Geduldet: Wissen wird verschleudert - Marlene Rupprecht MdB informierte sich über die Arbeit von BLEIB
Und sie nimmt sich dafür sehr viel Zeit. Über zwei Stunden spricht sie mit Martina Schuster, die für die Öffentlichkeitsarbeit von BLEIB zuständig ist, und ihren Kolleginnen und Kollegen. Zwei Stunden, die angefüllt sind von Schilderungen, wie schwierig es ist, Bleibeberechtigte in den Arbeitsmarkt zu integrieren, nicht nur weil die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse erschwert ist, sondern vor allem auch dadurch, weil die sprachliche und berufliche Integration der Flüchtlinge nicht oder viel zu spät gefördert wird.
Warten. Warten. Warten.
Ganz besonders schlimm ist das für junge Menschen, die geduldet werden, aber nicht arbeiten dürfen. Unter Umständen vergeuden sie viele kostbare Jahre ihrer Lebenszeit mit Warten auf ihre Anerkennung. Martina Schuster schilderte als Beispiel das Schicksal von Kim Heng (29) aus Kambodscha, der seit 2004 in Deutschland lebt, aber immer noch keine Erlaubnis zum Arbeiten beziehungsweise zur dualen Ausbildung erhalten hat. Und dies obwohl seine Lehrer an der Nürnberger Berufsschule 11, an der er eine schulische Ausbildung absolviert und auch sein Praktikumsunternehmen höchst zufrieden mit ihm waren, seine handwerklichen Fertigkeiten sehr lobten und er schon längst eine handwerkliche Ausbildung beginnen könnte. "Das ist besonders tragisch, weil wir in Deutschland sehenden Auges auf einen großen Fachkräftemangel zurasen und hier vorhandenes Potential einfach nicht genutzt werden kann", argumentierte Martina Schuster.
Angst vor Unbekanntem
Für Marlene Rupprecht sind solche Fälle das Resultat einer schlechten Migrationspolitik in Deutschland. "Deutschland wehrt sich bis heute gegen Zu- und Einwanderung", sagte die Bundestagsabgeordnete bei BLEIB und fügte hinzu "Menschen, die kommen, kann man nicht wie Objekte behandeln und nach Belieben versetzen" – und sie versprach, sich in dem einen und anderen Fall direkt einzusetzen. Ein Grundproblem allerdings, wird sich nur sehr schwer ändern lassen, so Rupprecht: Dies sei die Angst vor Andersartigem, Fremden, denn "alle logischen Argumente nützen nichts, wenn die Angst im Bauch sitzt." Dagegen helfe nur gezielte Öffentlichkeitsarbeit und ein gutes Networking.
Zum Abschied überreichte Martina Schuster der Bundestagsabgeordneten eine acht Punkte umfassende Empfehlung, mit der Bitte, sich für die Durchsetzung der Forderungen bei der Bundesregierung und im Bundestag einzusetzen. Dieses Acht-Punkte-Programm können Sie sich hier downloaden.