Handwerks-Frühschoppen: Erlanger Kreishandwerksmeister mahnt die Politik
Mut zeigen, die Fehler zu korrigieren
"Es ist eine Tugend, eigene Fehlentscheidungen zu korrigieren. Ich wünsche der Politik den Mut dazu!" Mit Applaus wurden diese Aussagen von Kreishandwerksmeister Siegfried Beck beim 12. Handwerker-Frühschoppen der Kreishandwerkerschaft Erlangen-Hersbruck-Lauf bedacht. Er kritisierte deren Unberechenbarkeit und Klientel-Dienste wie die Steuerreduzierung für Hotelbetriebe; seiner Ansicht nach dürfte es nur einen Ausnahmetatbestand für reduzierte Mehrwertsteuer geben – und zwar für arbeitsintensive Handwerke.
Konstanz gefordert
Vor über 100 Zuhörern im "Open Air-Bereich am „Haus des Handwerks" in Erlangen kritisierte der Bäckermeister auch die Welle von Rücktritten namhafter Politiker. Die sollten vom Handwerk lernen: "Wir können doch auch nicht einfach alles hinwerfen!" Und gerade in Krisenzeiten wünsche sich der Bürger Halt und Konstanz.Der Inhaber der Bäckereikette "Der Beck" sprach sich gegen eine weitere Subventionierung von Solarmodulen auf Ernteflächen aus. Die jetzige Hitzewelle, erwartete Ernteausfälle und steigende Getreidepreise zeigten, wie wichtig heimischer Anbau für die Nahversorgung sei.
Mittelschule begrüßt
In der letzten Reform des Handwerks und der Meisterpflicht haben laut Beck weder Politik noch das Handwerk Weitblick bewiesen. Die Abschaffung des Meisterzwangs in 53 von 94 Berufen vor fünf Jahren habe zu einer Schwemme von Ein-Mann-Betrieben geführt, aber nicht viele sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze zusätzlich geschaffen. Dass Deutschland in puncto Beschäftigung und Ausbildung immer noch so gut dastehe, sei nur den "richtigen" Handwerksbetrieben zu verdanken. Diese hätten die Krise dank Flexibilität und Kundennähe bislang gut überstanden; Inhaber und Mitarbeiter setzten auf Zusammenhalt.
Apropos Ausbildung: Der Kreishandwerksmeister mahnte, man brauche künftig mehr "ausbildungsreife" Lehrlinge. Hier seien Eltern wie Schulen in der Pflicht. Das Handwerk begrüße das neue bayerische System der "Mittelschule" und wünsche sich zehn Pflicht-Schuljahre für alle Jugendlichen.
Vergabe gelobt
In Anwesenheit von Erlangens Oberbürgermeister Dr. Siegfried Balleis (CSU) und Landrat Eberhard Irlinger (SPD) forderte Beck, neue Gewerbegebiete nur maßvoll und unter Einbeziehung auch des Handwerks auszuweisen. Dass die Stadt Aufträge bis 50.000 Euro nun auf dem Weg einer beschränkten Ausschreibung vergebe, um auch das regionale Handwerk zu unterstützen, lobte er ausdrücklich. An den Landkreis richtete er den Wunsch, durch eine baldige, vernünftige Entscheidung über den Bau eines neuen Landratsamtes für einen wichtigen Wachstumsimpuls zu sorgen.
Hüttner verabschiedet
Vor der prominent besetzten Zuhörerschar – unter ihnen Heinrich Mosler, Präsident der Handwerkskammer für Mittelfranken, und MdB Stefan Müller (CSU, Großenseebach) – gab es noch einen Abschied zu feiern: Robert Hüttner, ehemaliger Obermeister der Erlanger Maler- und Lackierer-Innung, schied zur Monatsmitte aus dem Vorstand der HWK aus. Zuvor war er von 1979 bis 1989 stv. Mitglied der HWK-Vollversammlung, von 1989 bis 2010 Vollversammlungs- und von 1999 bis 2010 Vorstandsmitglied. Nachdem sein Sohn Harald Hüttner inzwischen den Betrieb übernommen hat, will der 62-Jährige auch im Ehrenamt kürzer treten: "Es müssen einfach rechtzeitig Jüngere ran!" Siegfried Beck dankte dem Malermeister für seinen über 30 Jahre währenden Einsatz für das Handwerk und stellte als seinen Nachfolger in der HWK-Vollversammlung Schreinermeister Frank Geppert, vor. Der Juniorchef der Schreinerei Popp in Baiersdorf ist auch schon als Vorstandsmitglied der Kreishandwerkerschaft aktiv.
Mit einem fränkisch-meditarranen Grillbüfett versorgt wurden die Gäste des Frühschoppens anschließend von Metzgermeister Heinrich Knaus (Erlangen) und seinem Team. Die Tischgespräche bei Bier, Bratwürsten und Brezen nutzten die Vertreter von Handwerk, Politik und Gesellschaft zum lockeren Erfahrungsaustausch – mal außerhalb offizieller Gremien. (Buchmann)