Wintervollversammlung der Handwerkskammer für Mittelfranken
Bevor Präsident Heinrich Mosler am 5. Dezember 2011 seinen Bericht bei der vierten Vollversammlung in der Amtsperiode 2010 bis 2015 begann, wehte französisches Flair durch die mittelfränkische Handwerkskammer. Evelyne Cazautets, Generalsekretärin der französischen Partnerkammer aus Versailles und Coryne Wolff, Geschäftsführerin des dortigen Bildungs-zentrums, sprachen jeweils ein kurzes Grußwort. Beide Damen bedankten sich für die Gastfreundschaft der Handwerkskammer für Mittelfranken und freuten sich, bei der Vollversammlung anwesend zu sein. Madame Cazautets betonte, dass die "Chambre de Métiers et de l'Artisanat des Yvelines" trotz einer angespannten finanziellen Lage auch in Zukunft am Austauschprogramm zwischen beiden Kammern festhalten wolle.
Anschließend ergriff Dr. Michael Fraas, seit September 2011 Wirtschaftsreferent der Stadt Nürnberg, das Wort. Er lobte das Handwerk als verlässlichen, offenen und fairen Partner, der seinen gesellschaftlichen Aufgaben voll gerecht werde. Als Beispiel nannte er, dass das Handwerk auch in Krisensituationen Arbeitskräfte so weit wie möglich halte.
Fachkräftemangel angekommen
Präsident Mosler ging im Rahmen seines Berichts zunächst auf die wirtschaftliche Situation des mittelfränkischen Handwerks ein und konnte aufgrund der Konjunkturumfrage der Handwerkskammer zum Ende des dritten Quartals 2011 erneut hervorragende Ergebnisse vermelden: Knapp 91 Prozent der befragten Betriebe bezeichneten ihre Situation als gut oder befriedigend, nur 9,2 Prozent seien mit der aktuellen Situa-tion unzufrieden. Positiv habe sich auch die Beschäftigtenzahl entwickelt: Zurzeit seien im mittelfränkischen Handwerk zirka 125.000 Mitarbeiter tätig. In vielen Betrieben mache sich jedoch bereits ein Fachkräftemangel bemerkbar.
In diesem Zusammenhang verwies Präsident Mosler auf die Zahl der neu registrierten Lehrverträge im mittelfränkischen Handwerk. Diese habe Ende November auf dem gleichen Niveau wie im Vorjahr gelegen. Auf bayerischer Ebene sei eine Zunahme um gut drei Prozent festzustellen gewesen. Die Ausbildungsplatzbörse der Kammer weise aktuell 150 sofort zu besetzende Lehrstellen auf, für das kommende Ausbildungsjahr gebe es bereits 238 Meldungen. Allerdings handele es sich hierbei nach Angaben von Präsident Mosler nur um die Spitze des Eisbergs, da längst nicht alle freien Stellen gemeldet würden.
Beispielhaft für die Maßnahmen der Handwerkskammer zur Nachwuchsgewinnung nannte Präsident Mosler die Weiterführung des bayern-weiten Nachwuchswettbewerbs "Macher gesucht!", das Projekt Nachqualifizierung rund um Nürnberg (NQ RuN) sowie die intensivierte Zusammenarbeit mit dem türkischen Unternehmerverband Tiad und dem türkischen Konsulat.
Präsident Mosler berichtete außerdem über zahlreiche Veranstaltungen, die die Handwerkskammer im zweiten Halbjahr 2011 ausgerichtet hat. So habe am 20./21. Oktober 2011 der Bayerischen Handwerkstag mit der angeschlossenen Abschlussfeier für die Sieger des Landesleistungswettbewerbs in Ansbach stattgefunden. Auch habe sich die Kammer mit ihrem Haustechnologischen Zentrum an der "Langen Nacht der Wissenschaften" beteiligt.
Anschließend ging Präsident Mosler auf den aktuellen Stand der Image-Kampagne des Deutschen Handwerks ein. 2012 stehe die Kampagne unter dem Motto "Wir sind Handwerker. Wir können das". Mosler teilte zudem mit, dass es wieder einen bundesweiten Tag des Handwerks geben werde: Nach harten Diskussionen habe man sich auf den 15. September 2012 geeinigt; an diesem Tag seien in keinem deutschen Bundesland Schulferien.
Zudem wies der Kammerpräsident auf den Berufsbildungskongress im Dezember 2012 in der NürnbergMesse hin und forderte die Voll-versammlungsmitglieder auf, sich aktiv zu beteiligen. Es sei wichtig, diese Veran-staltung in Nürnberg zu halten.
Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Elmar Forster begann seinen Bericht mit Ausführungen zur wirtschaftlichen Lage. So bezeichnete der ZDH das Jahr 2011 als ein Rekordjahr für das Handwerk. 29 Prozent der Betriebe verzeichneten gestiegene Umsätze, die Auftragsreichweiten lägen im Durchschnitt bei 6,9 Wochen und für 2012 werde mit einer Steigerung der Umsätze um 1,5 Prozent gerechnet.
Energie muss bezahlbar bleiben
Als große Herausforderung bezeichnete Prof. Dr. Forster das Vorhaben der Bundesregierung, eine Energieversorgung ohne Atomstrom mit verminderten CO2-Emissionen umzusetzen. Hierfür müssten unter anderem 4.000 Kilometer Stromtrassen neu gebaut werden, um den Transport von in Norddeutschland erzeugtem Windstrom nach Süden zu gewährleisten. Für 2012 rechnet der Kammer-Hauptgeschäftsführer mit einer Kostensteigerung für Strom um mindestens zehn Prozent. "Eine sichere und bezahlbare Energieversorgung sei jedoch Grundlage für die Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Handwerks", so Prof. Dr. Forster.
Beim Thema "Internationalisierung von Berufsabschlüssen" zeigte er sich erfreut darüber, dass die Meisterprüfung auf die gleiche Stufe gestellt worden sei wie der Bachelor-Abschluss (Stufe 6). Jedoch könne nicht hingenommen werden, dass die Kultusministerkonferenz die Gesellenprüfung niedriger eingestuft habe als das Abitur.
Als positiv bewertete Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Forster die Abwehr der "Lebensmittelampel". Besorgt zeigte er sich jedoch über die Entwicklung, dass der Verbraucherschutz auf europäischer Ebene immer mehr zu Lasten des Handwerks gehe. So sei eine EU-Richtlinie im Gespräch, nach der Aufträge an Handwerker zukünftig Haustürgeschäften beziehungsweise Fernabsatzgeschäften gleichgestellt werden sollten. "Dies verschlechtere die Situation für Handwerker erheblich", so Prof. Dr. Forster und kündigte gleichsam den Widerstand des Handwerks an. Foto: Handwerkskammer