Archaisch und aktuell: Metallkunst von Georg Behninger im Kulturfoyer
Mit einem Kerzenständer fing alles an. Georg Behninger fertigte ihn als Gesellenstück an und wurde mit ihm Bundessieger der Kunstschmiede beim Praktischen Leistungswettbewerb. 32 Jahre später stellt er wieder in der Handwerkskammer für Mittelfranken aus. In seiner Ausstellung Mensch-Werden zeigt er viele Objekte, die sich mit dem Menschen und seinem Dasein beschäftigen. Zur Eröffnung begrüßte Kulturfoyer-Vorsitzender Heinrich Mosler eine große Fangemeinde – Behninger ist in der Region längst kein Unbekannter mehr. Viele seiner Großplastiken zieren Plätze in Nürnberg, Fürth und Umgebung. Außerdem wurde das Werk Behningers in mehreren Ausstellungen gezeigt. 2010 hat bekam er für seine Arbeit „Das Boot“ beim Fränkischen Kunstpreis einen Anerkennungspreis.
Eindrücke aus Afrika
Aufgewachsen und ausgebildet mit den eher konventionellen Kunstformen europäischer Metallbaukunst, kommt Behninger, der Kunstschmied, Schmiede- und Schlossermeister, als Entwicklungshelfer 1984 zum ersten Mal in Kontakt mit der afrikanischen Kunst. „Reduziert, archaisch, klar und ohne barocke Schnörkel ist sie und hat doch eine klare, tiefe Aussage“, sagt Behninger. Er war von dieser Kunst stark beeindruckt und ist es immer noch. Wie stark, das kann man an vielen Objekten dieser Ausstellung nachvollziehen.
Behninger reduziert die menschlichen Körper auf ein Minimum: Er arbeitet mit fast schon geometrischen Formen, Köpfe werden winzig und anonymisiert, Beine und Korpus werden überproportional gelängt. Dadurch bekommen die eingesetzten Attribute eine viel größere Bedeutung und Aussagekraft. Beim „Krieger“ ist es die rohe Art, wie seine Waffe, ein langer Speer, mit dem Körper verbunden ist: die Bohrlöcher im Rumpf des Kriegers sind mit Eisenspangen mit dem Speer verbunden, der Schmelzfluss ist wie um eine große Wunde erstarrt. Für Behninger ist diese Figur ein Inbegriff der „Rücksichtslosigkeit sich und anderen gegenüber“, der in der Erkenntnis gipfelt, dass es „keinen humanen Krieg und keinen humanen Krieger gibt.“
Behninger und die Kunst
Behningers Kunstverständnis ist pragmatisch und setzt die Interpretationen des Betrachters über das Ausdrucksbedürfnis des Künstlers. „Das Interessante an der Kunst ist,“ sagt er, „seine eigene Welt, seine Empfindungen, seine Erfahrung zu der Kunst zu bringen und sie dann mit diesen Augen zu sehen.“
Trotzdem stecken in vielen Objekten zutiefst persönliche Erfahrungen und Geschichten. Das Objekt „Überleben“ zum Beispiel ist durch die jüngsten Ereignisse in Japan zum zweiten Mal zu einem Mahnmal geworden. Vor zehn Jahren für eine Ausstellung über die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki angefertigt, ist der aus einem Vierkantstahl heraus sprießende Gingko, eine der ältesten Pflanzen der Welt, ein Symbol dafür, dass die Natur die Menschheit überleben wird, auch die aktuellen atomaren Katastrophen in Japan. Der Gingko war die erste Pflanze, die nach den Atombombenabwürfen im Zweiten Weltkrieg wieder austrieb.
Die Ausstellung Mensch-Werden ist noch bis zum 29. April 2011 im Kulturfoyer der Handwerkskammer für Mittelfranken, Sulzbacher Straße 11-15, 90489 Nürnberg zu sehen. Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag, 7.30 bis 17 Uhr, Freitag, 7.30 bis 16 Uhr. Eintritt frei.
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