Viele Weggefährten kamen zum Abschied von Hans Wittmann
Handwerkskammer für Mittelfranken
Viele Weggefährten kamen zum Abschied von Hans Wittmann (v.l.): Prof. Dr. Elmar Forster, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Mittelfranken, Ansbachs Oberbürgermeister Thomas Deffner, Max Resch, Mitglied des Berufsbildungsausschusses des Landesinnungsverbands des Bayeri-schen Zimmererhandwerks, Wolfgang Weigl, Mitglied des Berufsbildungsausschusses der Bau-Innung München, Hans Wittmann, Zimmererausbildungsmeister und BTZ-Leiter in Ansbach, Kurt Held, Kreishandwerksmeister Westmittelfranken, Hermann Lauchs, Obermeister der Zimmerer-Innung Ansbach-Westmittelfranken, Martin Paul Gorchs, unter anderem zuständig für Aus- und Weiterbildung beim Landesinnungsverbands des Bayerischen Zimmererhandwerks (v. l.).

"Beim Wittmann lernen's was Gscheits"

Zimmerer-Ausbildungsmeister und BTZ-Leiter in Ansbach Hans Wittmann geht in den (Un-)Ruhestand

Gelassen, respektvoll, kompetent, wertschätzend, höflich, engagiert – das sind die Attribute, die Hans Wittmann bei seiner Verabschiedung von langjährigen Weggefährten attestiert werden. Seit 40 Jahren bestimmt er die Geschicke der Zimmererlehrlinge und -meister im Bildungs- und Technologiezentren Ansbach. Ab 1981 erst als Ausbilder und seit 2008 als Leiter der Bildungsstätte. Jetzt geht der Zimmerermeister in Rente. Er verlässt sein Reich mit sechs Bauhallen, drei Zimmererwerkstätten, die für die Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung (ÜLU) genutzt werden, einen EDV-Raum, fünf Unterrichtsräume und eine Kantine. Als Hans Wittmann in Ansbach als 24-Jähriger loslegte, gab es…? „Gar nichts. Wir hatten keine Maschinen oder Werkzeug,“ erzählt der Ausbildungsmeister heute.

"Nicht mal eine ÜLU“

 „Sie hatten nicht mal eine ÜLU“, erinnerte ihn Ansbachs Kreishandwerksmeister Kurt Held bei der Verabschiedung, zu der viele alte Wegbegleiter, Freunde und Kollegen gekommen waren. Hans Wittmann holte die ÜLU nach Ansbach und erarbeitete mit Kollegen aus dem Berufsbildungsausschuss des Landesverbandes die entsprechenden Lehrgänge, die dann auch bayernweit nach und nach eingeführt wurden.

Basis ist wichtig

Eine Leistung, auf die er heute noch stolz ist: „Es ist wichtig, dass Lehrlinge ihre Grundlagen beherrschen: Was ist Holz, wie gehe ich damit um, wie benutze ich die alten Handwerkzeuge? Wenn ich die Basis beherrsche, kann ich auch mit den Maschinen umgehen.“ Immer auf dem neuesten Stand zu sein, war ihm bei aller Grundlagenvermittlung aber genauso wichtig. Und dafür hat er auch Veränderungen vorgenommen. 25 Jahre betreute er die Zimmerer bei Berufswettbewerben, erstellte bis auf Bundesebene die entsprechenden Aufgaben. Als sich bei den ersten europäischen Wettbewerben abzeichnete, dass man mit der bisherigen Methode des Schiftens nicht weiterkäme, führte er das Schiften nach der Flächenmethode ein – und schrieb mit Kollegen auch gleich noch zwei Fachbücher und zahlreiche Artikel in Fachzeitschriften dazu. Auch als im Landesverband im Gespräch war, die Maschinenkurse zu kürzen, wurde er aktiv. Er schrieb kurzerhand einen neuen Lehrplan – der allerdings drei Wochen vorsah, statt der geplanten einzelnen Woche – fuhr in die Sitzung, stellte ihn vor, überzeugte und sorgte so dafür, dass die Kurse nicht verkürzt, sondern sogar erweitert wurden.

Botschafter für das Handwerk

40 Jahre lang hat er mit viel Engagement das BTZ in Ansbach zu einem Kompetenzzentrum aufgebaut, in dem heute auch Champions für internationale Wettbewerbe ausgebildet werden. „Sie waren ein Botschafter für die Kammer und für Ihr Handwerk“, hob Prof. Dr. Elmar Forster, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Mittelfranken, bei der Verabschiedung seines Mitarbeiters denn auch hervor.

Immer mit Respekt und auf Augenhöhe sei Hans Wittmann mit Kollegen, Lehrlingen und Meisterschülern umgegangen. „Ich hoffe, Sie bleiben uns als Dozent in der Meisterschule des Bauhandwerks erhalten“, warb auch Kurt Held. „Sie können ja nicht das ganz Jahr in Urlaub fahren. Das wird bestimmt auch langweilig.“

Ehrenmitglied der Innung

Auch Hermann Lauchs, Obermeister der Zimmerer-Innung Ansbach-Westmittelfranken, konnte sich von seinem langjährigen Wegbegleiter nur schwer verabschieden: „Der Hans war öfter auf den Innungsversammlungen als der Obermeister“, erzählte er lachend und ernannte Hans Wittmann auch für seine in 40 Jahren erbrachte Ausbildungsleistung offiziell zum Ehrenmitglied der Innung. Eine Urkunde hatte er dabei. Genau wie das (Un-)Ruhestand-Überlebenspaket: Eine Sonnenbrille, Sonnencreme und eine Kühltasche für den Proviant.

Auch Thomas Deffner, Oberbürgermeister der Stadt Ansbach, würdigte noch einmal die Leistung des Verabschiedeten: „Für dich war das Zimmererhandwerk nicht nur Beruf, sondern eine Berufung“, sagte er. Zumindest in diesem Punkt konnte Hans Wittmann zustimmen: „Ich weiß gar nicht, von wem ihr da alle redet“, wehrte er erst einmal ab. „Ich habe einfach immer nur meine Arbeit gemacht. Aber wenn ich etwas mache, mache ich es richtig oder gar nicht. Ich wollte etwas bewegen, etwas mitgestalten.“

Haus und Scheune an der Reihe

Das hat Hans Wittmann auf jeden Fall erreicht. Die Fußstapfen, die er hinterlässt, werden riesig sein. Doch was macht man, wenn die Arbeit gleichzeitig auch die Berufung ist und die Rente ruft? „Jetzt richte ich erst mal mein Haus und meine Scheune her. Da ist in den letzten Jahren doch viel liegengeblieben. Und dann habe ich ja auch noch einen Wald, der gepflegt werden will“, erzählt er. Seine Frau Gisela freut sich schon darauf, ihn wieder mehr zuhause zu haben. „Ich möchte die Zeit genießen, vielleicht auch wieder mehr reisen“, sagt Hans Wittmann.

So ganz kann er vom Zimmern aber doch nicht lassen: „In der Meisterschule möchte ich die praktische Ausbildung weiter begleiten. Schiften hält fit – auch geistig“, überlegt er. Langweilig wird ihm sicher nicht. Da ist er sich sicher: „Wo eine Tür zugeht, geht eine andere auf. Da findet sich schon was“, versichert er lachend.