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Handwerk, Kunst und Kultur
Paris in Nürnberg

Paris in Nürnberg: Haute Couture an der Pegnitz

Die Ausstellung "Stil statt Label", deren Eröffnung mit einer großen Modenschau Ende Juni gefeiert wurde, zog – natürlich – mehrheitlich die Damenwelt an, die sich über Haute Couture Mode aus Mittelfranken und Europa informieren, aber auch die Ergebnisse des Wettbewerbs "Handwerksjugend creativ" bestaunen und bewerten wollten.

Designerflair in der HWK

An diesem Tag hatten sich manche Räume und Flure der Handwerkskammer in ein Modeatelier, das Foyer in einen Showroom verwandelt: Kleiderständer und Spiegel, dazwischen aufgeregte Modells und assistierende Mitarbeiterinnen, die beim An- und Umziehen behilflich waren. Unter ihnen, Helga Freier, die Initiatorin des Events. Die resolute Endfünfzigerin ist seit 45 Jahren im Geschäft, 25 Jahre davon selbstständige Schneidermeisterin. Sie kennt die Branche und weiß, dass es harte, disziplinierte Arbeit bedeutet, um bestehen zu können. Und natürlich auch, dass der alte Spruch "klappern fürs Handwerk", auch heute nichts von seiner Bedeutung verloren hat. So entstand die Idee zur Ausstellung und zur Modenschau in den Räumen der Handwerkskammer.

Die Show beginnt

Und dann schwebten sie die große Treppe herab. Den Anfang machten sechs junge Damen, ihres Zeichens Auszubildende im Maßschneiderhandwerk. Sie hatten sich an dem Ideenwettbewerb "Handwerksjugend creativ" beteiligt, bei dem es galt, aus Werbematerial der Imagekampagne des deutschen Handwerks kreative, avantgardistische Modelle zu kreieren. Nach zehn Wochen Arbeit neben Ausbildung und Schule und zum Teil Abschlussprüfungsvorbereitungen, lieferten sie bezaubernde, ideenreiche Kreationen ab: vom Cape, unter dem sich ein Schnürkorsett mit Minirock verbirgt, bis zu einem langen Rock mit rückenfreiem Oberteil, von einer Corsage mit Rock und einem geflochtenen Sonnenhut, bis zu einem Origamikleid, von einer zweiteiligen Kreation mit Corsage, Rock mit Schleppe und einer aufgesetzten Blumenranke bis hin zu einer beleuchtbaren Robe mit Korsett, Bolerojäckchen und Sonnenschirm. Das Publikum staunte und belohnte die Modelle mit viel Applaus. Den ersten Preis holte sich Laura Lisa Geißler mit ihrem geheimnisvollen Cape.

Europäische Schneiderkunst

"Ich fühle mich, als wäre ich in Paris," flüsterte eine Zuschauerin begeistert, als die Modelle der Mitglieder des Europäischen Arbeitskreises Kreative Mode (EAK) präsentiert wurden.

"Seit 20 Jahren ist der EAK bemüht, auf europäischer Ebene ein Forum für Schneiderkunst zu bieten," erläuterte Helga Freier, die derzeitige Präsidentin des Arbeitskreises. Die Mitglieder treffen sich zu Workshops, wie vor kurzem anlässlich der Zwanzigjahr-Feier hier in Nürnberg mit der Haute-Couture-Stickerin Josiane Grauet aus Paris. Wie hochkarätig die Mitgliedschaft des EAK besetzt ist, zeigt sich zum Beispiel auch daran, dass Heike Rahussen die Trägerin der Silbernen Rose 2009/2010, der höchsten Auszeichnung bei den Maßschneidern, mit ihrem dreiteiligen Complet apriko-cashmere zu den Ausstellern gehört.

Haute Couture aus Feucht

Zum Abschluss präsentierte Helga Freier Modelle aus ihrem eigenen Atelier. "Mode vergeht, Stil bleibt bestehen" den Wahlspruch von Coco Chanel hat sie sich auf die Fahnen geschrieben und entwirft für ihre Kundinnen Kreationen im zeitlosen, klassischen Stil mit exquisiten Designerstoffen und in aufwändiger Technik. Die Inspirationen stammen von den großen Modeschauen in Paris.

Die Preisträgerinnen von "Handwerksjugend creativ" und ihre Ausbildungsbetriebe:

1. Laura Lisa Geißler, 2. Lehrjahr, Atelier HF Haute Couture, Feucht
2. Olga Fritzler, 2. Lehrjahr, Spitz Massdesign, Erlangen
3. Verena Rothmann, 3. Lehrjahr, Simone Weghorn, Fürth
4. Alexandra Müller, 1. Lehrjahr, Neumayr Modedesign, Nürnberg
4. Iris Müller, 1. Lehrjahr, Atelier KayBE, Herzogenaurach
4. Isabell Ströhlein, 2. Lehrjahr, Mode-Atelier Judith Waldmüller, Schwabach

 

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