Stets neuen Herausforderungen gestellt: Führung der Handwerkskammer besuchte drei Handwerksbetriebe im östlichen Mittelfranken
Mehrmals im Jahr steht eine solche Besuchsfahrt auf dem Programm der Kammerspitze, dieses Mal führte sie ins östliche Mittelfranken zur Zimmerei Gillich in Röttenbach, zu dem Maschinen- und Metallbaubetrieb Kirschner in Greding-Euerwang sowie zur Firma Herzog Heizungstechnik in Allersberg.
Solides Wirtschaften gefragt
Die Zimmerei Gillich in Röttenbach bei Schwabach hat sich auf den individuellen Treppenbau spezialisiert - eine Marktlücke, damals wie heute.

Der 1981 von Zimmerer-Meister Gerhard Gillich gegründete Familienbetrieb wird heute in zweiter Generation von seinem Sohn Holger Gillich, ebenfalls Zimmerer-Meister, geleitet. 2007 erfolgte die Betriebsübergabe - schuldenfrei, wie der Senior betont. Dass ein Betrieb auf soliden Füßen steht, ist für ihn unerlässlich. "Man muss in guten Zeiten etwas auf die hohe Kante legen, um schlechte Zeiten überstehen zu können", so der Senior und appelliert damit an junge Handwerkskollegen, sich von Beginn an um ihre Finanzen zu kümmern. Auch nach der Übergabe ist Gerhard Gillich noch aktiv im Betrieb tätig, ebenso wie seine Frau und Schwiegertocher Stefanie Gillich. Vier Gesellen und ein Lehrling komplettieren das Team.
Größten Wert legt man in dem Zim-mereibetrieb auch auf Qualität und Kundenzufriedenheit. "Der Kunde muss sehen, dass man seinen Job gerne macht", so Gerhard Gillich. Auch sind Vater oder Sohn stets vor Ort beim Kunden mit dabei - ein Umstand, den diese sehr schätzen.
Dass Qualität aber auch ihren Preis hat, daran lassen Gillichs keinen Zweifel aufkommen. "Unsere Angebote sind korrekt kalkuliert, da können wir nichts nachlassen", so der Senior. Außerdem mache man sich nach Ansicht der Zimmerer-Meister unglaubwürdig, wenn man nach Angebotsabgabe rückwirkend große Nachlässe einräume. "Oftmals", erzählt Gerhard Gillich nicht ohne Stolz, "erfahre ich dann, dass die vermeintlich billigeren Angebote die Kunden im Nachhinein teurer gekommen sind."
Die Wirtschaftskrise konnte dem Zimmerei-Betrieb bisher nichts anhaben, im Gegenteil. Man profitiert von der Einstellung der Verbraucher, ihr Erspartes lieber in die eigenen vier Wände zu investieren als anzulegen. "Wir haben deswegen im August einen Schreiner und einen Zimmerer eingestellt", freut sich Gillich junior.
Zahlreiche Standbeine
Auf ein breites Leistungsspektrum setzt die Firma Kirschner Maschinen- und Metallbau GmbH in Greding-Euerwang. Was 1987 als reiner Reparaturbetrieb für Landma"schinen begann, hat sich bis heute zu einem Unternehmen mit 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und unterschiedlichen Betriebszweigen entwickelt. Neben der Fertigung von kundenspezifischen Sondermaschinen für die Steinindustrie zählen die Zweige Zerspanung, Vorrichtungsbau sowie Agrar- und Baumaschinentechnik zu den Standbeinen.

"Gerade in Krisenzeiten wie jetzt hilft es uns, mehrere Geschäftszweige zu haben", so Geschäftsführer Willibald Kirschner und er verweist auf Kollegen aus dem Maschinenbau, bei denen "die Stimmung extrem schlecht sei".
Auch versucht man bei Kirschner der Krise mit Innovationsgeist und kundenspezifischen Serviceleistungen zu trotzen. So findet sich in den Fertigungshallen eine Eigenentwicklung zur Kalibrierung von Küchenplatten, die das mühsame Abschleifen mit der Flex-Maschine überflüssig macht.
Schnell und flexibel auf Kundenwünsche zu reagieren, ist für den Gredinger Betrieb selbstverständlich und gehört zum Service. "Für unseren Kunden Audi arbeiten wir auch samstags", erzählt Schwiegersohn Roman König, zuständig für den Bereich Maschinenbau. Grund hierfür sind die immer kürzer gewordenen Lieferzeiten, an die man sich anpassen musste.
Auf Fachwissen gesetztAuf umfangreiche Serviceleistungen setzt auch Anton Herzog, Inhaber der Herzog Sanitärtechnik GmbH in Allersberg. So bietet das Unternehmen einen 24-Stunden-Notdienst für den Bereich Sanitär- und Heizungstechnik an. Kostenlose Informationsveranstaltungen für potentielle Kunden zählen ebenfalls zum Angebot von Herzog.
Der gelernte Schmied übernahm 1982 die von seinem Großvater gegründete Schmiede, die zuvor sein Vater zu einer Schmiede-, Landmaschinen- und Spenglerfirma ausgebaut hatte.
Um den Handwerksbetrieb für die Zukunft zu rüsten und um möglichst breit aufgestellt zu sein, absolvierte Herzog erfolgreich die Meisterkurse für das Schmiedehandwerk, für die Gas- und Wasserinstallation sowie für die Spenglerei. Im Anschluss erwarb er zudem die Ausübungsberechtigung für den Heizungsbau. Die Mühe scheint sich gelohnt zu haben, von der Wirtschaftskrise spürt der Sanitärtechnik-Betrieb bisher nichts, die Auftragsbücher sind bis April 2010 gut gefüllt.
Besonders am Herzen liegt Anton Herzog und seiner Frau, die ebenfalls im Betrieb tätig ist, das Thema Ausbildung. Regelmäßig geben die Beiden jungen Menschen eine Chance im Handwerk, auch Förderschülern. Aktuell haben sie drei Auszubildende. In diesem Zusammenhang warb Anton Herzog eindringlich um Unterstützung für Ausbildungsbetriebe. "Wir hatten einen Lehrling mit Prüfungsangst. In solchen Fällen wäre es gut, wenn sich alle Beteiligten - der Betrieb, die Handwerkskammer und der Prüfungsausschuss - an einen Tisch setzen würden um zu überlegen, wie man dem jungen Menschen helfen kann."
Eine Anregung, die Kammer-Präsident Heinrich Mosler und Hauptgeschäftsführer Prof. Dr. Elmar Forster gerne mit nach Hause nahmen.