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Handwerk ist ein Hort der Stabilität

"Handwerk ein Hort relativer Stabilität"

Wirtschaftsreferent Dr. Roland Fleck trat für ein "ordnungspolitisches Korsett" und die soziale Marktwirtschaft ein

Das Handwerk in und um Nürnberg ist inmitten der Krise ein "Hort relativer Stabilität", sagte der städtische Wirtschaftsreferent Dr. Roland Fleck. Und wenn auch zum Beispiel durch die Quelle-Pleite der Bäcker und der Metzger um die Ecke und andere Lieferanten mit betroffen seien, stehe der Wirtschaftsstandort "deutlich robuster" da als noch vor zehn Jahren. Beim Neujahrsempfang der Bäcker-Innung Nürnberg kündigte er gleichwohl ein Brückenfinanzierungskonzept der Stadt an, das ebenso wie der um 115 Millionen Euro aufgestockte Strukturförderungsfonds der Bayerischen Staatsregierung speziell dem Mittelstand helfen soll.

Vor gut 60 Zuhören im noblen Ambiente des innungseigenen "Bäckerhofs" an der Schlehengasse lobte Gastredner Fleck das Handwerk: Hier zeigten Betriebsinhaber noch "ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit Beschäftigten". Auch deshalb stehe man mit einer Arbeitslosenquote von 5,3 Prozent im Bundesvergleich der Großstädte immer noch auf Platz 3 hinter München und Stuttgart (Bayern: 4,6; Bund: 7,8). Die "schwerste Rezession seit den 30er Jahren" mit BIP-Rückgang von fünf Prozent im Jahr 2009 treffe das Handwerk nur partiell – massiv zum Beispiel die Autozuliefererbetriebe.

Vertrauen wiederherstellen

In seinem Vortrag zum Thema "Region Nürnberg – wo sind wir? Wo gehen wir hin?" machte der Redner als Hauptgrund der Krise aus, dass das Erfolgsmodell der Sozialen Marktwirtschaft zuletzt in die Defensive gedrängt worden sei. Die Verfechter der anglo-amerikanischen Wirtschaftsordnung hätten Oberwasser bekommen. Fleck, der CSU angehörend, räumte Fehler der Politik ein – der Gesetzgeber habe diese Entwicklung unterstützt und nicht die Real-, sondern die Finanzwirtschaft in den Mittelpunkt gerückt. Jetzt sei es an der Zeit, wieder ein "ordnungspolitisches Korsett" einzuziehen, bei Menschen und Betrieben Vertrauen zu schaffen, ihnen Orientierung zu geben.

Heruntergewirtschaftet

In Nürnberg hat man laut Fleck leider Erfahrung mit großen Firmenpleiten – die Liste reicht von AEG über Grundig und Triumph-Adler bis Quelle. Apropos: Das Aus des Versandhändlers habe nichts mit der Wirtschaftskrise zu tun; er sei in zehn Jahren systematisch "heruntergewirtschaftet" worden. Nun hoffe man, in den nächsten Jahren auf den 25.000 Quadratmeter Fläche im Quelle-Stammhaus an der Fürther Straße neue Firmen anzusiedeln. "Wer investieren will oder einen neuen Standort sucht, soll mit mir Kontakt aufnehmen", appellierte der Wirtschaftsreferent, der sich als "Anwalt der Interessen des Handwerks" im Rathaus sieht.

Spannende Zeiten

Großprojekte, bei deren Verwirklichung auch heimische Handwerksbetriebe zum Zug kommen sollen, sind laut Fleck die Erweiterung der Messe mit 50 Millionen Euro Investition und die Autobahnanbindung des Flughafens mit 60 Millionen Euro. Gerade sie seien wichtig, um die strukturelle Wettbewerbsfähigkeit Nürnbergs zu stärken. Der Experte prophezeite: "Es liegen spannende Zeiten vor uns." Und, so scherzte er – wie der 1. FC Nürnberg würden auch Handwerk und Gesamtwirtschaft langsam, aber sicher wieder aus dem Tal herauskommen.

Handwerk als Vorbild

Nürnbergs Bäcker-Obermeister Manfred Kerschbaum lobte die Einsichten des Referenten – vor allem die in die Fehler der Politik. Das sei der beste Schritt, es künftig besser zu machen, und den Prinzipien des Fürthers Ludwig Erhard als Vater der Sozialen Marktwirtschaft wieder gerecht zu werden. Der Innungschef, der als Ehrengäste unter anderemn Handwerkskammer-Vizepräsident Thomas Pirner, Kreishandwerksmeister Achim Hanisch, Erich Heidrich, Obermeister der Metall-Innung Nürnberg und Vorstandsmitglied der Kreishandwerkerschaft, VR-Bank-Vorstandsmitglied Brigitte Baur (ehemalige Chefin der Bäcker-Bank) sowieEhren-Obermeister Karl Pabst begrüßen konnte, mahnte: "Jeder Arbeitslose ist einer zu viel." Das Handwerk sei da Vorbild – hier stehe der Mensch im Mittelpunkt und gerate nicht so schnell auf die "Abschussliste" wie in der Industrie.

Musikalisch umrahmt wurde der im Vorjahr erstmals veranstaltete Neujahrsempfang von vier Mitgliedern der Nürnberger Bäckerposaunen. Bei Nürnberger Bratwürsten, Häppchen und einem Glas Sekt oder Rotwein erhielten hier die Mitglieder und Senioren der Innung die Chance, sich mal ohne Arbeitsstress zusammenzusetzen, Erfahrungen auszutauschen – für Obermeister Kerschbaum das eigentliche Ziel dieses Treffs. Text/Foto: Buchmann

 

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