuchte zwei Bundessiegerinnen des Leistungswettbewerbs in ihren Betrieben. Hier bei Bogenbau Dörfler und Preisträgerin Laura Reutter.

Die Werkstätten der Allerbesten

Sie sind als frisch gebackene Gesellen die Besten ihres Fachs: Jasmin Sauer und Laura Reutter. Die beiden jungen Handwerkerinnen aus Mittelfranken haben den Leistungswettbewerb des deutschen Handwerks 2018 auf Bundesebene gewonnen.

Gefeiert wurden die beiden jungen Damen bereits Anfang des Jahres gemeinsam mit den anderen mittelfränkischen Kammersiegern. Doch zu einer erfolgreichen Ausbildung gehört nicht nur der Einsatz des Auszubildenden selbst, sondern auch ein entsprechend engagierter Betrieb. Um das besonders zu würdigen, bekamen die Metallbauerin (Fachrichtung Gestaltung) und die Bogenmacherin in ihren Werkstätten nun Besuch von Wolfgang Uhl, Geschäftsführer der Handwerkskammer für Mittelfranken. Der wollte ganz genau wissen, in welchen Talentschmieden die jungen Damen arbeiten.

Der Wettbewerb findet jedes Jahr auf Kammer-, Landes- und Bundesebene statt, die besten Gesellen jedes Gewerkes treten gegeneinander an. Wer gewinnt, darf dann an den Euro- oder WorldSkills teilnehmen, so heißen die Europa- oder Weltmeisterschaften der Berufe. 

 Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks

Besuch bei Laura Reutter in der Werkstatt von Bogenbau Dörfler.
Handwerkskammer-Geschäftsführer Wolfgang Uhl besuchte die Bundessiegerin Laura Reutter, die ihn in der Werkstatt von Bogenbau Dörfler gemeinsam mit Geschäftsführer Andreas Dörfler und Ausbilder Günther Spätling empfing (v. l.).

Besuch bei Laura Reutter

In Bubenreuth bekam Wolfgang Uhl Einblick in die Bogenmacherwerkstatt der Familie Dörfler. Andreas und Roland Dörfler leiten den Betrieb bereits in der vierten Generation, mit dabei sind aber auch Betriebswirtin Tanja Dörfler und die Seniorchefs Wolfgang und Günter Dörfler. Der Familienbetrieb verschickt seine handgearbeiteten Bogen für Streichinstrumente in alle Welt und hat 25 Mitarbeiter.

Ein bisschen fühlt man sich hier wie in vergangene Zeiten versetzt: Räume mit Holzregalen, in deren Fächern unzählige Kästen lagern. Darauf steht zum Beispiel „Viola“, auf einer anderen „Cello“ oder „Violine“. Es gibt französische und deutsche Bassbogen und sogar Bogen für historische Instrumente. Die Vielfalt ist groß. Und all diese Instrumentenbögen werden sich bald auf den Weg zu Händlern in der ganzen Welt machen.

Gearbeitet wird an einzelnen Werkbänken in genauester Handarbeit. In vielen kleinen Arbeitsschritten entsteht aus rohem Fernambukholz ein fertiger Bogen mit Kopf, Frosch und Haarbezug. Laura Reutter bearbeitet momentan einen Bogen für eine Gambe. Ihr Ausbildungsmeister Günther Spätling ist auch in der Werkstatt und steht ihr mit Rat und Tat zur Seite.

Wolfgang Uhl bewundert derweil den selbstgebauten Hobel, mit dem die Handwerkerin gearbeitet hat. „Hobel herzustellen gehört auch zur Ausbildung“, sagt Günther Spätling. Schließlich müssen die Maße genau passen.

Und welche Fähigkeiten braucht ein Bogenmacher sonst noch? „Ein gutes Augenmaß und handwerkliches Geschick“, sagt Laura Reutter. Außerdem hat sie einen Vorteil: Sie spielt selbst leidenschaftlich gerne Geige. „Das hilft, um ein Verständnis fürs Handwerk zu entwickeln“, findet die Gesellin. Sie übt ihren Beruf sichtlich gerne aus. Kein Wunder also, dass sie bald ihren Meister machen möchte. „Irgendjemand muss ja auch die Nachfolge antreten“, sagt sie und lacht.

In der Metallbauwerkstatt von Thomas Hürner arbeitet Bundessiegerin Jasmin Sauer.
In der Metallbauwerkstatt von Thomas Hürner arbeitet Bundessiegerin Jasmin Sauer. Die beiden zeigten Wolfgang Uhl (v. l.) einen außergewöhnlichen Metallzaun.

Zu Gast bei Jasmin Sauer

Im Metallbaubetrieb von Thomas Hürner in Cadolzburg hat Jasmin Sauer ihre Berufung gefunden: Der Meister und seine ehemalige Auszubildende empfangen den Gast aus der Handwerkskammer in der geräumigen Werkstatthalle, wo normalerweise noch fünf weitere Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz haben. An diesem Tag ist allerdings kein klingendes Metall zu hören. Es ist ruhig, die Esse kalt – genau wie die ganze Halle. „Die anderen sind alle auf Montage“, sagt Hürner. Darum hat er Zeit, ein bisschen von seiner täglichen Arbeit zu erzählen. Die er ganz offensichtlich leidenschaftlich gerne macht. Genau wie seine Gesellin. 

„Wie kommt man als Frau zum Metallbau?“ will Wolfgang Uhl wissen. Der Einfall sei wie aus dem Nichts gekommen – sozusagen als Geistesblitz, erzählt Jasmin Sauer. Sie verfolgte die Idee weiter, bewarb sich und stürzte sich in die Arbeit. Was gefällt ihr am besten an ihrem Beruf? „Er ist immer anders, sehr abwechslungsreich“, erzählt sie. Vom Tastmodell der Cadolzburg für Blinde über ein Kunstwerk aus gebogenen Rohren bis zur Restaurierung einer goldenen Turmkugel reichen die Arbeiten, an denen sie während ihrer Lehrzeit gearbeitet hat. 

Mit ihrem kreativen Chef liegt sie voll auf einer Wellenlänge, das war schnell klar. „Sie ist nur so zierlich, hat gar nicht die klassische Statur eines Metallbauers“, erinnert sich Hürner an anfängliche Zweifel. Doch die räumte Jasmin Sauer mit ihren guten Ideen schnell aus.

Der Metallbauerbetrieb ist auf gestalterische Elemente spezialisiert. In unerschöpflicher Vielfalt. Zurzeit entsteht hier eine riesige Skulptur in Form eines Golfspielers für einen Kreisverkehr in Hessen. Und auf der großen Werkbank liegen Teile für einen außergewöhnlichen Gartenzaun im Nachbarort. Daran arbeitet Sauer gerade. Sie zeichnet Pläne, kalkuliert sogar mit und ist so begeistert von ihrem Fach, dass sie jetzt nach der Ausbildung gleich mit dem Meister angefangen hat.

Mit Thomas Hürner hat Jasmin Sauer einen Ausbilder gefunden, der sein Wissen gerne teilt und stolz ist auf das, was seine Gesellin als Bundessiegerin erreicht hat. Deswegen hat er ihr ein ganz besonderes kreatives Geschenk gemacht: ein dickes Fotobuch – als Erinnerung an ihre Lehrzeit