Josef Hasler, Vorstandsvorsitzender der N-ERGIE Aktiengesellschaft, Nürnberg
N-ERGIE Aktiengesellschaft
Josef Hasler, Vorstandsvorsitzender der N-ERGIE Aktiengesellschaft, Nürnberg

Dezentrale Energiewende - die Region gewinnt

Seit vielen Jahren vergibt die N-ERGIE den Wirtschaftsförderpreis. Mit diesem Preis ehrt der Nürnberger Energieversorger im Rahmen der Meisterfeier für das mittelfränkische Handwerk die zehn besten Jungmeister und drückt damit seine enge Verbundenheit mit dem Handwerk aus. Wir haben den Vorstandsvorsitzenden Josef Hasler zur aktuellen energiepolitischen Situation und deren Bedeutung für das Handwerk befragt.

DHZ: Herr Hasler, Sie äußern sich in der Öffentlichkeit immer wieder kritisch über die Energiewende. Wo liegen Ihre Kritikpunkte?

Josef Hasler: Damit keine Missverständnisse aufkommen: Die Energiewende ist richtig und wichtig. Wissenschaftler erklären uns immer eindringlicher, dass wir endlich ernsthafte Anstrengungen unternehmen müssen, die Klimaerwärmung zu beenden.

Meine Kritik – und hier bin ich in guter Gesellschaft, zum Beispiel mit dem Bundesrechnungshof – richtet sich gegen die Umsetzung der Energiewende: Diese ist nicht nur halbherzig und ohne klaren Kurs. Die Politik schiebt auch die Erreichung der Klimaschutzziele immer weiter in die Zukunft und lässt es zu, dass die CO2-Emissionen seit einer Dekade auf hohem Niveau stagnieren. Zwar wurden enorme personelle und finanzielle Mittel aufgebracht, die damit erzielte Wirkung fällt jedoch bescheiden aus.

DHZ: Wie könnte eine erfolgreiche Energiewende denn aussehen?

J. H.: Eine erfolgreiche Energiewende verengt den Blick nicht auf den Stromsektor, wie es die derzeitige Politik tut, sondern setzt ganzheitlich an. Das heißt, sie berücksichtigt neben der Energieerzeugung auch den Wärme- und Verkehrssektor und vernetzt diese miteinander. Ein weiterer Aspekt, der ebenfalls kaum beachtet wird, bezieht sich auf die Tatsache, dass bereits heute, künftig aber sogar noch verstärkt, die Energiewende dezentral, also vor Ort und in der Region stattfindet. Denken Sie nur an rund 1,8 Mio. PV-, Windkraft- und Biomasseanlagen, von denen weit über 90 Prozent in die Verteilnetze der Stadtwerke und Regionalversorger einspeisen. Oder an die Batteriespeicher, an die Ladepunkte für Elektromobilität oder an Wärmelösungen. Diese gelebte Dezentralität zentralistisch regeln zu wollen, ist nicht zielführend. Eine dezentral geregelte Energiewende dagegen schafft Wertschöpfung in der Region, von der nicht zuletzt das Handwerk durch Aufträge gewinnt.

DHZ: An welche Bereiche denken Sie dabei?

J. H.: Ich denke dabei beispielsweise an den Gebäudesektor, bei dem bisher viel zu wenig geschehen ist und ein riesiger Nachholbedarf besteht – von der einfachen Heizungserneuerung bis zur energieeffizienten Komplettsanierung. Im Mobilitätssektor wird die Verbreitung der Elektrofahrzeuge eine verstärkte Nachfrage nach Lademöglichkeiten im privaten Heim schaffen. Speicher werden eine immer wichtigere Rolle spielen und bilden ein ebenso großes Geschäftspotenzial für das installierende Handwerk wie die noch zu erwartenden technischen Neuentwicklungen – denken Sie nur an das große Themenfeld Digitalisierung. Die Chancen für die Handwerksbetriebe sind groß. 

DHZ: Was bedeutet die dezentrale Energiewende für die Entwicklung der Strompreise?

J. H.: Die Strompreise in Deutschland zählen zu den höchsten in Europa und belasten vor allem Privathaushalte und den Mittelstand. Dies liegt an der ständig steigenden Anzahl gesetzlicher Abgaben und Umlagen, die inzwischen mehr als die Hälfte des Strompreises ausmachen. Deshalb muss bei der Gestaltung einer erfolgreichen Energiewende das Thema Wirtschaftlichkeit viel stärker als bisher berücksichtigt werden.

So haben beispielsweise renommierte Forschungsinstitute längst kostengünstigere Alternativen zu den umstrittenen HGÜ-Trassen entwickelt. Zudem bremst das heutige System aus Abgaben und Steuern die Sektorenkopplung. Der Staat setzt dann Milliarden an Fördermitteln ein, um diese unsachgemäße Besteuerung der Energieträger zu kompensieren. Kurz: Von einer besser durchdachten Energiepolitik würden Privatkunden und das Handwerk durch niedrigere Energiekosten profitieren.