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Kleinod in Nürnbergs Altstadt restauriert

Kleinod in Nürnbergs Altstadt restauriert

Malermeister Rainer Paul restaurierte in einem ehemaligen Handwerkerhaus

Schmuck steht es da, das sogenannte Dr.-Erich-Mulzer-Haus in Nürnbergs Vorzeigegasse, der Weißgerbergasse 10, in dem die Altstadtfreunde seit 2009 Logis bezogen haben. Das einzige giebelständige Haus in Nürnberg blickt auf eine lange, ruhmreiche, in den letzten Jahrzehnten aber eher traurige Geschichte zurück. 1390 erstmals urkundlich erwähnt, war es lange Zeit von Gerbern bewohnt, wovon die Reste eines Gerberbottichs in der Erdgeschosshalle, der jetzigen Bibliothek, zeugen. Die Großzügigkeit und Höhe der Räumen lassen Dr. Inge Lauterbach, die ehemalige Vorsitzende der Altstadtfreunde, vermuten, dass in diesem Haus etwas „betuchtere Handwerker“ gewohnt haben müssen. Dies änderte sich auch nicht, als die Witwe des letzten Gerbers einen Schreinermeister heiratete.

Reiche Handwerker

Im Gegenteil, das prächtige Haus wurde dem barocken architektonischen Schönheitsideal angepasst: die Gerbergalerien wurden abgebrochen, das Fachwerk teilweise umgestaltet. Im Inneren entstand ein prächtiger, holzvertäfelter Raum, der in unserer Zeit durch die Altstadtfreunde wieder neu eingebaut wurde und dabei ein Geheimnis preisgab, mit dem selbst die altbau-erfahrenen Altstadtfreunde nicht gerechnet hatten. Bei den Instandsetzungsarbeiten fand ein Holzrestaurator im ersten Obergeschoss überraschend eine Farbschicht. Malermeister Rainer Paul wurde mit der Freilegung eines Probefensters beauftragt und man staunte nicht schlecht über das, was unter der dicken braunen Farbschicht hervorkam: höchst qualitative Rocaille-Malerei aus den Jahren um 1750. Dr. Inge Lauterbach vermutet, dass solch ein Raum „in Nürnberg wohl kein zweites Mal zu finden ist.“

Aufwändige Restaurierung

Schnell war klar, dass dieses kostbare Stück Rokoko-Malerei gerettet werden musste und Rainer Paul machte sich zusammen mit der polnischen Diplom-Restauratorin Malgorzata Ziarkiewicz ans Werk. Über vier Monate arbeiteten die beiden an der Restaurierung. Schritt für Schritt trugen sie Farb- und Spachtelschichten ab, um dann die freigelegte Originalfassung zu retuschieren oder farblich zu ergänzen. „Am besten erhalten war das mittlere Feld an der Südwand“, erzählt Paul, „dort mussten wir nichts dran machen.“ Die anderen Felder waren nicht so gut erhalten und so gab es vieles zu retouchieren, zum Teil zu rekonstruieren. Ganz besonders schlimm hatte es die Kassettendecke erwischt. Dort waren die Malereien durch „frühere mechanische Einwirkungen“ – so steht es im Restaurierungsbericht - im wahrsten Sinne des Wortes „zu Grunde gerichtet“ worden. Die ganze Decke musste deshalb neu gefasst werden. Insgesamt kostete die Restaurierung der Holzvertäfelungen über 50.000 Euro. Allein 20.000 Euro wurden durch eine Spende der gemeinnützigen Staedtler-Stiftung abgedeckt.

Die mühevolle Kleinarbeit war letztendlich von Erfolg gekrönt. Und so erstrahlt jetzt ein kunst- und kulturgeschichtliches Kleinod in der Weißgebergasse 10 wieder in neuer Schönheit. Der Raum mit seinen wertvollen Vertäfelungen kann zu den Bürozeiten der Altstadtfreunde immer dienstags und freitags von 15 bis 18 Uhr besichtigt werden.

 

 

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